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Von Heimat über Stadtgeschichte bis hin zu Shakespeare

Dem Institut für Anglistik und Amerikanistik der TU Chemnitz gelang ein Publikations-Hattrick

Als Hattrick bezeichnet man im Fußball das Erzielen von drei unmittelbar aufeinanderfolgenden Toren innerhalb einer Halbzeit durch ein- und denselben Spieler. Vergleichbares ist der Professur für Anglistische Literaturwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz auf einem ganz anderen Gebiet gelungen. Im letzten Quartal des Jahres 2015 wurden in drei Buchpublikationen die Ergebnisse mehrjähriger Forschung zu Fragen des Raumes und seiner spezifischen Lesbarkeit präsentiert. Die drei Bände - zwei Sammelbände und eine Monographie - sind in der von Prof. Dr. Cecile Sandten und Prof. Dr. Evelyne Keitel herausgegebenen Reihe CHAT (Chemnitzer Anglistik/Amerikanistik Today) beim Wissenschaftlicher Verlag Trier erschienen.

Was ist Heimat?

Der von Cecile Sandten und Kathy-Ann Tan herausgegebene Sammelband "Home: Concepts, Constructions, Contexts." strebt in 14 Beiträgen eine Dynamisierung des Heimat-Begriffes an und löst den oft starren Heimat-Begriff sukzessive von seiner Bedeutung als Herkunfts-, Zufluchts- und Erholungsort ab. Dadurch wird „Heimat“ lesbar als ein sich ständig verändernder Ort, dessen Veränderungen wiederum Ergebnis politischer Geschichten, sozialer Ideologien und spezifischer kultureller Kontexte sind. „Heimat“, so lässt sich in Anlehnung an den Untertitel des Bandes schließen, ist immer ein konstruierter Ort und die Regeln zu seiner Herstellung immer aufs Neue ausgehandelte und auszuhandelnde. Die Beiträge dieses Bandes untersuchen jedoch nicht nur die Konstruktionsregeln von „Heimat“, sie spüren auch den Konsequenzen gescheiterter Herstellungsprozesse nach: Was passiert, „When Home Fails Us“, wie ein Beitrag im Titel fragt, oder wenn besagte Heimat zu einem Ort traumatischer Erfahrung wird, von Verfolgung, Vertreibung und Verdrängung. Angesichts der aktuellen Flüchtlingsbewegungen in Europa, sind dies Fragen von hoher Aktualität, deren Antworten fraglos zum besseren Verständnis der individuellen Erfahrungen von Heimat-Verlust beitragen können.

Stadt(ge)schichten

Im Mittelpunkt des von Eike Kronshage, Cecile Sandten und Winfried Thielmann herausgegebenen Sammelbandes "Palimpsestraum Stadt" steht der urbane Raum in seiner spezifischen Lesbarkeit. Der titelgebende Begriff „Palimpsest“ geht zurück auf eine antike Praxis zur Gewinnung von Schreibmaterial: Eine einmal gravierte Wachstafel wurde mit einer frischen Schicht Wachs versehen, um sie erneut beschreibbar zu machen. Dabei schien der zuvor auf der Tafel eingravierte Text unter der frischen Wachsschicht durch, so dass alter und neuer Text in ihrer Schichtung gleichzeitig lesbar waren. Städte, so die Grundthese des vorliegenden Bandes, sind diesem Schichtungsprinzip vergleichbare Räume, in denen sich räumliche, zeitliche und kulturelle Schichten überlagern. Die 13 Beiträge des Bandes legen an Hand unterschiedlicher Beispiele die jeweiligen Schichten frei und analysieren die Gleichzeitigkeit ihrer Lesbarkeit. Die Untersuchungsgegenstände zielen auf eine größtmögliche Vielfalt, um einen umfassenden Blick auf geschichtete Stadträume zu bieten. Sie reichen von der mittelalterlichen Stadt, über die großen Metropolen des 19. und 20. Jahrhundert bis hin zum heutigen Stadtraum unserer alltäglichen Lebensrealität. Diese inhaltliche und methodische Breite geht auf die vielfältigen Fachinteressen der Arbeitsgruppe „Palimpsestraum Stadt“ zurück, die seit 2010 an der TU Chemnitz Forschung zu diesem Thema betreibt. Es überrascht daher auch nicht, dass das Interesse gleich mehrerer Beiträge der Stadt Chemnitz gilt, die auf Grund ihrer lebhaften Geschichte mit ihren zahlreichen Überschreibungen einen idealen Untersuchungsgegenstand darstellt.

Globe global: Shakespeare transkulturell

Eine Untersuchung im literarhistorischen Raum nimmt die Monographie Shakespeare´s Globe, Global Shakespeares von Prof. Dr. Cecile Sandten vor. Wie der Titel signalisiert, beschreibt Sandtens Untersuchung eine räumliche Bewegung vom Zentrum der frühneuzeitlichen englischen Literatur, dem Londoner Globe Theatre als Wirkungsstätte Shakespeares, in die sogenannte Peripherie des ehemaligen Britischen Empires, insbesondere Afrika, Kanada, der Karibik und Indien – und wieder zurück. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht insbesondere das Dialogische der Wechselbewegung. Damit setzt Sandten der schematischen raumzeitlichen Beziehung von ursprünglichem Zentrum und nachfolgender Peripherie ein transkulturelles Modell entgegen, das einerseits die ästhetische Autonomie der sogenannten rewritings hervorhebt und andererseits das Reziproke der Austauschbeziehung betont. So gelangen in der Debatte die Shakespearean rewritings jenseits agonaler Beziehungen zu ihrem Recht. Als besonderes Merkmal tritt neben die beachtliche räumliche auch die generische Breite von Sandtens Untersuchung, die neben dramatischen rewritings der Shakespeare´schen Dramen auch lyrische und Prosa-Texte untersucht. Die besondere kanonische Stellung Shakespeares resultiere, so die Autorin, letztlich auch in seiner räumlichen Bedeutung als global denkender Autor, der, wie es in einer berühmten Passage in As You Like It heißt, alle Welt als Bühne ansah („All the world´s a stage“, Akt 2, Szene 7). Vor diesem Hintergrund erweitert Sandten das Bild des Globe-Shakespeares zu einem Bild vieler Global Shakespeares.

Weitere Informationen zu der in der Reihe CHAT erschienen Bände (einschließlich Inhaltsverzeichnis): Cecile Sandten und Kathy-Ann Tan (Hrsg.): Home: Concepts, Constructions, Contexts. / Eike Kronshage, Cecile Sandten und Winfried Thielmann (Hrsg.): Palimpsestraum Stadt / Cecile Sandten: Shakespeare´s Globe, Global Shakespeares: Transcultural Adaptations of Shakespeare in Postcolonial Literatures

Alle drei Bücher können auch in der Chemnitzer Universitätsbibliothek ausgeliehen werden: https://www.tu-chemnitz.de/ub/.

(Autor: Eike Kronshage)

Mario Steinebach
23.02.2016

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