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Erdbeeren von nebenan stärken die Stadt

Studenten der TU Chemnitz waren zum Abschluss des Seminars „Nachhaltigkeit als Idee und Politikfeld“ zu Besuch im Nachbarschaftsgarten auf dem Sonnenberg

  • Die Studierenden informierten sich im Nachbarschaftsgarten in der Peterstraße (Ecke Hainstraße) in Chemnitz. Foto: Robby Pilz

Ein Grundstück in der Stadt in einen blühenden und fruchtbringenden Garten zu verwandeln, schafft Gemeinsamkeiten. „Wer miteinander Erdbeeren anbaut, muss sich über die Verteilung der Ernte in der Gruppe einig werden,“ formuliert Dr. Sebastian Liebold politische Konflikte, die dabei vor Ort entstehen können. Zum Abschluss des Seminars „Nachhaltigkeit als Idee und Politikfeld“ am Institut für Politikwissenschaft besuchten die Studenten unter der Leitung von Dr. Liebold Mitte Juli den Nachbarschaftsgarten, ein „Urban-Gardening-Projekt“, in der Peterstraße (Ecke Hainstraße) in Chemnitz. Der von einem Privatmann an den Verein Stadthalten Chemnitz e.V. überlassene Garten auf dem Sonnenberg steht – nicht nur – gärtnernden Anwohnern seit Anfang des Jahres offen. Sascha Wagner vom Verein stellte den Studenten die Prinzipien von gemeinschaftlichem Anbau, Nahversorgung und Achtsamkeit gegenüber der Natur in der Stadt vor. Wie der Garten zur nachhaltigen Stadtplanung beiträgt, erklärte er im Dialog: „Gemeinsam zum Spaten greifen macht vielen Freude. Wir haben Regeln erstellt, etwa, wer an welchem Tag gießt. So entsteht ein Gefühl der Verantwortung.“

Neben diesem Projekt lernten die Studenten der TU Chemnitz das Quartier 49 kennen. In dem leer stehenden Gebäude in der Peterstraße 28 war der Prototyp einer Aquaponic-Anlage zu sehen. Die Betreiberin will hier „Vertical Farming“ umsetzen, das Fischzucht mit Gemüseanbau verbindet. Umweltschonend ist das Projekt wegen der Nutzung nährstoffreichen Fischwassers als Pflanzendünger.

Beide Projekte stehen für das Ziel, durch eigenes Tun das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Stadt im Einklang von Ökonomie, Ökologie und sozialen Belangen zu stärken. Als Teilnehmerin des Projekts „Morgenstadt“ wartet die Stadt Chemnitz mit vielen nachhaltigen Projekten auf, wie bereits der „Tag der Nachhaltigkeit“ am 4. Juni 2015 zeigte. So konnten die Studenten nicht nur die Theorie des von Hans Carl von Carlowitz geprägten Nachhaltigkeits-Begriffs erlernen, sondern sich auch gelungene Beispiele für nachhaltige Methoden praktisch ansehen. Über den Sommer entstehen dazu studentische Projektarbeiten, über die Dr. Liebold im nächsten Jahresband der Sächsischen Carlowitz-Gesellschaft informieren wird, der am Reformationstag 2015 erscheint.

Stichwort: Urban Gardening

Aus einer Protestbewegung („Guerilla-Gärtner“) in den 1970er-Jahren entstanden, gehört das nachhaltige und umweltschonende Nutzen von Freiflächen im städtischen Raum in vielen Szenevierteln großer Städte heute zum guten Ton. Es ist indes keine bloße Mode. Das Prinzip wird in südlichen Ländern oft zur Armutsbekämpfung und Selbstversorgung genutzt. In Deutschland ist Urban Gardening als neue soziale Bewegung anzusehen, die im weiteren Sinne politische Beteiligung fördert, demokratische Werte vermittelt und Umweltschutzaktivitäten gemeinschaftlich vermehrt.

(Autoren: Katharina Schwarz und Dr. Sebastian Liebold)

Katharina Thehos
22.07.2015

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