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Wie mehr Bewegung unser Gehirn beeinflusst

In ihrer Antrittsvorlesung erklärte Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage welche Vorteile mehr „Fitness fürs Gehirn“ im Alter bringen kann

  • Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage stellte dem Publikum ihrer Antrittsvorlesung verschiedene Experimente zur Erforschung der vielschichtigen Bedeutung von Bewegung für die Kognition vor. Foto: Andy Schäfer

Pünktlich zum Campus- und Sportfest der TU Chemnitz gab die Bewegungsforscherin Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage, die seit Juni 2015 die Professur Sportpsychologie (mit Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation) an der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften innehat, ihr Debüt im Lesebetrieb. Einer guten Tradition folgend hörten Kollegen, Gäste und Freunde der Professorin am Abend des 3. Juni 2015 ihre Antrittsvorlesung zum Thema „Fitness fürs Gehirn – der Einsatz neurophysiologischer Methoden zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen Bewegung und Kognition“. Diese war zudem ein Beitrag zur Vortragsreihe „Mit Methoden kompetent durchs Leben“ des Methodenkompetenzzentrums der HWS.

Nach begrüßenden Worten des Dekans der Fakultät, Prof. Dr. Thomas Milani, widmete sich die Sportwissenschaftlerin dem Schwerpunkt Alter. „Altern ist ein Prozess, der über die ganze Lebensspanne läuft“, stellte die 42-Jährige voran. Betrachtet man nun die Fähigkeiten unterschiedlicher Altersgruppen, so lässt sich erkennen, dass Bereiche der „fluiden Intelligenz“, etwa Geschwindigkeit oder Flexibilität im Denken, über die Jahre abnehmen, während die „kristalline Intelligenz“, zum Beispiel das Sprachverständnis oder berufsbezogenes Wissen, im Alter stabil bleibt oder zunimmt. Die Forschung interessiert sich nun, wie man diesen Alterungsprozess beeinflussen kann. Dr. Voelcker-Rehage stellte hierfür verschiedene Methoden vor, die den Forschern einen „Blick ins Gehirn“ erlauben sollen. Dazu zählen bildgebende Verfahren, die Aufschluss über Hirnvolumen oder Hirnaktivierung geben. Hier lassen sich erstaunliche Unterschiede zwischen Jung und Alt feststellen. Das Gehirn junger Menschen weist so zum Beispiel eine konzentrierte Aktivierung entsprechender Areale auf, während bei älteren Personen mehrere Hirnbereiche für dieselbe Aufgabe aktiviert werden.

„Das Gehirn ist enorm plastisch und veränderbar“, hob die Professorin hervor und begründete dies exemplarisch mit der Anzahl der Nervenzellen, der Größe des „zuständigen“ Hirnbereichs und der Vernetzung der Nervenzellen, auf die wir Einfluss nehmen können. Hier setzt der von Voelcker-Rehage untersuchte Bewegungsaspekt an. Denn „bestimmte Faktoren tragen auch hier zum erfolgreichen Altern bei“, so die Sportwissenschaftlerin. Dem Publikum präsentierte sie anschließend verschiedene Studienergebnisse, die der Frage nachgehen, wie sich körperliche Aktivität auf das Gehirn auswirkt. So ist nachgewiesen, dass ein kontinuierliches Ausdauertraining einen positiven Effekt auf die Aufmerksamkeitsleistung, Gehirnaktivität und das Gehirnvolumen hat. In ihrer Studie „Bewegtes Altern“ wollte die Professorin nun auch die Effekte von Koordinationstraining untersuchen und kam mit ihrem Team zu dem Schluss, dass diese Art von Ertüchtigung die geistige Fitness und die räumliche Wahrnehmung verbessert. Auch auf die Rolle der Gene ging die 42-Jährige ein und führte aus, dass besonders Personen mit eher „schlechten“ genetischen Voraussetzungen von regelmäßiger Bewegung zu profitieren scheinen.

In einem Exkurs widmete sich Voelcker-Rehage weiter dem Thema Demenz im Bewegungskontext. Hier weist eine Vielzahl an Studien darauf hin, dass körperliche Aktivität nicht nur das Demenzrisiko reduziert, sondern auch bei bestehender Erkrankung den Rückgang der kognitiven Fähigkeiten verzögert. Sportliches Training bei Demenzkranken verbessert zudem deren Denkleistung und Gehgeschwindigkeit. Daneben beeinflussen eine verstärkte Freizeitaktivität und Unterschiede im Lebensstil die kognitiven Reserven, die eine klinische Manifestation der Altersdemenz abfedern. Demente Patienten können so die krankhaften Veränderungen besser tolerieren. Zum Beispiel konnte in Tierexperimenten nachgewiesen werden, dass körperliche Aktivität die Plaquebildung reduziert, die unter anderem für die neurogenerative Erkrankung verantwortlich gemacht wird.

Aber wie viel Bewegung braucht das Gehirn? Hier kann Voelcker-Rehage eine Empfehlung geben: „Zweimal pro Woche, 30 bis 45 Minuten scheint ausreichend, aber auch mindestens notwendig zu sein“, so die Bewegungsforscherin. Wer dann dranbleibt, kann neben vielen anderen positiven „Nebeneffekten“ über ein Jahr lineare Verbesserungen auf Gehirnebene erfahren. „Körperliche Aktivität ist sicher die Methode, bei der man am wenigsten darauf achten muss, wie man sie ausführt, um positive Effekte auf die Kognition zu haben“, gab Voelcker-Rehage zu Bedenken und zeigte sich motiviert, mit ihrer Forschungsarbeit an der Chemnitzer Universität mehr Bewusstsein für die große kognitive Bedeutung der Fitness in jedem Lebensalter zu schaffen.

Zur Person: Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage

Claudia Voelcker-Rehage ist seit Juni 2015 Inhaberin der Professur Sportpsychologie (mit Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation) an der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften. Sie studierte Sportwissenschaft, Biologie und Physik an der Universität Bielefeld und war dort von 1993 bis 2003 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Bewegung und Motorik der Abteilung Sportwissenschaft. 2002 wurde sie an der Universität Bielefeld promoviert. 2003/2004 war sie als Postdoctoral Fellow an der School of Applied Physiology am Georgia Institute of Technology (Atlanta, GA, USA) tätig und anschließend bis 2010 Postdoctoral Fellow und Dozentin am Jacobs Center on Lifelong Learning der Jacobs Universität Bremen. Hier war sie ab 2010 bis zu ihrer Berufung Professorin für Human Performance. Ihre Hauptforschungsinteressen sind die motorische Entwicklung, das motorische Lernen und die Bewegungskontrolle über die Lebensspanne, die Verbindung zwischen motorischer und kognitiver Leistung und die Bedeutung der Motorik für die lebenslange Entwicklung.

Weitere Informationen: https://www.tu-chemnitz.de/hsw/mkz/

(Autor: Andy Schäfer)

Mario Steinebach
04.06.2015

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