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Ersti mit 63

Der gelernte Hotelkaufmann und Koch Ullrich M. Rasche entschied sich im Ruhestand für ein Studium der Europäischen Geschichte

  • Er fühlt sich wohl auf dem Campus: Der 63-jährige Ullrich M. Rasche studiert seit dem Wintersemester 2014/15 Europäische Geschichte an der TU Chemnitz. Foto: Katharina Preuß

Pauken in der Bibliothek, Klausuren im Halbjahresrhythmus und Essen in der Mensa – diese Dinge sind jedem Studenten ein Begriff. Manchem fällt der Studienalltag nicht leicht. Doch Ullrich Rasche kann es kaum erwarten, pünktlich um 7.30 Uhr im Vorlesungssaal zu sitzen und den Ausführungen seines Professors zu lauschen. Insgesamt drei Vorlesungen, vier Seminare und zwei Übungen besucht Rasche im Wintersemester 2014/15. Im Oktober 2014 nahm er das Studium der Europäischen Geschichte an der TU Chemnitz auf. Das Kuriose: Ullrich M. Rasche ist 63 Jahre alt und befindet sich bereits im Ruhestand.

Der gebürtige Niedersachse absolvierte in seinen jungen Jahren eine Berufsausbildung zum Koch sowie zum Hotelkaufmann. Anschließend holte er auf dem zweiten Bildungsweg seine Fachhochschulreife nach und erlangte einen Studienabschluss an der Berliner Fachschule für das Hotel- und Gaststättengewerbe. Mit 27 Jahren durfte er sich schlussendlich als staatlich geprüfter Betriebswirt betiteln. Was darauf folgte, war ein beeindruckendes Konglomerat aus Direktorenschaften verschiedener Hotels in ganz Deutschland, der Selbstständigkeit als Privat-Hotelier auf nationaler und internationaler Ebene sowie freiberufliche Beratertätigkeiten für Hotellerie und Gastronomie. So kam Rasche beispielsweise im Jahr 1995 nach Chemnitz, um das 4-Sterne Dorint Parkhotel zu eröffnen und bis zum Jahr 1999 zu leiten. Insgesamt war er in seiner Laufbahn als Hotelkaufmann Chef einer beachtlichen Anzahl namhafter Hotels über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren und beriet zahlreiche Unternehmen sowie gastronomische Betriebe. Im Jahr 2005 beschloss Rasche, sein erworbenes Fachwissen und seine Erfahrungen aus dem Bereich der Betriebswirtschaft, des Marketings sowie der mittelständischen Gastronomie und Hotellerie zusätzlich als freiberuflicher Berater unter dem Namen Gaho-Consulting anzubieten.

Zugleich begann der Hotelier mit zunehmendem Erfolg im Beruf über seine Zukunft nachzudenken. „Vor einigen Jahren begann ich mich zu fragen, was wohl danach sein würde, wie mein Ruhestand aussieht. Philosophische Fragestellungen und geschichtliche Hintergründe waren schon immer mein Steckenpferd. Ich bin kulturell sehr interessiert und lese in meiner Freizeit viel. So habe ich mich schon lange Zeit hobbymäßig auf dem Gebiet der Geschichte weitergebildet“, erzählt Rasche. Über die Jahre festigte sich die Idee des Studiums im Ruhestand. Im Jahr 2011 nahm er sich schließlich eine dreimonatige Auszeit, um sich als Gasthörer an der TU Chemnitz mit der Thematik vertraut zu machen. Die Inhalte überzeugten und so schrieb sich Rasche kürzlich für den zulassungsfreien Studiengang Europäische Geschichte an der TU Chemnitz ein.

Sein erstes Fazit fällt sehr positiv aus. „Das Studium ist bisher hochinteressant. Mein Ziel ist der Masterabschluss. Einzig der Schulbetrieb und die derzeitigen Arbeitstechniken machen mir etwas zu schaffen. Bei der Anfertigung der Power-Point-Präsentation für die Referate in den Seminaren werde ich wohl Unterstützung bei meinen Kommilitonen erfragen müssen“, so Rasche. Ansonsten ist der 63-jährige Student jedoch weitestgehend fit auf dem Gebiet der modernen Technik. Der Laptop ist sein liebstes Arbeitsgerät und auch soziale Netzwerke sind ihm alles andere als fremd. Für den vereinfachten Austausch und verbesserte Kommunikation mit seinen Kommilitonen gründete er sogar eigenhändig die Ersti-Gruppe für Geschichtsstudenten auf Facebook. Auf die Frage hin, ob er die Vorzüge des Studentenlebens genieße, schmunzelt Rasche: „Im Kino zeigte ich letztens meinen Studentenausweis vor. Die Verkäuferin schaute zwar etwas irritiert, doch ich erhielt tatsächlich eine Eintrittskarte zum ermäßigten Preis.“ Dank des Semestertickets bestieg Rasche mit Studienbeginn auch den Bus zum ersten Mal seit Langem, um zur Universität zu gelangen. Doch ausnutzen möchte er seinen Studentenstatus in der Regel nicht. „Ich genieße jetzt mein Zuhause und meinen geregelten Alltag. Ein studentisches Leben hatte ich ja schon vor knapp 40 Jahren. Für mich ist das Studium nun auch einfacher, als für sämtliche Studierende, die unter Druck auf eine erfolgreiche Karriere hinarbeiten. Auch das habe ich bereits hinter mir. Für mich ist inzwischen der Weg das Ziel“, resümiert Rasche abschließend.

(Autorin: Katharina Preuß)

Katharina Thehos
27.11.2014

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