„Friedenstüchtig bleiben“: TU Chemnitz beteiligt sich am 25. Chemnitzer Friedenstag
Die Stadt gedenkt am „Chemnitzer Friedenstag“ der Opfer der Bombardements vom 5. März 1945 – Auch der TUC-Vorläufer, die Staatliche Akademie für Technik, war von der Zerstörung betroffen – Universität gestaltet das Programm des Friedenstages mit
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Am „Chemnitzer Friedenstag“ wird auch an die Zerstörung der Stadt am 5. März 1945 erinnert. Rechts im Hintergrund ist das Gebäude der Staatlichen Akademie für Technik zu sehen, aus der die heutige Technische Universität Chemnitz hervorging. Foto: Universitätsarchiv -
Im Innenhof des Universitätsteils Straße der Nationen 62 der TU Chemnitz erinnert ein Gedenkstein des Bildhauers Volker Beier an die Deportation jüdischer Bürgerinnen und Bürger, die zwischen 1942 und 1945 von hier ihren Ausgang nahm. Foto: Bildarchiv der Pressestelle und Crossmedia-Redaktion/Christian Schenk -
Der diesjährige Chemnitzer Friedenstag steht unter dem Motto „Friedenstüchtig bleiben“. Grafik: Bürgerverein FUER CHEMNITZ e. V.
5. März 1945: In der ganzen Stadt war das Heulen der Sirenen zu vernehmen, die den Luftangriff britischer und amerikanischer Bomber ankündigten. Waren es am Vormittag noch circa 250, so bombardierten am Abend etwa 700 Flugzeuge die Stadt. Innerhalb von 31 Minuten wurde 80 Prozent der Innenstadt zerstört, etwa 2.100 Menschen verloren ihr Leben. „Ein grauenvoller Nachtangriff auf Chemnitz. Der Himmel blutrot von der brennenden Stadt. Unaufhörlich Einschläge“, schrieb Irene Pornitz, eine Zeitzeugin, in ihr Tagebuch. Sie notierte noch weitere Eindrücke von der zerstörten Stadt, die nachzulesen sind im Buch „Chemnitzer Erinnerungen 1945: eine Dokumentation in Wort und Bild über die Zerstörung von Chemnitz im Zweiten Weltkrieg“: „Auf der Stollberger Straße wälzt sich ein Strom von Tausenden von Flüchtlingen heraus, geschwärzte Gesichter, Brandwunden, erschöpft, apathisch, verzweifelt. Sie fahren Hand- und Kinderwagen mit geretteter Habe, kleine Kinder, alte Leute konnten nicht mehr weiter. Manche in bunten Bademänteln oder nur in Wolldecken, ein unbeschreiblicher Elendszug, den man nie vergessen wird.“ In der folgenden Zeit gewährte sie über 40 Personen einen Unterschlupf, denn selbst noch einige Tage später stand die Stadt in Flammen und kaum ein Gebäude bot Schutz vor der Kälte. Chemnitz ist eine tote Stadt, verkündeten die Alliierten einen Tag nach der Bombardierung.
Zwangspause für die akademische Bildung
Die Staatliche Akademie für Technik in Chemnitz, eine Vorläufereinrichtung der heutigen Technischen Universität Chemnitz, war bereits seit 24. Februar 1945 geschlossen, da die Gebäude nach vielen vorauslaufenden Bombenangriffen beschädigt waren. Im gesamten Verlauf des Zweiten Weltkrieges wurde der Lehrbetrieb stark beeinträchtigt. Studierten zu Kriegsbeginn 366 Studierende an der Akademie, so waren es zum Wintersemester 1942/43 nur noch 102. Viele Studierende sowie Lehrkräfte wurden während des Krieges einberufen, andere wurden durch Luftangriffe getötet. Aber auch viele Räumlichkeiten der Akademie wurden zerstört, wodurch ein Unterricht nicht mehr möglich war. Am 14. Februar 1945 zerstörte eine Luftmine zahlreiche Fenster und Türen der Akademie, die schon damals am Schillerplatz untergebracht war. Die Heizungsanlagen sowie die Wasserversorgung fielen aus. Am 5. März wurden durch den Großangriff Teile der Abteilung Flugzeugbau zerstört, ebenso Räume der Prüfstelle für den Kraftfahrzeugverkehr und des Färbereigebäudes. Erst zwei Jahre später, am 9. April 1947, wurde die Einrichtung wieder für den Lehrbetrieb eröffnet, die nunmehr als Fachschule mit dem Namen „Technische Lehranstalten Chemnitz“ 466 Studierenden ein neues Lernumfeld bot.
Frieden für die Stadt – eine Stadt für den Frieden
Mittlerweile sind 81 Jahre vergangen, die Schäden des Bombenangriffs sind längst verschwunden. Doch trotz der zahlreichen baulichen Veränderungen bleibt die Erinnerung an den 5. März, zum Beispiel durch Zeitzeugenberichte, Fotografien – oder den Chemnitzer Friedenstag. Die gleichnamige ehrenamtliche Arbeitsgruppe und die Stadt Chemnitz gedenken auch am 5. März 2026 gemeinsam mit vielen Partnerinnen und Partnern, darunter die TU Chemnitz, im Rahmen von zahlreichen Programmangeboten der Opfer des Zweiten Weltkrieges. Die Beteiligung der TU Chemnitz ist eingebunden in die Kampagne ZUSAMMENSTEHEN #TUCgether, die unterstreicht, dass die TU Chemnitz wiederholt für eine freiheitliche demokratische Grundordnung, ein friedliches Miteinander sowie Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit eintritt, wozu sich auch der Senat, das Rektorat und der Hochschulrat der TU Chemnitz klar positioniert haben.
Eine besondere Kerze für Chemnitz – Laufaktion des Stadtsportbundes Chemnitz e.V. und der studentischen Initiative Lauf-KulTour e. V.
Zum diesjährigen Friedenstag, der unter dem Motto „Friedenstüchtig bleiben“ steht, soll es unter anderem wieder sportlich zugehen. Dafür haben die studentische Initiative Lauf-KulTour e. V. und der Stadtsportbund Chemnitz e. V. das erfolgreiche Laufangebot der letzten Jahre weiterentwickelt. Die Idee ist es, in diesem Jahr ein Symbol des Lichts auf den Chemnitzer Stadtplan zu zeichnen. Laufbegeisterte können sich am 5. März 2026 um 17:30 Uhr am Rathaus auf dem Chemnitzer Neumarkt treffen, um gemeinsam auf einer etwa zwölf Kilometer langen Route die Form einer Kerze zu laufen. (Hinweis für alle Läuferinnen und Läufer: Eine Umkleide sowie Gepäckaufbewahrungsmöglichkeiten gibt es im Rathaus.)
Literatur und Pinnwand-Umfrage zum Thema „Frieden“
Auch die Universitätsbibliothek der TU Chemnitz, Straße der Nationen 33, beteiligt sich am diesjährigen Friedenstag. Auf einem Büchertisch zum Thema „Frieden und Friedensschlüsse in Vergangenheit und Gegenwart“ werden sowohl historische Bücher als auch Gegenwartsliteratur, welche auch die unterschiedlichen Bewertungen von „Frieden“ widerspiegeln, z. B. den Friedensschluss von Versailles, präsentiert. Die Bücher können an der Ausleihtheke im 1. OG ausgeliehen werden. Zudem startet eine Pinnwand-Umfrage im Foyer der Universitätsbibliothek zur Frage „Was verbindest Du mit Frieden“/ „What do you associate with peace?“. Ziel ist es, die Vielfalt an (inter-)kulturellen, generations- oder erfahrungsbedingten Sichten, Definitionen und auch Konnotationen zu Frieden bzw. peace abzufragen und darzustellen.
Taizéandacht und Friedensweg
Darüber hinaus beteiligt sich auch die Evangelische Studierendengemeinde Chemnitz am Programm des Friedenstages. Gemeinsam mit der St. Petri- Schloßgemeinde lädt sie am 5. März ab 16:30 Uhr zur Taizéandacht in die St. Petrikirche am Theaterplatz ein. Meditative Gesänge aus Taizé sorgen für Ruhe und inneren Frieden. Anschließend führt ein Friedensweg zum Chemnitzer Neumarkt.
Gedenken an die Opfer des NS-Regimes über den „Chemnitzer Friedenstag“ hinaus
Nicht nur beim „Chemnitzer Friedenstag“ wird jährlich den jüdischen und anderen Opfern der Bombardements auf Chemnitz im Zweiten Weltkrieg gedacht. In Chemnitz entstanden seit dem Ende des Dritten Reiches auch zahlreiche Denkmäler. Ein Name, der einem bei der Suche nach künstlerischen Werken zu diesem Kapitel der deutschen Geschichte immer wieder begegnet, ist der des Chemnitzer Bildhauers Volker Beier. Neben der Gedenkstele am Chemnitzer Stephanplatz zur Erinnerung an die bei den Novemberpogromen 1938 zerstörte Alte Synagoge errichtete er 1988 auch einen Gedenkstein im Innenhof der TU Chemnitz an der Straße der Nationen 62. Er erinnert an die Deportation zahlreicher Chemnitzer Jüdinnen und Juden.
Der Gedenkstein entstand in Zusammenarbeit mit dem Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, der Jüdischen Gemeinde und der TU Karl-Marx-Stadt. Auch heute steht das Denkmal noch an seinem Platz neben einer ausgewachsenen Kastanie, die im Kontrast zu dem von Volker Beier dargestellten Baumstumpf in Form des Davidsterns steht. „Ich wünsche mir, dass die Menschen, die daran vorbeilaufen, ihr Haupt senken und daran denken, wie die jüdischen Bürger die letzten Schritte in ihrer Heimat gegangen sind“, so der Bildhauer. Vom Innenhof des Böttcher-Baus aus gingen laut Information des Chemnitzer Universitätsarchivs in der Zeit von 1942 bis 1945 insgesamt zehn Transporte mit jüdischen Männern, Frauen und Kindern in faschistische Vernichtungslager.
Programm des Chemnitzer Friedenstages 2026: https://chemnitzer-friedenstag.de
Mario Steinebach
25.02.2026