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Viele Gedanken hinter einem Gedenkstein

Nicht nur durch Kundgebungen wird den Opfern des NS-Regimes gedacht - Auch ein Gedenkstein von Volker Beier an der TU Chemnitz erinnert an jüdische Opfer des Naziregimes

Zur Erinnerung an die Opfer der gegen Juden gerichteten Novemberpogrome von 1938 finden am 9. November 2018 in Chemnitz zahlreiche Kundgebungen statt. Doch nicht nur durch Gedenktage wie diesen wird an jüdische und andere Opfer des NS-Regimes erinnert, sondern es entstanden seit dem Untergang des Dritten Reiches auch zahlreiche Denkmäler. Ein Name, der einem bei der Suche nach künstlerischen Werken zu diesem Kapitel der deutschen Geschichte immer wieder begegnet, ist der des Chemnitzer Bildhauers Volker Beier. Neben der Gedenkstele am Stephanplatz zur Erinnerung an die bei den Novemberpogromen 1938 zerstörte Alte Synagoge, errichtete er 1988 auch den Gedenkstein im Innenhof der Technischen Universität Chemnitz an der Straße der Nationen 62 und steuerte somit gleichzeitig einen Beitrag zur Kunst an der TU Chemnitz bei.

"Der Gedenkstein fand seinen Platz dort, von wo aus zu Nazizeiten auf Grund der unmittelbaren Nähe zum Bahnhof zahlreiche Chemnitzer Juden deportiert wurden", erklärte Beier im Jahr 2012 gegenüber „Uni aktuell“. Der Vorsitzende des Verbandes der Jüdischen Gemeinde der DDR, Siegmund Rotstein, hatte ihn für das Projekt vorgeschlagen. Der Künstler fertigte daraufhin seinen Vorschlag für den Gedenkstein, der am 3. November 1988 aus Anlass des wenig später stattfindenden 50. Jahrestag der Pogromnacht enthüllt wurde. "Ich habe den Baumstumpf in Form des Judensterns als Motiv gewählt, weil ich den jüdischen Glauben metaphorisch als einen alten gestandenen Baum darstellen wollte, der durch den Nationalsozialismus zu einem Stumpf gefällt wurde", erklärte der Künstler die Bedeutung seines Gedenksteins. Der letzte Zweig, der mühsam aus dem Bronzedenkmal wächst, symbolisiere dabei die wenigen jüdischen Überlebenden. Sogar die Struktur des Bodens, auf dem der Gedenkstein steht, hat der Bildhauer in das Konzept des Kunstwerkes integriert: "Das Denkmal ist so konstruiert, dass es den Boden leicht anhebt und dadurch darstellt, wie viel Kraft der Glauben hat", verdeutlicht Beier.

Der Gedenkstein entstand damals in Zusammenarbeit mit dem Rat der Stadt Karl-Marx-Stadt, der Jüdischen Gemeinde und der Technischen Universität Karl-Marx-Stadt. Auch heute steht das Denkmal noch an seinem Platz neben einer ausgewachsenen Kastanie, die im Kontrast zu dem von Volker Beier dargestellten Baumstumpf steht. "Ich wünsche mir, dass die Menschen, die daran vorbeilaufen, ihr Haupt senken und daran denken, wie die jüdischen Bürger die letzten Schritte in ihrer Heimat gegangen sind", so der Bildhauer. "Vom Innenhof des Böttcher-Baus aus gingen in der Zeit von 1942 bis 1945 insgesamt zehn Transporte mit jüdischen Männern, Frauen und Kindern in faschistische Vernichtungslager", weiß Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs der TU Chemnitz.

Volker Beier hatte sich auch schon zuvor mit dem Thema der Juden und deren Verfolgung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten beschäftigt und mit dem damaligen Stadtarchivar, Dr. Gert Richter, eine Ausstellung im Städtischen Museum mit dem Titel "Juden in Chemnitz" ins Leben gerufen. Und auch nach der Anfertigung des Denkmals gab es immer wieder Berührungspunkte mit diesem Thema in Volker Beiers Leben. So schuf er 2009 beispielsweise einen Gedenkstein auf dem Nikolaifriedhof zur Würdigung Marie Luise Pleißners. Die Oberschullehrerin half zur NS-Zeit Juden durch ihre Kontakte zu den Londoner Quäkern bei ihrer Emigration nach England. Außerdem fertigte der Bildhauer 2010 einen Gedenkstein für die St. Nikolaikirche zur Erinnerung an die Euthanasieopfer des NS-Regimes, zu denen 500 damalige Chemnitzer Bürger zählen, an.

Hinweis: Am 9. November 2018 führt die Gedenkveranstaltung „Lichterwege durch Chemnitz“ auch zum Gedenkstein im Innenhof des Hauptgebäudes der TU Chemnitz.

(Autoren: Mary de Luca, Mario Steinebach)

Mario Steinebach
09.11.2018

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