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Damit Ärzte gut sehen, warum ihre Patienten schlecht sehen

Informatiker der TU Chemnitz forschen gemeinsam mit Augenärzten an der Auswertung von OCT-Daten, die bei der Diagnose von altersbedingten Augenerkrankungen entstehen

  • Die Informatiker Jun.-Prof. Dr. Paul Rosenthal (r.) und Jun.-Prof. Dr. Marc Ritter (l.) kooperieren im Projekt „OphthalVis“ mit Prof. Dr. Katrin Engelmann (hinten), Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde der Klinikum Chemnitz gGmbH. Gemeinsam wollen sie die Auswertung der Daten verbessern, die von OCT-Geräten erfasst werden. Foto: Steve Conrad

Während die Bevölkerung immer älter wird, nimmt die Zahl der Ärzte, vor allem in ländlichen Regionen, ab – ein Problem, das sich nicht nur in Sachsen ausbreitet. Der demographische Wandel sorgt dafür, dass neue medizinische Anforderungen entstehen, die jedoch personell nur noch schwierig bewältigt werden können. So etwa bei der altersbedingten Makuladegeneration, kurz AMD, einer Augenerkrankung, die zum Erblinden führen kann. „Vor 50 Jahren spielte diese Krankheit noch keine Rolle. Heute aber werden die Menschen älter. Außerdem steigt der Anspruch, den sie an die Möglichkeiten der Medizin stellen“, sagt Jun.-Prof. Dr. Paul Rosenthal, Inhaber der Juniorprofessur Visual Computing der Technischen Universität Chemnitz. Rosenthal ist Sprecher des Forschungsprojektes „OphthalVis: Datenverarbeitung und Visualisierung – Neue Tools für die effiziente medizinische Versorgung degenerativer Netzhauterkrankungen“, das zum 1. Oktober 2014 gestartet ist. In den kommenden zwei Jahren werden die Wissenschaftler der Juniorprofessur Visual Computing und der Juniorprofessur Media Computing um Jun.-Prof. Dr. Marc Ritter mit Augenärzten des Klinikums Chemnitz sowie der Universitätskliniken Greifswald und Freiburg kooperieren. Gesponsert wird das Projekt mit rund 200.000 Euro von der Novartis Pharma GmbH.

Bei der Diagnose von AMD kommen heute OCT-Geräte zum Einsatz, die eine sogenannte Optische Kohärenztomographie durchführen. Diese ermöglichen durch berührungslose Messverfahren Einblicke in die Netzhaut. „Die bei den Untersuchungen entstehenden Daten sind bislang meist lediglich mit proprietärer Software der Gerätehersteller lesbar, die diese oft nur sehr rudimentär aufbereiten“, erklärt Rosenthal. Überdies erfordert die Auswertung sehr viel Erfahrung und Spezialwissen von den Augenärzten, um mit den entstehenden Bildern mehr als grundständige Diagnosen zu stellen – und Ärzte mit mehr Erfahrung erhalten in der Auswertung nicht genügend visuelle Unterstützung, obwohl die Daten sehr viel intuitiver und hilfreicher dargestellt werden könnten. Die Wissenschaftler verfolgen deshalb zwei Ziele: Zum einen wollen sie die entstehenden Daten so aufbereiten, dass auch Ärzte mit geringerer Erfahrung im Umgang mit OCT-Daten genauere Diagnosen stellen können. Dafür soll ein Teil der Auswertung automatisch verlaufen, sodass auch mehr Menschen prophylaktisch untersucht werden können und nicht erst dann zum Augenarzt gehen, wenn sie bereits Beschwerden haben und ein großer Teil der Sehfähigkeit nicht mehr gerettet werden kann. „Gerade in ländlichen Regionen gilt es die Versorgungsstrukturen so zu gestalten, dass die Patienten rechtzeitig und fachgerecht diagnostiziert werden können. Unsere Vision ist es OCT-Geräte breiter für diese Zwecke einzusetzen. Dafür müssen diese aber so automatisiert die Daten auswerten, dass auch für weniger erfahrene Ärzte sofort zu erkennen ist, ob alles im grünen Bereich ist oder eine weitergehende Maßnahme nötig ist“, so Rosenthal. Zum anderen arbeiten die Informatiker gemeinsam mit den Medizinern auch daran, mit Hilfe der OCT-Bilder eine Diagnose frühzeitiger stellen zu können. „Wir möchten herausfinden, wie sich eine AMD in ihrer Entstehung zeigt; was die Bilder also typischerweise zeigen, wenn die Erkrankung noch gar nicht da ist“, sagt Rosenthal.

In die Forschung einbringen können sich auch TU-Studierende der Informatik sowie der beiden Studiengänge Biomedizinische Technik und Medical Engineering. „Vor allem für Masterarbeiten bietet das Projekt viel Praxisnähe und Relevanz“, sagt Rosenthal. Am Ende dieses Projektes soll ein Open-Source-Programm stehen, auf das alle Augenärzte bei Bedarf und Interesse zugreifen können, das aber noch nicht für medizinische Anwendungen zugelassen ist. „Die Zulassung kann dann das Thema in Folgeprojekten sein, in denen wir noch stärker mit Kliniken zusammenarbeiten wollen“, so Rosenthal.

Weitere Informationen erteilt Jun.-Prof. Dr. Paul Rosenthal, Telefon 0371 531-39227, E-Mail paul.rosenthal@informatik.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos
05.11.2014

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