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Mit dem Smart Sensor gegen Demenz

Einblicke in die Arbeit der Eleonore-Dießner-Preisträgerin Julia Richter an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik

  • Julia Richter ist eingebunden in das Forschungsprojekt "Optimierung der Pflege demenzkranker Menschen durch intelligente Verhaltensanalyse". Die Begeisterung für dieses Thema gibt sie gerne weiter - beispielsweise beim Tag der offenen Tür der TU Chemnitz. Foto: Mario Steinebach

Laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben im Jahr 2012 lediglich neun Prozent der weiblichen Studienanfänger ein ingenieurwissenschaftliches Studium aufgenommen. Von den männlichen waren es 33 Prozent. Mit Mathematik und Naturwissenschaften begannen 16 Prozent der Frauen, ihnen gegenüber stehen 23 Prozent der Männer. Es gibt zwar zahlreiche Projekte und Initiativen wie "MINT - Zukunft schaffen" oder "Komm mach MINT", die diesem Ungleichgewicht entgegen wirken sollen, aber die Anzahl der Frauen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) steigt nur langsam.

Ein Beispiel für erfolgreiche Frauen in den MINT-Fächern und in der Wissenschaft ist die gebürtige Karl-Marx-Städterin Julia Richter, die eine der fünf Preisträgerinnen des Eleonore-Dießner-Preises 2013 ist, der an der TU Chemnitz für hervorragende wissenschaftliche Abschlussarbeiten an Absolventinnen der MINT-Fächer vergeben wird. Julia Richter ist Mitarbeiterin an der Professur für Digital- und Schaltungstechnik an der TU Chemnitz. "Dass ich eine Frau bin, ändert ja nichts an meiner fachlichen Kompetenz. Mit meinen Kollegen kann ich gut zusammenarbeiten und fühle mich hier an der Professur sehr wohl", so Richter. Sie hatte sich für ein Studium der Elektrotechnik mit der Vertiefung Informationstechnik an der TU Chemnitz entschieden, weil Mathe und Physik in der Schule zu ihren Lieblingsfächern zählten.

Seit Januar 2013 arbeitet Julia Richter an dem vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) geförderten Forschungsprojekt "Optimierung der Pflege demenzkranker Menschen durch intelligente Verhaltensanalyse" an der Professur Digital- und Schaltungstechnik mit. "Der Hintergrund dieses Forschungsprojektes ist der demographische Wandel in Deutschland. Die Anzahl der Pflegebedürftigen steigt immer weiter, gleichzeitig - und genau hierbei liegt das Problem - sinkt aber die Zahl der Pflegekräfte", so Richter. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, entwickelt das Forschungsteam der Professur gemeinsam mit einem regionalen, mittelständischen Unternehmen einen Smart Sensor, der bei Menschen mit anfänglicher Demenz eingesetzt werden kann. Der Sensor soll zukünftig in der Wohnung des Demenzkranken installiert werden und wird so programmiert, dass er Activities of Daily Living (ADLs), wie Essen, Trinken oder andere Bewegungen, auf der Grundlage von Bildverarbeitungsalgorithmen erkennen kann. Werden bestimmte Handlungen nicht mehr von der betroffenen Person ausgeführt, erscheint auf einem Display eine Erinnerungsmeldung, außerdem besteht die Möglichkeit, Angehörige in kritischen Situationen zu informieren. "Der Smart Sensor, oder Technik generell, wird niemals menschliche Nähe oder Pflegekräfte ersetzen können und das ist auch überhaupt nicht das Ziel. Aber mit Hilfe von Technik können bestimmte Prozesse erleichtert werden", argumentiert Richter. "Wie das Ganze im Feld funktionieren wird, darüber können wir noch keine Aussage treffen. Im Moment ist das Projekt noch in der Entwicklungsphase", so Richter.

Das aktuelle Forschungsprojekt bietet einen perfekten Anknüpfungspunkt zu Julia Richters Diplomarbeit, in der sie Algorithmen zur menschlichen Bewegungserkennung entwickelte und erforschte: "Ich finde es faszinierend, dass wir mit Technik Menschen helfen und die Verknüpfung zu sozialen und gesellschaftlichen Entwicklungen herstellen können. Außerdem mag ich Herausforderungen. Sich in ein neues Themenfeld einzuarbeiten und für neu aufkommende Probleme Lösungen finden zu müssen, macht meinen Job sehr spannend."

Die Diskussion über Frauen in technischen Berufen verfolgt Julia Richter sehr interessiert und wünscht sich, dass Frauen in den MINT-Fächern noch mehr gefördert werden: "Es entscheiden sich zu wenige Frauen für ein technisches Studium. Ich denke, Mädchen wird oft suggeriert, dass Technik etwas ist, was sie nicht so gut verstehen und dass es ungewöhnlich ist, sich für Technik zu interessieren. Diese Klischees sind tief in der Gesellschaft und in den Schulen verankert. Auf dieser Grundlage ist es daher nicht immer leicht, bei Mädchen Interesse für Technik zu wecken. Aber das muss nicht so sein." Dass es auch anders geht, beweist Julia Richter, die sehr erfolgreich in ihrem Beruf ist. Auf die Frage, wo sie sich in fünf Jahren sieht, antwortet sie: "Auf jeden Fall möchte ich erstmal promovieren. Danach kann ich mir sowohl eine berufliche Zukunft an der Universität als auch in einem Unternehmen gut vorstellen."

(Autorin: Damaris Diener)

Katharina Thehos
07.01.2014

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