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Mobiles Dissertationsbüro Kofferraum

Felix Erler ist externer Promovend an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften - für seine bisher 70 Interviewpartner verbrachte er mehr als 10.000 Kilometer auf ostdeutschen Straßen

  • Felix Erler promoviert an der Professur für Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre über die Automobilzulieferindustrie. Die erste öffentlichkeitswirksame Anerkennung seiner Forschungsarbeit erhielt er im Rahmen des ersten "Tages des wissenschaftlichen Nachwuchses" der TU Chemnitz am 26. September 2013. Erler ist Sieger des Fotowettbewerbs "Ich und meine Dissertation", das von der Forschungsakademie und ihrem Projekt Kompetenzschule der TU Chemnitz initiiert wurde. Zur Begründung gab die hochschulinterne Jury an, das Foto zeige die hohe Einsatzbereitschaft für eine erfolgreiche Promotion. Quelle: TU Chemnitz

Ein Dissertationsbüro im Kofferraum - geht das? Nach Felix Erlers Meinung schon. Der 34-Jährige ist externer Promovend an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der TU Chemnitz und im Rahmen seiner Forschungsarbeit über die Automobilzulieferindustrie in Ostdeutschland verbrachte er nach eigenen Aussagen mehr als 10.000 Kilometer im Auto.

"Ich will helfen, die Zulieferer stabiler zu machen"

Seit über fünf Jahren arbeitet Erler bei der Verbundinitiative Automobilzulieferer Sachsen. Dort ist er als Projektkoordinator dafür zuständig, Anfragen von osteuropäischen Produktionsstandorten in die sächsischen Unternehmen der Automobilzulieferindustrie zu vermitteln. Seine praktischen Erfahrungen in der Automobilbranche will Erler wissenschaftlich aufwerten. Deshalb forscht er seit zwei Jahren berufsbegleitend an der Professur für Produktionswirtschaft und Industriebetriebslehre unter Prof. Dr. Joachim Käschel - innerhalb einer sogenannten Industriepromotion der Sächsischen Aufbaubank, die technisch orientierte Forschungsarbeiten im Rahmen einer Promotion fördert. "Durch meinen Job kenne ich den Druck innerhalb der Lieferkette. Die Qualitätsanforderungen an die Zulieferer sind zwar schon immer hoch, aber die Materialien und Baugruppen sind komplexer geworden. Zeitgleich besteht ein permanenter Druck auf die Preise. Zudem tragen die Zulieferer heute einen Anteil an der Entwicklungsdienstleistung und der Serientauglichkeit von Teilen. Ich will helfen, die Zulieferer stabiler zu machen", sagt Erler.

Erlers Arbeitstitel lautet: "Stabilität entlang der automobilen Wertschöpfungskette. Entscheidungsinstrument für Fertigungsprojekte von Zulieferern". Darin fokussiert er zwei Themen: Stabilität und Wertschöpfungsketten. Zum einen will Erler unter dem Begriff Stabilität herausfinden, wie man Risiken wie Investitions- oder Qualitätsrisiken in Zusammenarbeit mit automobilen Großkunden minimieren kann. "Einen Großkunden zu haben, heißt noch lange nicht, dass ein Zulieferer Erträge generiert. Denn die Anforderungen an die Lieferanten sind immens hoch - ich würde behaupten, die höchsten in der Industrie", so Erler. Zum anderen betrachtet Erler unter dem Begriff Wertschöpfungsketten das arbeitsteilige Zusammenspiel der Strukturen in der Automobilbranche. Marktmacht und Vertrauen prägen die Wertschöpfungsketten entscheidend. Daher betrachtet er vom Materialkonzern bis zum Finalisten alle Teilnehmer.

Die größte Studie mit Intensivinterviews zur Automobilindustrie in Ostdeutschland

Für seine Promotion befragte Erler seit Februar 2013 schon etwa 70 Serienfertiger in Ostdeutschland. "Mein Projekt ist die größte Studie mit Intensivinterviews zur Automobilindustrie in Ostdeutschland. Das gab es in diesem Umfang noch nicht", sagt Erler. Pro Woche plant der Industriepromovend drei Interviews. Vor allem in Sachsen und Thüringen - im sogenannten industriellen Gürtel - ist Erler unterwegs und hat dabei schon weit mehr als 10.000 Kilometer im Auto zurückgelegt. "Automobilzulieferer erhalten aller zwei Tage E-Mail-Anfragen für die Teilnahme an Befragungen. Sie sehen die Teilnahme daran oft nicht als wertschöpfend an, weil sie damit kein Geld verdienen. Deshalb entschloss ich mich, meine Studie in persönlichen Gesprächen umzusetzen. Sie haben den Vorteil, dass ein gewisser Grad an Offenheit besteht und Probleme benannt werden können", so Erler. Das ständige Mobilsein und die Einsatzbereitschaft für die Promotion fasst Erler kurzerhand mit dem selbstgewählten Begriff "mobiles Dissertationsbüro Kofferraum" zusammen. Sein Fazit: "Man lernt die Industrielandschaften und die Stärke Ostdeutschlands viel besser kennen. Damit meine ich, hier werden Produkte mit Marktwert gefertigt."

Der Abgabetermin für Erlers Promotionsarbeit steht noch nicht fest. Der Industriepromovend sagt, er sei noch eine Weile beschäftigt. Er will noch etwa 30 Interviews durchführen, denn Teile Thüringens und Sachsen-Anhalts fehlten noch. "Ich bin dankbar, an der TU Chemnitz unter Prof. Dr. Käschel zusammen zu arbeiten, mit den Entscheidungsträgern der Automobilindustrie ins Gespräch zu kommen und ehrliche Worte auszutauschen." Die Industriepromotion wird gefördert vom Europäischen Sozialfonds und dem Freistaat Sachsen.

(Autorin: Victoria Graul)

Katharina Thehos
12.11.2013

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