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Ein kleiner Flitzer, der wahre Größe zeigt

Maschinenbauer der TU Chemnitz entwickeln das Interieur für den Elektro-Einsitzer Colibri, der schon bald den Markt für städtische Individualmobilität erobern könnte

  • Projektmitarbeiter Robert Stelzer von der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz testete auf der Hannover Messe 2013 den Bedienkomfort des Elektro-Einsitzers Colibri. Foto: Marcus Hartenstein
  • Ein Blick ins Interieur, das die Wissenschaftler der TU Chemnitz mitgestaltet haben: Mit dem hochschwenkbaren Sitz und der verstellbaren Pedalerie findet jeder Fahrer seine optimale Sitzposition. Die klappbare Lenksäule sorgt für genügend Freiraum beim Ein- und Aussteigen. Foto: Innovative Mobility Automotive GmbH

Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein liegen voll im Trend. Das hat längst auch die Automobilbranche erkannt und setzt nun zunehmend auf Elektromobilität. Doch auf den deutschen Straßen sind Elektroautos bisher eine Seltenheit - möglicherweise weil die bisherigen Modelle nur wenig überzeugen. Die einen sind zu groß und zu teuer, die anderen zu unsicher, die nächsten stark vom Wetter abhängig und unkomfortabel. Mit dem Einsitzer "Colibri" bereitet gerade die Innovative Mobility Automobile GmbH aus Jena ein Elektrofahrzeug für die Serienproduktion vor, das hinsichtlich solcher Beanstandungen punkten kann. "Der Colibri ist ziemlich einzigartig mit seinem flexiblen und modularen Fahrzeugkonzept. Zum einen bietet er den von normalen PKW gewohnten Komfort- und Sicherheitsstandard sowie sportliche Fahrleistungen. Somit hebt er sich von anderen Fahrzeugen der Klasse L7e wie beispielsweise Quads oder dem ebenfalls elektrischen Renault Twizy ab. Gleichzeitig ist er, dank konsequentem Leichtbau, deutlich verbrauchsärmer und damit wirtschaftlicher sowie umweltfreundlicher als andere Elektroautos. Durch das geringere Gewicht von insgesamt 440 Kilogramm genügt eine kleinere Batterie für eine Reichweite von 110 Kilometern. All diese Eigenschaften machen den Colibri bedarfsgerecht für die typischen Mobilitätsanwendungen im urbanen Raum", erklärt Robert Wetzel, Produktmanager bei Innovative Mobility, und fügt hinzu: "Neben Stadtverwaltungen und Carsharing-Anbietern ist der Colibri auch sehr interessant für Liefer- und Pflegedienste. Auch für typische Berufspendler ist er eine attraktive Lösung."

Entwickelt wurde der Colibri im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Themenfeld "Schlüsseltechnologien für die Elektromobilität (STROM)" geförderten Verbundprojekts aus dem multidisziplinären Zusammenwirken von mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Beteiligt ist die Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der Technischen Universität Chemnitz unter Leitung von Prof. Dr. Lothar Kroll. Deren Mitarbeiter entwerfen unter Einbeziehung externer Designvorgaben mit dem Sitz, der Kofferraumstruktur, den Verkleidungselementen und der Pedalerie die komplette Innenausstattung des Elektroflitzers. Dabei stehen die Wissenschaftler vor der Herausforderung, trotz des kleinen Fahrzeuges einen hohen Komfort und maximale Sicherheit zu garantieren. Wie dies dem Team um Robert Stelzer und Marcus Hartenstein gelungen ist, zeigt sich am Beispiel des Sitzes. "Der Fahrer nimmt im Colibri zwischen den hochgezogenen Seitenschwellern eine tiefe Sitzposition ein. Im Falle eines Seitencrash wäre er auf diese Weise optimal geschützt. Um dennoch einen möglichst bequemen Ein- und Ausstieg in das Fahrzeug gewährleisten zu können, ist die Sitzfläche mit der Hilfe eines elektrischen Verstellmechanismus nach oben und unten schwenkbar", erklärt Robert Stelzer, Mitarbeiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung. Die verschiebbare Pedalerie des Colibris ist ebenfalls ein Entwicklungsschwerpunkt des Forscherteams der TU Chemnitz. So sieht das Fahrzeugkonzept in Verbindung mit dem schwenkbaren Sitz anpassungsfähige Pedale vor, um eine mit der jeweiligen Körpergröße abgestimmte komfortable Fahrposition zu ermöglichen. Darüber hinaus sind die Forscher der TU Chemnitz für die Entwicklung und Herstellung des Kofferraumes verantwortlich: "Den Kofferraumboden haben wir als thermoplastisches Sandwichbauteil aus umgeformten und verpressten Organoblechhalbzeugen hergestellt. Das Ziel war dabei, nicht nur eine belastungsgerechte Kofferraumstruktur aus Kunststoff zu schaffen, sondern den späteren Fahrzeugnutzern auch möglichst viel Stauraum zur Verfügung zu stellen", so Robert Stelzer. Auch diese Vorgabe ist den Chemnitzer Wissenschaftlern in der Umsetzung geglückt. So bietet das Kofferraumvolumen von 180 Litern Platz für zwei Getränkekisten und eine zusätzliche Tasche.

Wer nun selbst Besitzer eines Colibris werden möchte, muss sich noch ein wenig gedulden. Anfang März 2013 wurde der straßentaugliche Prototyp des Colibri auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt, an dessen Abschluss unmittelbar die Serienentwicklung anknüpfte. Aktuell evaluiert Innovative Mobility Automotive GmbH (IMA) mögliche Partner und Lieferanten für die Auftragsfertigung. Robert Wetzel erläutert: "Das Ziel, Anfang 2015 die ersten Fahrzeuge fertigzustellen und Anfang 2016 auszuliefern, wird IMA erreichen."

Weitere Informationen zum Colibri gibt es unter http://www.innovative-mobility.com, Telefon 03641 67 52 77 oder per E-Mail Colibri@innovative-mobility.com

Auskunft zur Entwicklung des Colibri-Innenraumes geben Marcus Hartenstein, Telefon 0371 531-39483, E-Mail marcus.hartenstein@mb.tu-chemnitz.de, und Robert Stelzer, Telefon 0371 531-37811, E-Mail robert.stelzer@mb.tu-chemnitz.de.

(Autorin: Ina Huke)

Katharina Thehos
05.08.2013

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