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Der europäische Blick auf Asien

Prof. Dr. Beate Neuss informierte in Japan über die europäische Strategie in der Euro-Krise sowie über Werte in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik

  • Prof. Dr. Beate Neuss (l.) sprach bei der Tagung "International Order in East Asia" in Osaka vor Fachkollegen aus Universitäten, Think Tanks, Botschaften und des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN). Alle Fotos: privat
  • Die internationalen Kollegen - im Bild ein Teilnehmer aus Korea - interessierten sich bei dieser Tagung vor allem für die europäische Sicht auf China, Indien und Myanmar.
  • An der Universität in Kyoto referierte Prof. Dr. Beate Neuss über das Thema "Interests and Values in Foreign Policy".
  • Beim Goethe-Institut in Kyoto gab die Chemnitzer Politikwissenschaftlerin vor allem über die Krise des Euro Auskunft.

Anlässlich einer Einladung zu der von der Konrad-Adenauer-Stiftung geförderten Tagung "International Order in East Asia" an der Osaka School of International Public Policy der Osaka University war Prof. Dr. Beate Neuss von der Professur Internationale Politik der TU Chemnitz vom 24. bis zum 31. März 2012 in Japan. Sie referierte auch in Kyoto und Tokio über den europäischen Blick auf die sich verändernden Machtstrukturen in Asien. Für "Uni aktuell" berichtet sie von ihrer Reise und ihren Eindrücken von dem im März 2011 durch eine "Dreifach-Katastrophe" getroffenen Landes:

Die Fachkollegen aus Universitäten, Think Tanks, Botschaften und des Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) interessierte bei der Tagung "International Order in East Asia" in Osaka an der europäischen Außensicht auf Asien besonders, wie die Europäische Union den Aufstieg und die Rolle Chinas und Indiens und die überraschende Reformpolitik in Myanmar (Birma) wahrnimmt. Auch die Frage, ob sich Elemente europäischer Politik wie die wertgebundene Außenpolitik der EU und die Konstruktion der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für Asien eignen könnten, waren Thema meines Referats und der Tagung, die zugleich deutlich machte, wie vielfältig Asien ist: Die unterschiedlichen Interessen in Ostasien und Südostasien spiegelten sich in den Themen und der Meinungsvielfalt.

"Interests and Values in Foreign Policy" war das Thema meines Vortrags vor Politikwissenschaftlern und Doktoranden an der Kyoto-Universität. Hier zeigte sich, dass asiatische Politik und Wissenschaft Außenpolitik strikt Interessen-geleitet auffasst. Überlegungen, wie nationale Interessen einerseits und Menschenrechte bzw. Rechtsstaatlichkeit andererseits in der Außenpolitik in Einklang gebracht werden können, sind noch neu. Auch in der Hauptstadt Tokio fand das Thema Interesse. Hier diskutierte ich das Thema angeregt mit Vertretern aus der Politik, den Medien und der Wissenschaft. Die unterschiedliche Reaktion der Europäer und der Weltgemeinschaft auf die Ereignisse in Libyen und Syrien bildeten den Ausgangspunkt für diese Diskussion.

Für die Euro-Krise interessierte sich das Goethe-Institut in Kyoto. Die detaillierten Fragen etlicher Teilnehmer in exzellentem Deutsch zeigten, wie genau die europäische Entwicklung wahrgenommen wird. Eine EU ohne Euro wäre auch in japanischen Augen ein Verlust an weltwirtschaftlicher und -politischer Geltung. Dies sah eine Gruppe von Wissenschaftlern, Managern und Vertretern der deutschen Botschaft nicht anders, die meinen Vortrag bei der Konrad Adenauer Tomonokkai (Freundschaftsgesellschaft ehemaliger japanischer Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung) in Tokio diskutierte.

Nur wenige Tage nach dem Jahrestag der "Dreifach-Katastrophe" am 11. März 2011 (Erdbeben, Tsunami, Nuklearkatastrophe) war es besonders interessant, in der Deutschen Botschaft und in der Deutschen Industrie- und Handelskammer Tokio Gespräche über die Lage des Landes führen zu können. Tokio befürchtet ein weiteres großes Beben, die Bevölkerung hat Angst, wie auch japanische Gesprächspartner berichteten. Viele Familien der Ausländer haben das Land nach der Katastrophe verlassen und sind nicht zurückgekehrt. Nur ein Nuklearkraftwerk ist noch bis Anfang Mai in Betrieb, die anderen sind in Revision - wie viele von ihnen wieder ans Netz gehen, ist ungewiss, der Widerstand wächst. Da konventionelle Kraftwerke mit fossilen Importen den Strombedarf auffangen, ist ein Mangel derzeit nicht zu spüren - aber der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß ist gestiegen. Der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete erfolgt erst langsam, da Japan sorgfältig planen will, an welcher Stelle neu gesiedelt werden soll, um vor künftigen Tsunamis und Erdbeben sicherer zu sein.

(Autorin: Prof. Dr. Beate Neuss)

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Beate Neuss, Telefon 0371 531-27730, E-Mail beate.neuss@phil.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos
05.04.2012

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