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Der Klimawandel schwächt die Schwachen

Bettina Damm, ehemalige VWL-Studentin der TU Chemnitz, untersucht am Forschungsinstitut BC3 in Bilbao die Folgen des Klimawandels für Entwicklungsländer

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Bettina Damm studierte Volkswirtschaftslehre an der TU Chemnitz und promoviert heute am Basque Centre for Climate Change im spanischen Bilbao. Foto: privat

Für Entwicklungsländer bedeutet Klimawandel mehr als nur steigende Temperaturen - für die Menschen dort geht es vor allem um ihre Gesundheit und Existenz. "Klimawandel ist ein Phänomen, das alle Sphären des Lebens und der Gesellschaft betrifft und unter anderem soziale, politische und ökonomische Folgen hat", erklärt Bettina Damm. Seit Januar dieses Jahres promoviert die 24-jährige TU-Absolventin am Basque Centre for Climate Change, kurz BC3, im spanischen Bilbao. In einem internationalen Forscherteam untersucht sie insbesondere die Konsequenzen des Klimawandels für die Länder Afrikas.

Der Klimawandel wird sich nach Ansicht Bettina Damms besonders im Alltag der Menschen niederschlagen, die ihn am wenigsten verursacht haben und sich nicht gegen seine Folgen wehren können. "Entwicklungsländer, die schon jetzt durch Infektionskrankheiten geschwächt sind, werden mit steigender Hitze noch mehr unter ihnen leiden. In vielen Staaten wird sich das Klima derart erwärmen, dass Krankheiten wie Malaria sich in Zukunft weiter ausbreiten und verstärkt auftreten können", so Damm. In Verbindung mit Armut, Unterernährung und mangelnder medizinsicher Versorgung bliebe den Menschen in den betroffenen Regionen kaum eine Chance, diese Bedrohung einzudämmen. Weiterhin sei die Ernährungssicherheit in diesen Ländern durch den Klimawandel gefährdet: "In Afrika sind Leben und Arbeit stark vom Willen der Natur abhängig. Bereits geringe Klimaänderungen verursachen für Bauern, Viehzüchter und Einwohner tiefe Einschnitte wie Wasser- und Lebensmittelknappheit", erklärt Damm. Starke Regenfälle und Überflutungen sowie anhaltende Dürreperioden verursachten neben ihren unmittelbaren Folgen wie Hunger und Krankheiten zudem weitreichende, internationale Konflikte und Immigration. Da die Menschen in Afrika in der Regel nicht über notwendige Mittel verfügen, um die Veränderungen in ihrer Umwelt aus eigener Kraft ausgleichen zu können, stellt der Klimawandel aus Sicht der Wirtschaftsforscherin eine Barriere für Entwicklungsländer dar, dem Kreislauf der Armut zu entkommen. Es sei nun die Pflicht der Industrienationen, Entwicklungsländer angemessen zu unterstützen. "Mit einer guten Partnerschaft kann diesen Staaten ermöglicht werden, sich an den Klimawandel anzupassen und gleichzeitig auf eine klimafreundliche Weise weiterzuentwickeln. Dafuer gilt es, die richtigen Massnahmen zu erforschen und zu realisieren." Aber auch jeder Einzelne kann einen Beitrag leisten, so zum Beispiel durch die Reduktion der eigenen CO2-Emmissionen oder indem beim Einkaufen auf Produkte aus fairem Handel geachtet wird.

Bettina Damms Werdegang in Richtung einer Karriere im Bereich der Umweltökonomie zeichnete sich schon während ihres Studiums ab. Durch die Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft an der Juniorprofessor für Europäische Wirtschaftsforschung erkannte sie schnell, dass sie in die Wirtschaftsforschung gehen wollte. "Die Ökonomie des Klimawandels war dabei von besonderer Bedeutung für mich. Diese Arbeit erfüllt mich sehr", erzählt Damm. Auf einer Konferenz während eines Praktikums am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim lernte die 24-Jährige schließlich Anil Markandya kennen, den wissenschaftlichen Direktor des BC3 in Bilbao, unter dessen Leitung sie heute arbeitet. Markandya war unter anderem am Beitrag des Weltklimarates beteiligt, der 2007 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. "Ihn nun als Betreuer und Mentor zu haben, ist eine unbezahlbare Ausbildung und außergewöhnliche Chance für mich."

Drei Jahre will die junge Deutsche nun in Bilbao bleiben, wo sie sich gut eingelebt hat. "Die offene Mentalität und Hilfsbereitschaft der Spanier ist wunderbar und ich fühle mich sehr wohl in meinem Netzwerk aus guten Freunden, Kollegen und Bekannten." Nach Abschluss der Promotion zieht es Bettina Damm nach Washington. "Dort haben viele der wichtigsten Institutionen meines Fachgebiets ihren Sitz. Mein Verlobter kommt außerdem aus den USA und hat Familie in der Stadt und da würde in dieser Hinsicht dann alles gut zueinander finden", sagt sie. Aber auch eine Rückkehr nach Deutschland sei nicht ausgeschlossen.

(Autorin: Franziska Männel)

Mario Steinebach
10.06.2010

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