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Die Rabensteiner Eselsbrücke

Medienkommunikationsstudenten lernen ihre Stadt kennen und berichten darüber: Rita Klingst nähert sich heute einer berühmten Brücke an der fast vergessenen Eisenbahnstrecke Limbach-Wüstenbrand

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Die Eselsbrücke um 1930 und das heutige Denkmal an der Kreisigstraße. Fotos: Lothar Schilde

Innerhalb eines gemeinsamen Projektes der Professur Medienkommunikation und der Pressestelle der TU Chemnitz entstanden im vergangenen Semester Texte, Fotos und Audiosequenzen über Chemnitz. Studierende des Studienganges Medienkommunikation lernten dabei ihren Studienort Chemnitz besser kennen und berichten darüber. Beispielsweise geben sie Tipps für Ausflüge oder unternehmen eine Zeitreise in die Historie der Stadt. Die meisten der im Projekt erarbeiteten Beiträge werden in loser Folge in "Uni aktuell" veröffentlicht. Heute zeigt Studentin Rita Klingst, dass es in Chemnitz eine Eselsbrücke gibt, über die man tatsächlich laufen kann.

Was wären wir klausurengeplagten Studenten ohne sie: hilfreiche Eselsbrücken? Die meisten Menschen nutzen sie, um sich schwierige Fakten einzuprägen. Die wenigsten sind jedoch schon einmal tatsächlich über eine Eselsbrücke gelaufen. Im Chemnitzer Stadtteil Rabenstein war das möglich - über 50 Jahre lang.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts baute man zwischen Limbach und Wüstenbrand eine neue Eisenbahnlinie. In diesem Zusammenhang wurde in Rabenstein eine Brücke errichtet, welche die heutige Kreisigstraße über die Schienen führte. Die an sich recht unspektakuläre Brücke verdankte ihren Namen und ihre Berühmtheit einzig einer einmaligen Einweihungsfeier: An einem so genannten "blauen Montag", einem Kirmesfeiertag, kamen die Strumpfwirkermeister der Gegend zusammen. An diesem traditionell Tag in vielen Klein- und Handwerksbetrieben, an dem nur mit "halber Kraft" gearbeitet wurde, zerlegte man einen Wirkstuhl in seine Einzelteile. Dann transportierte man die Stücke einzeln über die neue Brücke und setzte den Stuhl wieder zusammen. Der Esel, der den Karren mit dem schweren Obergestell zog, betrat als erster die Brücke. Daraufhin wurde ihr spaßeshalber der Name "Eselsbrücke" verliehen. Zur Erheiterung der zahlreichen Zuschauer trieben die Strumpfwirker daraufhin einigen Unfug mit dem Wirkstuhl, bis er aus Übermut durch einen Eimer Wasser unbrauchbar gemacht und schließlich in seine kleinsten Teile zertrümmert wurde. Der Name "Eselsbrücke" wurde bald offiziell. Er bewirkte, dass vor allem junge Leute sich weigerten, die Brücke als erster zu betreten - wer möchte schon gerne der "Esel" sein?!

Als die Eisenbahnstrecke in den 50-er Jahren stillgelegt wurde, verwandelte sich die Brücke in einen Müllabladeplatz. Mit dem Bau des Rabensteiner Stausees 1971/72 wurde sie schließlich gesprengt und mit dem Aushub vom Stauseebau zugedeckt. Um aber die Erinnerung an dieses einmalige Stück Geschichte aufrecht zu erhalten, setzte die Unabhängige Bürgerinitiative Rabenstein e.V. (UBR) der Brücke ein Denkmal. Seit 2004 ziert nun eine "Mini-Eselsbrücke" die Stelle, an der sich einst die alte Eselsbrücke befand. Der einschließlich der Ohren 1,30 Meter hohe Esel entstand mithilfe einer Axt und einer Kettensäge aus einem einzigen Stück Lärchenholz. Unter der 2,90 Meter langen Betonbrücke liegt ein kurzes Stücke Eisenbahnschienen aus dem Sächsischen Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf.

Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und unbedingt auch einmal über die Eselsbrücke spazieren möchte, muss leider bis zum Frühjahr warten: Das hölzerne Langohr darf den Winter im Warmen verbringen. Übrigens lohnt der Weg schon allein wegen der fantastischen Aussicht, die man von dieser Anhöhe über Chemnitz bis hinüber zum Erzgebirge hat. Jetzt, zur kalten Winterzeit locken Eselsbrücken der anderen Art - zum Beispiel im diesjährigen Adventskalender der Sprachberatung der TU Chemnitz.

Stichwort: Die Eisenbahnstrecke Limbach-Wüstenbrand

Die Eisenbahnschienen unter der Rabensteiner Eselsbrücke waren Teil der Strecke Limbach-Wüstenbrand. 1896 wurde mit dem Bau dieser Nebenbahnlinie begonnen, welche die Industriestadt Limbach, das heutige Limbach-Oberfrohna, mit Wüstenbrand verband. Am 30. November 1897 wurde die Eisenbahnstrecke eröffnet. Über 50 Jahre lang diente die Strecke dem Transport von Steinkohle aus Lugau-Oelsnitz nach Limbach - was schneller und damit deutlich billiger war als auf anderen Wegen. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Bedeutung der Strecke rapide ab, sodass die Linie am 31. Dezember 1950 ganz eingestellt wurde. Im April 1951 begann man mit der endgültigen Demontage der Gleisanlagen. Neben der Eselsbrücke wurde im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnstrecke auch das nicht weniger berühmte Rabensteiner Viadukt konstruiert, das noch heute ein beeindruckender Zeuge dieser Zeit ist.

(Quelle: Rabensteiner Blätter, Ausgaben Nr. 18, 19)

Mario Steinebach
11.12.2009

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