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Politik als Beruf

Hanka Kliese, Absolventin der Politikwissenschaft und der Erwachsenenbildung der TU Chemnitz, sitzt seit September 2009 als Abgeordnete im Sächsischen Landtag

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Hanka Kliese hat sich für ihre Zeit als Abgeordnete viele Ziele gesteckt. Foto: Amac Garbe

"Politikwissenschaft? Und was kann man damit machen?" - Wohl kaum eine Frage wird Studierenden der Politikwissenschaft häufiger gestellt. Ein solcher Abschluss, sorgen sich Eltern und Freunde, tauge doch allenfalls dafür, später als Taxifahrer oder Kellner seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch das dies nicht so ist, beweist beispielsweise Hanka Kliese, Absolventin der Politikwissenschaft und Erwachsenenbildung der TU Chemnitz.

Hanka Kliese wollte nach ihrem Abitur in Chemnitz Lehrerin an einer Behindertenschule werden. Sie hat in Leipzig ein Lehramtsstudium mit Schwerpunkt Förderschulen begonnen. "Ich habe dieses Studium abgebrochen, da mir die Ausbildung nicht adäquat zu dem erschien, was ich lernen wollte, um meinen Wunschberuf ausüben zu können", berichtet sie und fügt hinzu: "Es war ein ganz normales Lehramtsstudium mit sehr geringem förderpädagogischen Anteil. Das fand ich nicht ausreichend." Seit 1997 ist sie bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, in Chemnitz politisch aktiv, und da lag es nahe, bei der Neuorientierung Politikwissenschaft zu wählen. Sie wollte ihr praktisches Politikengagement um den theoretischen und wissenschaftlichen Hintergrund aus der Ideengeschichte, internationalen Politik und Vergleichenden Regierungslehre erweitern. Die Erwachsenenbildung hat sie gewählt, da sie gerne mit Menschen zusammenarbeite und ihr auch die Lehre Spaß mache. "Ich fand es eine schöne Ergänzung", so Kliese.

Nach ihrem Studium arbeitete die heute 29-Jährige als Wissenschaftliche Mitarbeiterin beim ehemaligen Chemnitzer Bundestagsabgeordneten Detlef Müller. Sie war verantwortlich für die Veranstaltungsorganisation sowie Terminplanung, das Schreiben von Artikeln für den Newsletter und die Homepage. Des Weiteren arbeitete sie in der Arbeitsgemeinschaft Rechtsextremismus der SPD im Bundestag mit. Kaum angekommen in Berlin, erhielt sie ein verlockendes Angebot aus ihrer Heimatstadt: Die Oberbürgermeisterwahl 2006 stand vor der Tür und es wurde eine Managerin des Wahlkampfes für Barbara Ludwig gesucht. Diese Aufgabe hat Hanka Kliese gern angenommen. So war sie Ansprechpartnerin für alle Außenstehenden, vom Bürger bis hin zur Presse und der Parteizentrale. Darüber hinaus war Kliese mit für die inhaltliche Ausarbeitung des Wahlkampfes und die Schwerpunktsetzung zuständig. Da Ludwig zur Wahlkampfzeit noch das Amt der Sächsischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst in Dresden bekleidete, war die TU-Absolventin ihre Kontaktperson, die aus Chemnitz berichten konnte. "Es war eine sehr intensive Zeit. Das selbständige und selbstorganisierte Arbeiten, das man in Deutschland ja leider erst während der Hochschulausbildung lernen kann, hat mir bei dieser Aufgabe geholfen", resümiert Kliese.

Seit zwei Monaten sitzt Hanka Kliese nun im Landtag des Freistaates Sachsen; sie zog am 30. August 2009 über die Landesliste als SPD-Abgeordnete in das sächsische Parlament ein und ist heute Sprecherin der SPD für Behindertenpolitik, Sportpolitik sowie Tourismus. Darüber hinaus ist sie Mitglied in den Ausschüssen Schule und Sport, Wissenschaft und Hochschule, Kultur und Medien sowie stellvertretendes Mitglied in den Ausschüssen Wirtschaft, Innenpolitik, Arbeit und Verkehr. Kliese hat sich für ihre Arbeit als Parlamentarierin hohe Ziele gesteckt: Zum einen will sie ihr Engagement gegen Rechtsextremismus vom Sächsischen Landtag aus fortführen, in den die NPD bei den letzten Wahlen erneut eingezogen ist. Aber auch Chemnitz soll bei ihrer Arbeit in Dresden nicht zu kurz kommen: Sie möchte durch regen Kontakt zur Kommunalpolitik eine gute Verbindung von ihrem Wahlkreis nach Dresden herstellen, sich in der Landeshauptstadt für den Erhalt kultureller Einrichtungen für junge Menschen in Chemnitz einsetzen und die Interessen der Arbeitnehmer mit Nachdruck vertreten. Außerdem hat sich Kliese die Gleichstellung von Frauen und Männern, zum Bespiel im Hochschulbereich, sowie die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die politische Agenda geschrieben.

Neben ihrer politischen Arbeit promoviert sie bei Prof. Dr. Eckhard Jesse, Professur Politische Systeme, Politische Institutionen an der TU Chemnitz, über den Schriftsteller und anarchistischen Intellektuellen Erich Mühsam, der 1934 von den Nationalsozialisten ermordet wurde. Ihre Promotion wurde bis Sommer 2009 von der Friedrich-Ebert-Stiftung gefördert. Landtagsarbeit und Promotion sind für den Anfang schwer unter einen Hut zu bekommen. "Bis jetzt ist es mir noch nicht gelungen, die notwendigen Freiräume zu schaffen, weil die Einarbeitung in die vielen neuen Aufgaben viel Zeit in Anspruch nimmt." Kliese ist aber zuversichtlich: "Wenn das geschafft ist, werde ich mich auch wieder meiner Dissertation zuwenden können."

Politisch würde sich Kliese freuen, wenn sie in fünf Jahren am Ende ihrer ersten Legislaturperiode sagen könnte, dass sie etwas Konkretes und Verbindliches für Chemnitz erreicht hat und in der Landespolitik fest mit einem Thema verbunden ist, zu dem sie sich ein umfassendes Fachwissen erarbeiten konnte. Ihren ursprünglichen Wunsch, sich für Menschen mit Behinderungen einzusetzen, kann sie nun auf politischem Wege verwirklichen.

(Autorin: Anett Stromer)

Katharina Thehos
03.11.2009

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