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Erstaunliche BEObachtung im Internet

Sprachkurs einmal anders: Beolingus, das Online-Wörterbuch der TU Chemnitz, bietet mit neuem Vokabeltrainer noch mehr Service und soll damit auch Lehrer und Schüler ansprechen

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Anglistik-Studentin Diana Lohse (r.) und Beate Otto, freiberufliche Übersetzerin in Chemnitz, schulten den Beolingus im Anlegen von Vokabellisten und setzen auch weiterhin Verbesserungsvorschläge der Nutzer des neuen Angebotes um. Foto: TU Chemnitz/Wolfgang Thieme

Der Beo ist ein possierlicher und kommunikativer Singvogel aus der Familie der Stare, beheimatet in der Region um und auf dem indischen Subkontinent. Man nahm bis vor kurzem an, dass ihn außer seiner hohen Begabung zur Adaption menschlicher Sprache wenig von anderen Vögeln unterscheidet. Nun aber machten Mitarbeiter der Technischen Universität Chemnitz eine erstaunliche Entdeckung und brachten einer Unterart des schwarzgefiederten Tiers - dem Beolingus - das Unterrichten bei. Beobachtungen unter dict.tu-chemnitz.de bezeugen, dass sich der Beolingus in seiner natürlichen Umgebung, dem Internet, prächtig entwickelt und in den drei Jahren seit seiner Auswilderung im Universitätsrechenzentrum der TU Chemnitz außergewöhnliche Fähigkeiten ausgebildet hat. Mittlerweile übersetzt er Deutsch-Englisch etwa 423.000 Wörter, Deutsch-Spanisch 113.000 und Deutsch-Portugiesisch 42.000. Hinzu kommen zahlreiche Definitionen, Synonyme, Erklärungen und die deutsche sowie amerikanische Aussprache vieler Vokabeln. All das ist zu finden im Online-Reservat http://www.beolingus.de, in dem täglich für 600.000 bis zu einer Million Nutzer Übersetzungen kostenfrei gestemmt werden.

In einer neuen Verhaltensweise zeigt der possierliche Goldschnabel seit neustem die Bestrebung, sein Wissen weiterzugeben. Dies machten sich die Mitarbeiter der Chemnitzer Uni und ihr Kooperationspartner Phase6 zunutze und schulten den Beolingus im Anlegen von Vokabellisten. Mit deren Hilfe können wissbegierige Sprachlerner nun auf einfache Weise nicht nur Lernmaterial selbst zusammenstellen, verwalten und drucken, sondern auch aus selbstgefertigten oder thematisch vorsortierten Listen (etwa "Briefe schreiben") wählen und diese in verschiedenen Abfragemodi üben. Dokumentiert sind hier bislang drei Arten, die sich der Beolingus aneignete: Das Lernen in zeitlichen Phasen, die der Vergessenskurve systematisch entgegenwirken; das Abfragen ohne Phasen sowie ein fortlaufender Vokabelticker. Wer sich für einen personalisierten Login entscheidet, erhält zudem Zugang zu seinen Daten von jedem beliebigen Rechner mit Internetzugang und die Möglichkeit, Listen mit anderen Lernenden auszutauschen. "Auch Schüler und Lehrer können hier für den Sprachenunterricht Vokabellisten für Jahrgänge oder spezielle Lektionen aufbauen, die im Anschluss auch von anderen Nutzern des Vokabeltrainers verwendet werden können", sagt Frank Richter, Webmaster der TU Chemnitz und geistiger Vater von Beolingus.

Das neue Angebot kommt bei den Nutzern bereits gut an. "Zu Pfingsten begrüßten wir einen Monat nach der Freischaltung des Vokabeltrainers den 1.000. registrierten Benutzer", berichtet Richter. Hinzu kommen bisher etwa 2.000 unregistrierte Nutzer. Insgesamt wurden 2.700 Listen angelegt und zum größten Teil auch gefüllt. "Wir freuen uns über die vielen positiven Rückmeldungen einschließlich der Verbesserungswünsche, die wir teilweise gemeinsam mit den am Projekt beteiligten Studentinnen schon umgesetzt haben", sagt Richter.

Übrigens: Noch ein weiteres Kunststück schaute sich der Beolingus beim IDS, dem Institut für Deutsche Sprache in Mannheim, ab. Hier lernte er die Trennung der Wörter seines umfangreichen Schatzes und teilt auch diese gern mit den Besuchern seines Online-Biosphärenreservates.

Weitere Informationen unter http://www.beolingus.de oder bei Frank Richter, Telefon 0371 531-31879, E-Mail frank.richter@hrz.tu-chemnitz.de, und Stefan Gleis, Geschäftsführer der Mio2 Solution GmbH, Telefon 05101 855451, E-Mail beolingus@tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
08.06.2009

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