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Auf den Spuren der DDR-Anglistik

Chemnitzer Literaturwissenschaftler werten den Briefnachlass des langjährigen Präsidenten der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft Ost, Martin Lehnert (1910-1992), aus

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Martin Lehnert (1910-1992) Bildquelle: www.shakespeare-gesellschaft.de

Mehr als 1.000 Briefe liegen auf den Tischen einer Forschergruppe der Professur Anglistische Literaturwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz. Es handelt sich um einen Teilnachlass des 1992 verstorbenen Anglistik-Professors Martin Lehnert, einem der führenden Repräsentanten seines Fachgebietes in der ehemaligen DDR. Er wirkte unter anderem von 1951 bis 1975 an der Humboldt-Universität zu Berlin und war seit 1963 Präsident und seit 1985 Ehrenpräsident der Shakespeare-Gesellschaft Ost in Weimar.

Seine umfängliche Bibliothek kam 1992 als geschlossene Sammlung an die Universitätsbibliothek Chemnitz und befindet sich heute im Magazin der "CampusBibliothek I Geisteswissenschaften". In dieser Sammlung wurden in etwa 1.000 Büchern zahlreiche Einlagen - unter anderem Briefe, Sonderdrucke oder Manuskripte - gefunden. Die Briefe belegen eine ausgedehnte internationale Korrespondenz Lehnerts mit Fachkollegen. "Bis April 2010 soll die Auswertung und Archivierung dieser Dokumente abgeschlossen sein", sagt Projektleiter Dr. Hans-Joachim Hermes. Am Ende des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes wird die erhaltene Korrespondenz über die Autographendatenbank "Kalliope" der Staatsbibliothek zu Berlin für die wissenschaftliche Öffentlichkeit bereitgestellt. Die "Archivierung" der Autographen schließt ihre Bereitstellung als digital abrufbare Images zu einem späteren Zeitpunkt ein.

Die bisher ausgewerteten handschriftlichen Funde erlauben Rückschlüsse unter anderem auf Tätigkeiten Lehnerts in seiner Funktion als Dekan der Philosophischen Fakultät der HU Berlin. Der überwiegende Teil der Funde deckt die Jahre 1960 bis 1990 ab. Darin tritt auch das Verhältnis zwischen den Shakespeare-Gesellschaften Ost und West zu Tage. Erkennbar werden auch Dissertationsbetreuungen sowie Lehnerts Mitarbeit an internationalen Publikationen. Darüber hinaus lassen die Funde Rückschlüsse zu auf seine für DDR-Verhältnisse ungewöhnlich freie Reisetätigkeit, auf private Reiseziele, Familiensituation und gesundheitliches Befinden. "Bei länger anhaltenden Korrespondenzen waren die Bücher mit den Einlagen geradezu verformt", berichtet Hermes und schlussfolgert: "Es zeigt sich, dass große Teile der anglistischen Welt an Lehnert schrieb und seine Meinung gefragt war." Die Erschließung der Dokumente durch Metadaten und die Digitalisierung der Briefe erlaube künftig neue Einblicke in das Leben Lehnerts - sowohl als Wissenschaftler wie auch als Privatmann. "Das Projekt stellt einen ersten Einblick in die Arbeit des einstigen Präsidenten der Shakespeare-Gesellschaft Ost dar und bewahrt das Andenken an einen unermüdlich tätigen Gelehrten und Hochschullehrer, der weit über die Weimarer Shakespeare-Pflege hinaus die Anglistik im Rahmen der ehemaligen DDR förderte und repräsentierte", ergänzt Hermes.

Homepage des Projektes: http://www.tu-chemnitz.de/lehnert

Weitere Informationen erteilt Projektmitarbeiter Marcel Hartwig, Telefon 0371 531-37317, E-Mail march@hrz.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
26.05.2009

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