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"Exzellenzzentrum Automobilproduktion" gegründet

Volkswagen und Fraunhofer entwickeln in Chemnitz Lösungen für eine flexible und Ressourcen sparende Produktion - Exzellentes Studien- und Forschungsumfeld an der TU Chemnitz bietet dafür gute Rahmenbedingungen

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Bild oben (v.l.): Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Leiter des Fraunhofer IWU, Hubert Waltl, Leiter der Sparte Werkzeugbau der Audi AG, Prof. Dr. Jochem Heizmann, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG mit Verantwortung für den Geschäftsbereich Konzern Produktion, und Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, nach der Vertragsunterzeichnung. Bild unten: VW und Fraunhofer gründen das Exzellenzzentrum Automobilproduktion am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz. Grafik und Foto: Fraunhofer-Gesellschaft

Die Anforderungen an die Automobilhersteller sind enorm. Die Fahrzeuge sollen mit geringem Kraftstoffverbrauch zuverlässig und sicher fahren und den Wünschen der Kunden gerecht werden. In Zukunft soll das Auto nicht nur im Betrieb wenig Kraftstoff verbrauchen - bereits bei der Produktion müssen Energie und Rohstoffe gespart werden. Im neuen Exzellenzzentrum Automobilproduktion in Chemnitz entwickeln Wissenschaftler und Ingenieure von VW und Fraunhofer heute Lösungen für den Automobilbau von morgen. "Wir arbeiten mit VW an Innovationen, die serientauglich sind. Dabei haben wir die gesamte Prozesskette im Blick und erforschen intelligente und effiziente Verfahren. Im produzierenden Gewerbe sind mittelfristig Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent möglich", sagt Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, zur Unterzeichnung des Kooperationsvertrages mit VW am 30. Juni 2008 in Wolfsburg.

In Deutschland verbraucht die Industrie etwa 40 Prozent der Gesamtenergie. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU Chemnitz für das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Potenzial zur Ressourceneinsparung im produzierenden Gewerbe analysiert. Bullinger erklärt: "Das Potenzial für Materialeinsparungen in der Fertigung ist enorm. Die Herausforderung bei der Herstellung von Karosserieteilen ist es, so wenig Ausschuss wie möglich zu produzieren. Unser Motto ist: Maximale Wertschöpfung aus minimalen Ressourcen." Die Kooperationspartner ziehen an einem Strang. "Unsere Zusammenarbeit zur nachhaltigen Produktion ist eine langfristig angelegte strategische Partnerschaft. Wir bündeln Köpfe, Kompetenzen und Kapazitäten und haben uns das Ziel gesetzt, bis 2015 europaweit führend in der Forschung zur Ressourcen effizienten Produktion zu sein", betont Bullinger. In der Forschungsfabrik erhalten die Experten die Möglichkeit, neue Herstellungsverfahren bis hin zur Serienreife in den Produktionsstraßen zu testen und zu verbessern. Sie arbeiten an der Minimierung der Materialverluste in der Fertigung, an Performance-Presswerken, Niedrigenergie-Umformmaschinen und vielem mehr. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Kooperationsvertrags mit VW ist die Aus- und Weiterbildung von Volkswagen-Mitarbeitern und Nachwuchswissenschaftlern in den Versuchsfeldern der Forschungsfabrik.

Als Startfinanzierung für den Bau der "Forschungsfabrik ressourceneffiziente Produktion" am IWU in Chemnitz investiert die Fraunhofer-Gesellschaft 20 Millionen Euro. Davon kommen 60 Prozent aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE und 40 Prozent jeweils zur Hälfte von Bund und Land. Darüber hinaus stellt der Kooperationspartner Volkswagen jährlich bis zu 2 Mio Euro für Personal- und Sachmittel für ein Exzellenzzentrum Automobilproduktion zur Verfügung. In den nächsten fünf Jahren werden damit Arbeitsplätze für 50 Wissenschaftler geschaffen.

Das Exzellenzzentrum Automobilproduktion ist Teil der Fraunhofer IWU-Forschungsfabrik "Ressourceneffiziente Produktion" in Chemnitz. "Die Forschungsfabrik ist mehr als ein Raum, in dem geforscht wird. Sie ist selbst Gegenstand der Forschung - mit ihrer Gebäudeausstattung, den Energie-, Informations-, Materialflüssen sowie ihrer Steuerungs- und Regeltechnik", beschreibt Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Leiter des IWU, den ganzheitlichen Ansatz. Erstmalig soll in Chemnitz auch ein Innovationszentrum für den energieeffizienten Fabrikbau und -betrieb geschaffen werden. Das Thema geht alle produzierenden Unternehmen an, denn Rohstoffe und Energie werden zunehmend knapper und teurer. In den vergangenen sieben Jahren sind die Rohstoffpreise durchschnittlich um 70 Prozent gestiegen. Bei den für das produzierende Gewerbe signifikanten Rohstoffen, wie Kohle, Stahl und Öl, sind die Steigerungsraten deutlich höher. Effiziente Technologien werden eine wesentliche Voraussetzung für den Unternehmenserfolg im globalen Wettbewerb sein. Auch wenn derzeit die Energiekosten bei Investitionsentscheidungen der Unternehmen meist noch eine untergeordnete Rolle spielen, in Zukunft wird die Energieeffizienz nicht allein eine Frage des Umweltschutzes sondern auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit sein.

"Die neue Forschungsfabrik kann künftig auf viele Chemnitzer Studierende und Absolventen ingenieurtechnischer Studiengänge - insbesondere auf die des Studienganges Automobilproduktion - sowie auf ein exzellentes wissenschaftliches Umfeld zurückgreifen", betont Prof. Dr. Klaus-Jürgen Matthes, Rektor der TU Chemnitz. So beteilige sich die Chemnitzer Universität mit dem Forschungsvorhaben "Energieeffiziente Produkt- und Prozessinnovationen in der Produktionstechnik" derzeit am sächsischen Landesexzellenzwettbewerb. Das Projekt geht von Prof. Neugebauer aus, der neben seiner Funktion am Fraunhofer IWU auch Inhaber der Professur Werkzeugmaschinenkonstruktion und Umformtechnik an der TU Chemnitz ist. Ziel des Projektes ist es, die Forschung zu komplexen technischen, naturwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen auf diesem Gebiet entscheidend voranzubringen. Dabei sind Energieeinsparungspotenziale im gesamten Produktlebenszyklus von der Produktentwicklung bis hin zum Recycling im Fokus der Forscher.

"Wenn die TU den Zuschlag für dieses Projekt erhält - wir rechnen damit bis Ende August -, entsteht in Chemnitz die weltweit erste Pilotanlage, um innovative Produktionstechnologien zur Senkung des industriellen Energiebedarfs zu entwickeln. Die Stadt Chemnitz unterstützt dieses Projekt ausdrücklich und ist bereit, sich gegebenenfalls auch finanziell zu beteiligen", sagt die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig. Auch für den Rektor Prof. Matthes steht fest, dass mit dem gemeinsamen Engagement von der Fraunhofer-Gesellschaft, Volkswagen, der Stadt und der Universität nicht nur die Automobilindustrie in der Region gestärkt wird, sondern auch hochqualifizierten Arbeitskräften eine attraktive berufliche Perspektive gegeben werden kann. "Ich bin mir sicher, dass auch die neue Forschungsfabrik dazu beiträgt, Studieninteressenten und Nachwuchswissenschaftler von außerhalb Sachsens an unsere Universität zu holen", sagt Matthes.

Mario Steinebach
01.07.2008

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