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Kostenlose Binden und Tampons im Physikgebäude

Chemnitzer Förderverein für Physik finanziert fünf Spender für Menstruationsprodukte – ein kleiner Beitrag zu Chancengleichheit und guten Studien- und Arbeitsbedingungen

Wohl fast jede Frau kennt die Situation: Ein wichtiger Termin steht an, vorher noch schnell zur Toilette – und dann ist die Katastrophe da. Die Periode hat angefangen, völlig ungeplant, und plötzlich ist alles voller Blut. Und natürlich ist gerade weder Binde noch Tampon zur Hand.

Die Periode kommt manchmal genau dann, wenn man sie nicht gebrauchen kann: kurz vor einer Prüfung, mitten in einem langen Labortag, auf dem Weg zum Sport. Im Physikgebäude der Technischen Universität Chemnitz gibt es dafür jetzt eine unkomplizierte Lösung: In allen Damentoiletten sowie in der barrierefreien Toilette stehen kostenlos Binden und Tampons zur Verfügung.

Eine der Damentoiletten im Physikgebäude wurde kürzlich zentral von der Universität mit einem Spender ausgestattet. Die fünf jetzt installierten großen Spender wurden vom Chemnitzer Förderverein für Physik e. V. (CFP) finanziert. Sie bieten neben Binden Tampons in drei verschiedenen Größen, so dass je nach Bedarf gewählt werden kann.

„Wir möchten, dass sich bei uns alle willkommen und wohl fühlen – beim Studieren genauso wie beim Arbeiten“, so Prof. Dr. Angela Thränhardt, die Dekanin der Fakultät für Naturwissenschaften. „Manchmal sind es ganz kleine, praktische Dinge, die dabei einen Unterschied machen. Die kostenlosen Hygieneprodukte gehören für mich dazu. Ich freue mich deshalb sehr, dass der Chemnitzer Förderverein für Physik uns ermöglicht hat, das gesamte Institut für Physik mit Spendern auszustatten.“ Die kostenlose Versorgung mit Menstruationsprodukten ist „ein wichtiger und hoffentlich nachhaltiger Beitrag zur Unterstützung der Chancengleichheit für alle am Institut für Physik", ergänzt der Vorsitzende des Chemnitzer Fördervereins für Physik, Prof. Dr. Ulrich T. Schwarz.

Warum eigentlich nicht so selbstverständlich wie Toilettenpapier?

Toilettenpapier und Seife müssen Arbeitgeber in ihren Sanitärräumen selbstverständlich zur Verfügung stellen – die Arbeitsstättenregeln schreiben das ausdrücklich vor. Selbst an die Entsorgung von Menstruationsprodukten hat der Arbeitsschutz gedacht: In jeder von Frauen genutzten Toilette muss ein Hygienebehälter vorhanden sein. Binden und Tampons selbst gehören bislang allerdings nicht zur vorgeschriebenen Ausstattung. Dabei liegt die Frage nahe: Wenn notwendige Hygieneartikel auf der Toilette selbstverständlich bereitstehen, warum sollte ausgerechnet bei der Menstruation etwas anderes gelten?

Ein wichtiges Thema sind natürlich die Kosten. Dies gilt aber für beide Seiten: Befragungen von Plan International Deutschland zeigen, dass Menstruationsprodukte gerade für jüngere Menschen eine spürbare finanzielle Belastung darstellen können. In einer repräsentativen Befragung gaben 23 Prozent der befragten Frauen an, Schwierigkeiten mit der Finanzierung der mit ihrer Periode verbundenen Ausgaben zu haben. Unter den 16- bis 24-Jährigen war es sogar jede Dritte. Manche Befragte berichteten sogar, Produkte aus Kostengründen seltener zu wechseln oder möglichst wenige davon zu verwenden. Gerade Schülerinnen und Studentinnen gehören damit zu den Gruppen, für die frei verfügbare Produkte besonders hilfreich sein können.

Weitere Angebote für kostenfreie Monatshygieneartikel an der TU Chemnitz

In Chemnitz ist die Idee kostenloser Menstruationsprodukte inzwischen an verschiedenen Stellen angekommen. An den weiterführenden Schulen stehen Mittel für Hygieneartikel bereit. Auch an der TU Chemnitz gibt es bereits Erfahrungen: Die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften machte 2023 den Anfang und installierte im Thüringer Weg 7 den ersten kostenlosen Tampon- und Bindenspender der Universität. Initiiert wurde das Projekt von der Prodekanin für Lehre und Gleichstellung, Prof. Dr. Marlen Arnold, und vom Gleichstellungsbeauftragten der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Christian Huber. Die Fakultät für Naturwissenschaften ist nun die zweite Fakultät, die ein eigenes Angebot schafft – sie stattet mit Unterstützung des CFP gleich alle entsprechenden Toiletten im Physikgebäude aus.

Parallel baut auch die Universität das Angebot aus: Auf zentraler Ebene wurden zehn weitere Spender beschafft, die an verschiedenen stark frequentierten Standorten der TU Chemnitz zur Verfügung stehen. Aus einzelnen Initiativen entsteht damit Schritt für Schritt ein breiteres Angebot.

Für den Chemnitzer Förderverein für Physik passt die Unterstützung gut zu seinem Anliegen, Physik zu fördern und insbesondere Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu unterstützen. Gute Bedingungen für Studium und wissenschaftliche Arbeit gehören dazu.

(Autorin: Prof. Dr. Angela Thränhardt)

Detlef Gürtler
28.09.2026

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