Carbon Fibre Summit Saxony stärkt Austausch zu nachhaltigen Carbonfasertechnologien
Zweiter Carbon Fibre Summit Saxony brachte am 27. August 2026 insgesamt 76 Fachleute aus Wissen-schaft, Wirtschaft und Politik im Boxberger Ortsteil Klitten zusammen und rückte die län-derübergreifende Carbon LabFactory Lausitz in den Fokus
-
Gemeinsam für nachhaltige Carbonfasertechnologien und neue Wertschöpfungsperspekti-ven in der Lausitz (von links): Prof. Dr. Lothar Kroll, Leiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz und Sprecher der Carbon LabFactory Sachsen, Hendryk Balko, Bürgermeister der Gemeinde Boxberg/Oberlausitz., Dr. Mario Naumann, wissenschaftlicher Leiter der Carbon LabFactory Sachsen, Dr. André Lehmann, Leiter des Forschungsbereichs Polymerverarbeitung und der Abteilung Fasertechnologien am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung, sowie Fred Mahro, Bürgermeister der Stadt Guben. Foto: Roman Krautz
Vom biobasierten Ausgangsmaterial über die Herstellung und Verarbeitung von Carbonfasern bis hin zum fertigen Hochleistungsbauteil: Beim zweiten Carbon Fibre Summit Saxony (CaFiS Saxony) wurde die gesamte Wertschöpfungskette dieses vielseitigen Leichtbauwerkstoffs beleuchtet. Am 27. August 2026 kamen dazu 76 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und regionaler Entwicklung im SKAN-PARK in Klitten, Boxberg/Oberlausitz, zusammen.
Der Summit vom Circular MTC e. V. wurde gemeinsam mit der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung (Leitung: Prof. Dr. Lothar Kroll) der Technischen Universität Chemnitz, der Industrie- und Handelskammer Dresden sowie Composites United e. V. organisiert. Hendryk Balko, Bürgermeister der Gemeinde Boxberg/Oberlausitz, und Fred Mahro, Bürgermeister der Stadt Guben, begrüßten die Teilnehmenden. Die Beteiligung der beiden Kommunen unterstrich zugleich die länderübergreifende Verbindung der entstehenden Forschungsstandorte in Sachsen und Brandenburg.
Nach der erfolgreichen Premiere im Jahr 2024 mit 65 Teilnehmenden verzeichnete der Summit damit eine noch größere Resonanz. Im Mittelpunkt standen aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen bei der Herstellung, Verarbeitung und industriellen Anwendung von Carbonfasern. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Forschungsaktivitäten der Carbon LabFactory an den Standorten Boxberg und Guben sowie deren Potenziale für den Strukturwandel in der Lausitz.
Carbon LabFactory verbindet die Standorte Boxberg und Guben
Wie eng die Vorhaben in Boxberg und Guben miteinander verknüpft sind, zog sich wie ein roter Faden durch das Programm. Dr. Mario Naumann, wissenschaftlicher Leiter der Carbon LabFactory Sachsen und Leiter des Forschungsbereichs Carbonfaser- und Verarbeitungstechnologien an der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz , informierte über den aktuellen Stand und die weiteren Planungen am künftigen Forschungsstandort der TU Chemnitz in Boxberg. Anschließend gab Dr. André Lehmann, Leiter des Forschungsbereichs Polymerverarbeitung und der Abteilung Fasertechnologien am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung, einen Einblick in den Aufbau der Forschungs- und Pilotinfrastruktur in Guben.
Die Kompetenzen der beiden Einrichtungen ergänzen sich entlang der gesamten Carbonfaser-Wertschöpfungskette. So entwickelt das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung unter anderem ein Verfahren zur Herstellung biobasierter Vorläuferfasern aus nachwachsenden Rohstoffen und baut dafür am Standort Guben eine entsprechende Pilotinfrastruktur auf. In Boxberg errichtet die TU Chemnitz eine Pilotanlage zur Carbonisierung, in der sowohl konventionelle als auch vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung entwickelte Vorläuferfasern im Tonnenmaßstab zu Carbonfasern verarbeitet werden können.
An der Carbon LabFactory Sachsen sollen sich weitere Prozessschritte zur Herstellung zweidimensionaler technischer Textilien, thermoplastischer Tapes und Profile sowie zur Verarbeitung zu anwendungsnahen Hochleistungsbauteilen anschließen. Durch die Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen entsteht in der Lausitz eine durchgängige Forschungs- und Entwicklungskette vom nachwachsenden Rohstoff bis zum fertigen Leichtbauteil. Dadurch können Forschungsergebnisse schneller in industrielle Anwendungen überführt, regionale Unternehmen eingebunden und neue Wertschöpfungsperspektiven für die Lausitz geschaffen werden.
Breites Fachprogramm aus Wissenschaft und Industrie
Den Auftakt des Fachprogramms am 27. August 2026 bei der Carbon Fibre Summit Saxony bildete eine Keynote von Alexander Knorr von der Elbe Flugzeugwerke GmbH über die Herausforderungen in der Luftfahrt und deren Bedeutung für den Einsatz von Carbonfasern. Die weiteren Beiträge deckten ein breites Themenspektrum ab – von erneuerbaren Vorläuferfasern beispielsweise auf Cellulosebasis, über die präzisen Steuerung von Hochtemperaturprozessen bei bis zu 2.200 Grad Celsius hin zu Verfahren zur Prozessüberwachung und Bauteilprüfung sowie industriellen Anwendungen.
Vorgestellt wurden unter anderem innovative Fertigungstechnologien für carbonfaserverstärkte Hochleistungsbauteile, Lösungen für die industrielle Großserie sowie der Einsatz von Carbonfasern im Schienenfahrzeugbau. Dr.-Ing. Jens Emrich von der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz präsentierte mit „SheetWynd™“ das thermoplastische Breitbandwickeln als Plattformtechnologie für leichte Rohre, Profile und Druckbehälter.
Weitere Beiträge widmeten sich nachhaltigen Carbonfasern und biobasierten Werkstoffen, dem Synergetischen Transferraum Lausitz – syntral, der Entwicklung der Lausitz zu einem „Net Zero Valley“ und den Potenzialen des Industriestandorts Kraftwerk Boxberg. Beim anschließenden Netzwerken hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit die vorgestellten Themen zu vertiefen, neue Kontakte zu knüpfen und mögliche zukünftige Kooperationen auszuloten.
Die positive Resonanz bestärkt die Veranstalter darin, den CaFiS Saxony als regelmäßige Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Industrie, Politik und regionaler Entwicklung weiterzuführen.
Förderhinweis
Der zweite Carbon Fibre Summit Saxony wurde mit Mitteln des Projekts „InnoCarbEnergyPlus“ mitfinanziert. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen der Förderrichtlinie „Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten“ (STARK) gefördert.
Weitere Informationen erteilt Dr.-Ing. Mario Naumann, wissenschaftlicher Leiter der Carbon LabFactory Sachsen, Telefon +49 (0) 371 531-38758, E-Mail mario.naumann@tu-chemnitz.de
Nähere Informationen zur Carbon LabFactory Sachsen: www.tu-chemnitz.de/CLF
(Autorinnen: Sylvia Decker, Aneta Wandelt)
Anne Eichhorn
02.09.2026