Können internationale Talente Deutschlands KI-Ökosystem stärken?
TU Chemnitz ist erfolgreich im hochkompetitiven DAAD-Programm „Academic Horizons"
Nur 20 Projekte bundesweit wurden vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im kompetitiven Programm „Academic Horizons" ausgewählt – und die Technische Universität Chemnitz gehört zu den Gewinnerinnen, als einzige sächsische Hochschule, die in dieser Ausschreibung eine Förderung erhielt. Mit einem Budget von 750.000 Euro über 3,5 Jahre überzeugte das Projekt „AI GlobalMinds – Global Minds Advancing Next-Generation Sustainable AI for Innovation Leadership" durch sein umfassendes Integrationskonzept, seinen ganzheitlichen KI-Bildungsansatz über die gesamte Wertschöpfungskette, die effektive Mobilisierung bestehender DAAD-Partnerschaften und internationaler Netzwerke sowie die strategische Diversifizierung der Rekrutierungskanäle für Masterstudierende und Promovierende.
Das von Mai 2026 bis Dezember 2029 laufende Projekt AI GlobalMinds adressiert eine zentrale Herausforderung: den wachsenden Mangel an qualifizierten Fachkräften im Bereich Künstliche Intelligenz in Deutschland. Das Projekt zielt darauf ab, die Rekrutierungskanäle für Studierende und Promovierende zu diversifizieren, indem strukturierte internationale Talentpfade geschaffen werden, die gezielte Rekrutierung aus Chile, Tunesien und Serbien mit akademischer Qualifizierung und praktischer Integration in das deutsche Innovationsökosystem verbinden. Die TU Chemnitz wird neue Rekrutierungskanäle und Werbestrategien aufbauen, um ihre exzellenten Bildungsprogramme rund um KI zu präsentieren – von Datenakquise und Sensortechnik über KI-Methoden und neuromorphes Rechnen bis hin zu nachhaltigen und Green-AI-Anwendungen in Wissenschaft und verschiedenen Wirtschaftssektoren.
„AI GlobalMinds adressiert eine zentrale Herausforderung für Deutschlands Innovationssystem", erklärt Prof. Dr. Olfa Kanoun, Projektkoordinatorin und Leiterin der Professur Mess- und Sensortechnik. „Die Nachfrage nach KI-Expertise wächst rasant, während qualifizierte Fachkräfte knapp bleiben. Durch die Verknüpfung internationaler Rekrutierung mit strukturierter Qualifizierung und Integration schaffen wir Chancen sowohl für KI-Talente als auch für Deutschlands Innovationslandschaft.“
Von Sensoren zu intelligenten Systemen: Umfassende KI-Ausbildung
Was AI GlobalMinds auszeichnet, ist sein ganzheitlicher Ansatz in der KI-Ausbildung. Anstatt sich auf isolierte Algorithmen zu konzentrieren, erlangen die Teilnehmenden ein systemisches Verständnis über die gesamte KI-Wertschöpfungskette – von sensorbasierter Datenerfassung über intelligente Verarbeitung bis zur realen Implementierung in neuromorphen Systemen und Robotik, mit besonderem Schwerpunkt auf nachhaltigen und Green-AI-Ansätzen.
„In der Neurorobotik konvergieren gehirninspirierte Algorithmen mit verkörperter KI und intelligenten Sensorsystemen", erklärt Prof. Dr. Florian Röhrbein von der Fakultät für Informatik. „Indem wir internationale Talente mit unterschiedlichem Hintergrund in diesen komplementären Bereichen zusammenbringen, bauen wir genau die interdisziplinären Teams auf, die benötigt werden, um wirklich intelligente Systeme zu bauen, die mit ihrer Umgebung interagieren und von ihr lernen können – während wir gleichzeitig Energieeffizienz und Nachhaltigkeitsaspekte adressieren, die auch für die zukünftige KI entscheidend sind."
Das Projekt bringt mehrere Fakultäten der TU Chemnitz zusammen – Elektrotechnik und Informationstechnik, Informatik und Mathematik – sowie das Internationale Universitätszentrum und den Career Service.
Umfassende Unterstützung: Von der Ankunft bis zur Karriere
„Erfolgreiche internationale Rekrutierung erfordert mehr als akademische Exzellenz – sie verlangt eine umfassende Unterstützung ", betont Katharina Wohlgemuth vom Internationalen Universitätszentrum. „AI GlobalMinds bietet genau das: strukturierte Vorbereitung vor der Ankunft, koordiniertes Onboarding, ein Buddy-Programm und beschleunigte Deutschsprachkurse, um sicherzustellen, dass die Teilnehmenden sowohl akademisch als auch sozial in Chemnitz unterstützt werden."
Das Projekt bereitet die Teilnehmenden explizit auf akademische und industrielle Karrieren in Deutschland vor. „Deutschlands KI-Ökosystem benötigt qualifizierte Fachkräfte in allen Sektoren – von universitären Forschungsgruppen über innovative Unternehmen bis zu angewandten Forschungseinrichtungen“, ergänzt André Zwingenberger Claren vom Career Service. „Durch gezielte Kompetenzworkshops, Networking-Veranstaltungen mit KI-Experten und Industrievertretern sowie interkulturelle Arbeitsplatztrainings bereiten wir AI GlobalMinds-Teilnehmende nicht nur technisch vor, sondern auch auf die Realitäten und Erwartungen des deutschen professionellen Umfelds.“
Aufbauend auf etablierten Partnerschaften mit Universitäten in Tunesien, Serbien und Chile schafft das Projekt nachhaltige Rekrutierungsstrukturen und stärkt gleichzeitig die internationale Zusammenarbeit und diversifiziert die Talentpipelines der TU Chemnitz.
Hintergrund: Projekt „AI GlobalMinds"
KI-Entwicklung erfordert mehr als Algorithmen – sie verlangt die Integration von Datenakquise, Hardware und realer Implementierung. AI GlobalMinds deckt dieses gesamte Spektrum ab: von Sensortechnik über maschinelles Lernen bis zu nachhaltigen Green-AI-Anwendungen. Das Projekt kombiniert kurzfristige Orientierungsformate mit längeren Studien- und Forschungsaufenthalten und ermöglicht so die frühzeitige Identifikation von Talenten und die schrittweise Integration in akademische und berufliche Wege in Deutschland. Studierende werden in Forschungsumgebungen eingeführt, arbeiten an praxisnahen Themen und sammeln Erfahrungen in der Anwendung von KI-Methoden in realistischen Szenarien – von intelligenten Sensorsystemen über neuromorphes Rechnen bis zu autonomer Robotik, mit Schwerpunkt auf energieeffizienten und nachhaltigen Implementierungen. Gleichzeitig stärkt AI GlobalMinds bestehende internationale Partnerschaften und trägt zur Entwicklung nachhaltiger Strukturen für die Rekrutierung und Qualifizierung von Talenten bei. Durch die Diversifizierung von Rekrutierungskanälen und den Aufbau neuer Wege für internationale Studierende und Promovierende unterstützt das Projekt Deutschlands langfristige Ziele in Innovation und Künstlicher Intelligenz-Entwicklung.
Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Olfa Kanoun, Inhaberin der Professur Mess- und Sensortechnik, Telefon 0371 531-36931, E-Mail olfa.kanoun@etit.tu-chemnitz.de.
(Autorin: Prof. Dr. Olfa Kanoun)
Mario Steinebach
26.05.2026