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Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
Aktuelles

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Auf der Suche nach der akustischen Dimension des Mittelalters

Interdisziplinäres Netzwerk von Forscherinnen und Forschern will das Mittelalter zum Klingen bringen und analysiert dafür historische Quellen, literarische Texte und Kunstwerke


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Gänse und Hunde als Wächter einer Burg. Bildquelle: Conradus Kyeser: Bellifortis, um 1430, Clm 30150, fol. 28r © Bayerische Staatsbibliothek München

Kann man die Geschichte des Mittelalters hören? Eigentlich nicht, denn Originaltöne konnten damals nicht aufgezeichnet werden. Es gibt nur wenige Klänge, die heute noch reproduzierbar sind. Denken wir beispielsweise an die aus dieser Zeit stammenden Kirchenglocken oder an historische Musikinstrumente. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Netzwerk an der Technischen Universität Chemnitz will in den kommenden drei Jahren die akustische Dimension der Kultur des Mittelalters weitaus umfassender untersuchen und dabei verschiedene Quellen nutzen.

„Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Fächern Musikwissenschaft, Kunstgeschichte, Germanistik, Geschichtswissenschaft, Byzantinistik und Lateinische Philologie werden wir in Tagungen und Workshops Klängen und ihrer Bedeutung für und in der Kultur des Mittelalters nachgehen“, sagt Privatdozentin Dr. Gesine Mierke von der Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit der TU Chemnitz. Sie ist eine der Verantwortlichen des Netzwerks der Forscherinnen und Forscher. „Wie jede andere Epoche, so war auch das Mittelalter keineswegs stumm, sondern von zahlreichen akustischen Phänomenen geprägt – diese reichten von den Klängen der Musik zu den Geräuschen des Handwerkes, vom Lärm des Krieges zur Stille der Klöster“, so Mierke weiter.

„Die mediävistische Lautforschung steht dabei vor der grundlegenden methodischen Herausforderung, dass viele der zu untersuchenden Laute verklungen und nur noch als Ergebnis medialer Transformationen zugänglich sind“, erläutert Prof. Dr. Martin Clauss, Inhaber der Professur Europa im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit der TU Chemnitz. „Diese fanden ihren Niederschlag in umfassenden Quellengattungen, in unterschiedlichen literarischen Gattungen, in Kunstwerken sowie Notationen, was eine interdisziplinäre Zusammenarbeit notwendig macht“, ergänzt Clauss, der ebenfalls für das Netzwerk verantwortlich zeichnet. Insgesamt sind am Projekt 17 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz beteiligt.

Besonders freut es Clauss, dass es auch eine eigene Tagung für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler geben wird. Durch dieses interdisziplinäre Projekt bestehe aus Sicht der beiden Netzwerkverantwortlichen zudem die Chance, ein neues Forschungsfeld an der TU Chemnitz zu etablieren.

Weitere Informationen erteilen Prof. Dr. Martin Clauss, E-Mail und PD Dr. Gesine Mierke, E-Mail

Mario Steinebach
20.09.2020





Gestalten im Dienst der Wissenschaft

Chemnitzer Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Fasbender zum Generalsekretar der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt gewählt


Auszeichnung für Prof. Dr. Christoph Fasbender, Inhaber der Professur für Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Chemnitz. Fasbender wurde am 10. Mai in den Senat und 15. Juni 2019 für zunächst fünf Jahre zum Generalsekretar der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt gewählt. Als Mitglied des Präsidiums tritt er die Nachfolge des Ende 2018 verstorbenen Generalsekretars und Medizinhistorikers Jürgen Kiefer an, der die Geschäfte der Erfurter Akademie seit der politischen Wende für drei Jahrzehnte geführt hat. Christoph Fasbender machte nach seiner Wahl deutlich: „Alles, was ich im Amt gestalten werde, werde ich in Abstimmung mit dem Senat allein im Dienst der Wissenschaft gestalten.“ Des Weiterem wies er darauf hin: „Nach außen geht es um eine substantielle Öffentlichkeitsarbeit. Das betrifft gewiss die Medienlandschaft, betrifft aber auch unser Verhältnis zur Stadt- und Landespolitik.“ Dabei erinnerte Fasbender an den Gründungsgedanken der Akademie: „Ich komme von einer Technischen Universität. Das fügt sich dem Anspruch nach bestens zu den Grundsätzen einer von ihren Anfängen an gemeinnützigen, durch Wissenschaft in die Gesellschaft wirkenden Einrichtung.“

Hintergrund: Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt

Die am 19. Juli 1754 gegründete Gelehrtensozietät ist die drittälteste deutsche Aka­demie der Wissenschaften, in der naturwissenschaftliche, medizinische, mathematische, geisteswissenschaftliche und technische Disziplinen gleichrangig vertreten sind. In ihrer über 250jährigen Geschichte hat die Erfurter Sozietät, u. a. als Kurfürstlich Maintzische Akademie nütz­licher Wissenschaften und später als Königlich Preußische Akademie gemeinnütziger Wissen­schaften, Höhen und Tiefen erlebt und Forschungsergebnisse in rund 350 Büchern, 3.650 Vorträgen und weit über 1000 wissenschaftlichen Veranstaltungen vorgelegt. Ihr gehörten beispielsweise auch Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Jacob Grimm an.

Zur Person: Prof. Dr. Christoph Fasbender

Christoph Fasbender wurde 1966 in Kassel geboren. Er studierte von 1986 bis 1994 Germanistik, evangelische Theologie und Pädagogik an der Universität Göttingen. Anschließend arbeitete Fasbender zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter, später als Wissenschaftlicher Assistent und ab Dezember 2006 als Oberassistent an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er 1999 promoviert und 2007 habilitiert wurde. Von April 2009 bis zu seiner Berufung übernahm er bereits die Vertretung der Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit an der TU Chemnitz, auf die er zum 1. Juni 2009 berufen wurde.

Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im höfischen Roman, der Heldendichtung und der regionalen Literaturgeschichte. Aktuell beschäftigt er sich mit dem von der Europäischen Union geförderten Projekt Kulturweg der Vögte.

Von 2009 bis 2012 war er Dekan der Philosophischen Fakultät, daran anschließend bis 2016 Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung der TU Chemnitz.

Kontakt: Prof. Dr. Christoph Fasbender, Telefon 0371 531-37866, E-Mail Matthias Fejes
12.07.2019

„Kulturweg der Vögte“ wird anschaulich

Schülerinnen und Schüler aus Limbach und Plauen führen Ende Juni und Anfang Juli das Theaterstück „Die Vögte von Weida“ auf – Ausstellung „Der Deutsche Orden im Vogtland“ wird in Plauen eröffnet

Eine heute in Leipzig aufbewahrte Handschrift überliefert eine mittelalterliche Schauernovelle mit dem Titel „Die Vögte von Weida“. Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich nicht wirklich von den bekannten Erzählungen um berühmte Ritter und furchtlose Helden. Doch der Schein des Titels trügt. Inhaltlich geht es in der Novelle um nicht weniger als ein mutiges junges Mädchen, das ihren beim König in Ungnade gefallenen Vater aus dem Kerker befreien muss. Dabei scheut sie weder davor, die bestehenden Frauen- und Männerklischees umzukrempeln, noch der furchteinflößenden Aufgabe entgegenzusehen, ein seit Jahrzehnten verfluchtes Kloster von den darin hausenden Geistern zu befreien.

Im Rahmen des seit 2016 von der Europäischen Union geförderten Projektes „Kulturweg der Vögte“ hat die Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit der Technischen Universität Chemnitz gemeinsam mit der Dittes Grundschule Plauen, dem Theater Plauen/Zwickau und der evangelischen Montessori Grundschule Limbach es geschafft, dieser mittelalterlichen Novelle modernen Glanz zu verleihen. Luca Kirchberger, Absolventin des TU-Masterstudiengangs „Rezeptionskulturen der Vormoderne“, hat die Erzählung in ein raffiniertes Stück umgeschrieben, das sich an die Größe und Bedarfe jeder Schule anpassen lässt. „Bereits seit Herbst 2018 wird in den jeweiligen Schulen fleißig mit der Hilfe von Studierenden aus dem Zentrum für Lehrerbildung der TU Chemnitz für den großen Auftritt, welcher nun endlich stattfindet, geprobt, geplant und gebastelt“, berichtet Prof. Dr. Christoph Fasbender, Inhaber der Professur.  

Den Anfang macht am 29. Juni 2019 die evangelische Montessori Grundschule in Limbach, die in der passenden Kulisse auf Burg Mylau ihre Ergebnisse präsentieren wird. Die Aufführung des Schülertheaterstücks „Die Vögte von Weida“ beginnt um 14:00 Uhr . Am 3. Juli 2019 folgt dann um 17:00 Uhr im Komturhof Plauen, Schulberg 2, die Dittes-Grundschule Plauen.

Im Herbst 2019 erscheint zu diesem Projekt eine theaterpädagogische Publikation von Luca Kirchberger, die nicht nur die wissenschaftlichen Aspekte des mittelalterlichen Originals der Schauernovelle aufarbeitet, sondern auch den modernisierten Text, Tipps zur Probenplanung und Bühnenbildkonzepte enthält.

Ausstellungseröffnung „Der Deutsche Orden im Vogtland“

Gemeinsam mit vier Studierenden der Rezeptionskulturen ist an der TU Chemnitz unter der Leitung von Prof. Fasbender eine Ausstellung über die Geschichte des Deutschen Ordens im Vogtland entstanden, die ab dem 27. Juni 2019 im Komturhof Plauen, Schulberg 2, zu sehen ist. Der Eintritt ist frei. Die insgesamt zwölf deutsch/tschechischen Aufsteller thematisieren unterschiedliche Aspekte der Geschichte des Deutschen Ordens, so etwa die wissenschaftlich unzureichend erforschte Literaturproduktion, den Einfluss des Ordens auf die Infrastruktur des Vogtlandes und die großen wirtschaftlichen Errungenschaften des 1190 am Strand von Akkon unter einem weißen Segel gegründeten Ritterordens der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem. Am 27. Juni wird die Ausstellung „Der Deutsche Orden im Vogtland“ im Komturhof um 17:00 Uhr feierlich eröffnet.

Mario Steinebach
20.06.2019


Neue Einblicke in alte Handschriften

Studierende der TU Chemnitz erarbeiteten Ausstellung zu mittelalterlichen Handschriftenbeständen – Eröffnung: 9. Mai 2019 in Jena

Studierende der TU Chemnitz erarbeiteten eine Ausstellung zu mittelalterlichen Handschriftenbeständen.
Die Eröffnung findet am 9. Mai 2019 in Jena statt.
Foto: Gellinger/pixabay.com (http://bit.ly/2LkewDR;
Lizenz: Pixabay License; http://bit.ly/2UPURLm)

Die Buchbestände der sogenannten „Mildenfurther Klosterbibliothek“ gehören zu den bisher unbeachteten und unerschlossenen Beständen mittelalterlicher Buch- und Handschriftenbestände. Aufbewahrt werden diese an der Thüringischen Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) in Jena. Im Rahmen eines Seminars im Sommersemester 2018 widmeten sich Studierende in den Studiengängen Germanistik, Europäische Geschichte und Rezeptionskulturen der Vormoderne an der Technischen Universität Chemnitz dieser forschungsseitigen Lehrstelle. Betreut wurde das Projekt von Prof. Dr. Christoph Fasbender, Inhaber der Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit an der TU Chemnitz.

Entstanden ist neben umfangreichen Hintergrundinformationen zu den Handschriften selbst auch eine Ausstellung mit dem Titel „Do wart och Mildenfort reformert – Neue Einblicke in die alte Mildenfurther Klosterbibliothek“.

Die Ausstellung wird am 9. Mai 2019, um 17 Uhr, im Vortragssaal des Bibliothekshauptgebäudes der ThULB, Bibliotheksplatz 2, in Jena eröffnet. Im Anschluss wird die Ausstellung vom 9. Mai bis 13. Dezember 2019 (Mo. bis Fr., 19 bis 16 Uhr) zu besichtigen sein.

Die Ausstellung ist Teil des an der TU Chemnitz angesiedelten und von Prof. Fasbender geleiteten Projektes „Kulturweg der Vögte“ und wurde im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union gefördert.

Erschließung des Bestandes und Konzeption der Ausstellung durch Chemnitzer Studierende

Die Studierenden der TU Chemnitz wirkten am Ausstellungskatalog mit und waren unter anderem für die Zusammenstellung des Ausstellungs-Bestandes und die Beschriftungen der Vitrinen mit den Ergebnissen ihrer Handschriften-Erschließung verantwortlich.

„Die Ausstellung in der Thüringischen Universitäts- und Landesbibliothek zeigt nicht nur erstmals sämtliche erhaltenen Mildenfurther Handschriften und Drucke des 10. bis 16. Jahrhunderts. Sie versucht auch, das Wachsen und Werden der spätmittelalterlichen Bibliothek im Zeitalter der Kirchenreformen – und als deren Ergebnis – zu verstehen“, erklärt Christoph Fasbender. Fasbender hatte gemeinsam mit Dr. Joachim Ott, Leiter des Bereichs Handschriften- und Sondersammlungen der ThULB, die wissenschaftliche Leitung des Projektes inne.

Hintergrund: Mildenfurther Klosterbibliothek

Als das 1193 bei Weida gegründete Prämonstratenserstift Mildenfurth in den Wirren der Reformation unterging, fanden repräsentative Reste seiner einst bedeutenden Bibliothek über Wittenberg und Weimar schließlich in die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (ThULB) Jena. Dort blieb sie fast ein halbes Jahrtausend weitgehend unbeachtet.

Mit der Tiefenerschließung der Jenaer Handschriftenbestände, deren erste Ergebnisse 2002 vorgelegt wurden, eröffneten sich für die Erforschung der Stiftsbibliothek neue Perspektiven.

Weitere Informationen zum Kulturweg der Vögte sind online verfügbar: http://www.kulturweg-der-voegte.eu

Kontakt:
Prof. Dr. Christoph Fasbender, Tel. +49 (0)371/531-37866, E-Mail
Dr. Joachim Ott, Tel. +49 (0)3641/9-40085, E-Mail

Matthias Fejes
02.05.2019




Prof. Dr. Christoph Fasbender ist neues Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt.

Prof. Dr. Christoph Fasbender wurde am 10. Mai in den Senat und am 15. Juni 2019 für zunächst fünf Jahre zum Generalsekretar der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt gewählt.

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