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Leistung, die sich auszahlt

Hervoragender Abschluss: Sechs Diplomarbeiten und zwei Dissertationen wurden mit dem Universitätspreis 2005 gewürdigt - DAAD-Preis für Studentin aus China

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Die Preisträger auf einen Blick: Qingying Jiang (DAAD-Preisträgerin), Stefan Welzel, Sascha Gruner, Stefan Leidich, Frank Renkewitz und Torsten Höfler (oben von links) sowie Olaf Reinhold, Dana Düvelmeyer und Thomas Risch (unten von links). Foto: Christine Kornack

Herausragende Abschlussarbeiten sind das I-Tüpfelchen eines glänzenden Studiums oder einer Doktorandenzeit. In ihnen stecken viel Energie und oftmals sehr gute Ideen und wissenschaftliche Ergebnisse. Aus diesem Grund wurden bei der Immatrikulationsfeier am 10. Oktober 2005 die diesjährigen Universitätspreise verliehen. Jährlich entscheidet eine Vergabekommission im Auftrag der Freundesgesellschaft der TU Chemnitz, welche Abschlussarbeit an jeder der sieben Fakultäten es verdient, mit einem in Höhe von 1.000 Euro dotierten Geldpreis belohnt zu werden.

In diesem Jahr gab es jedoch eine Ausnahmesituation: Der Vergabekommission lagen aus der Fakultät für Naturwissenschaften zwei Vorschläge für die Preisvergabe vor, die beide anerkannt wurden. Das Preisgeld teilen sich die Diplom-Physiker Sascha Gruner aus Chemnitz und Stefan Welzel aus Greifswald (Sponsor: Envia Mitteldeutsche Energie AG). Für Gruner honoriert der Universitätspreis in gewisser Weise die gesamte Arbeit im Studium und die erzielten wissenschaftlichen Ergebnisse. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich vor dem Hintergrund des EU-Beschlusses, der ab 2006 die Verwendung von Blei in elektronischen Geräten und Lötverbindungen verbietet, mit der Untersuchung potenzieller Ersatzmaterialien, wie zinnreiche Silber-Kupfer-Zinn-Legierungen, die Gruner auf ihre physikalischen Eigenschaften und ihre Eignung in industriellen Prozessen untersuchte. Der Chemnitzer Uni bleibt Sascha Gruner noch eine Zeit lang treu, denn er hat sich hier für ein Promotionsstudium entschieden.

Stefan Welzel beschäftigte sich in seiner Abschlussarbeit mit der Untersuchung von Plasmen, die auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet werden. Mit Hilfe zeitlaufgelöster und zeitlich mittelnder Methoden untersuchte er eine gepulste Magnetronentladung zur reaktiven Abscheidung von Oxidschichten. Die erzeugten Titanoxidschichten kommen bei der Wärmeschutzverglasung oder als Isolatoren in der Halbleiterindustrie zum Einsatz. Um gezielt die Eigenschaften der Schichten steuern zu können, ist es wichtig zu wissen, "was im Plasma passiert". Verschiedene Untersuchungsmethoden, wie z.B. das Einbringen von Sonden, zwischen denen eine Spannung angelegt wird, oder auch die Emission von Licht angeregter Atome sollen darüber Auskunft geben. Da die Prozesse gepulst, mit Periodendauern von Mikrosekunden betrieben wurden, musste auch die Messtechnik entsprechend schnell sein. Ziel der Arbeit von Welzel war es, Messtechniken mit entsprechender Zeitauflösung aufzubauen, die Messergebnisse miteinander zu vergleichen und den Vorgang der Schichtabscheidung modellhaft zu beschreiben. Am Institut für Niedertemperatur-Plasmaphysik Greifswald e.V. arbeitet Welzel im Rahmen seines Promotionsstudiums jetzt an weiteren Diagnostikverfahren der Plasmaphysik.

Den Universitätspreis der Wirtschaftsfakultät konnte Diplom-Wirtschaftsinformatiker Olaf Reinhold aus Wilkau-Haßlau entgegennehmen (Sponsor: Deutsche Bank Chemnitz). Er widmete sich dem Thema Customer Relationship Management (Kundenbeziehungsmanagement) und dessen sinnvolle Umsetzung im Unternehmen. Da CRM viele Unternehmensbereiche betrifft und deshalb auch unterschiedliche wissenschaftliche Forschungsbereiche umfasst, hat Reinhold ein so genanntes Vorgehensmodell entwickelt, das viele Ansätze integriert, alle Teilbereiche berücksichtigt und Informationen darüber gibt, wie CRM schrittweise eingeführt werden kann. Dieses Vorgehensmodell ist so beschrieben, dass es noch unabhängig von einzelnen Branchen oder Unternehmensbesonderheiten ist und auf alle Bereiche anwendbar ist. Der Universitätspreis motiviert Reinhold besonders, denn auch auf seinem Zukunftsplan steht noch eine Promotion.

Diplom-Ingenieur Thomas Risch aus Chemnitz, der jetzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Fördertechnik an der TU Chemnitz tätig ist und dort auch promovieren möchte, wurde von der Fakultät für Maschinenbau ausgezeichnet und erhielt einen Preis von MAN Plamag Druckmaschinen. In seiner Diplomarbeit untersuchte er den Einsatz gekoppelter Mehrfachschwingsysteme in Vibrationsförderern. Dabei gelang es Risch, die Mikrowurfbewegung, die beim Transport eines Guts im Verarbeitungsprozess über vibrierende Rinnen oder ähnlich ausgebildete Förderorgane entsteht, zu verhindern, so dass das Fördergut an dem Förderorgan quasi entlang gleitet. Außerdem erreichte Risch in seinen Untersuchungen eine vergleichbar hohe Fördergeschwindigkeit sowie eine Lärmreduktion. Möglich wurde dies durch den Einsatz eines Schwingsystems mehrerer Massen und Federelemente mit horizontalen und vertikalen Freiheitsgraden, so dass sich bestimmte Schwingformen der Rinne generieren lassen. Auch für ihn sei der Universitätspreis eine große Auszeichnung und zugleich eine große Motivation für angehende Absolventen, die letzte Hürde des Studiums mit besonderem Ehrgeiz zu bewältigen.

Die Fakultät für Informatik prämierte die Abschlussarbeit des Diplom-Informatikers Torsten Höfler aus Chemnitz mit einem Preis von Niles-Simmons Chemnitz. In Höflers Arbeit ging es um die Beschleunigung einer Programmbibliothek, die im Supercomputing eingesetzt wird (MPI - Message Passing Interface). Dabei optimierte Höfler die MPI-Barrier-Funktion, die in vielen Anwendungen eine bedeutende Rolle spielt. Anwendungen, die auf MPI basieren, werden z.B. für Crashtest Simulationen, nanoskalige Simulationen oder medizinische Simulationen eingesetzt. Auch in Zukunft wird Torsten Höfler weiter auf dem Gebiet des Supercomputing (z.Z. nanoskalige Simulationen) forschen. Eine weiterführende universitäre Laufbahn ist für ihn keinesfalls abwegig.

Diplom-Ingenieur Stefan Leidich aus Hohenstein-Ernstthal macht es ebenfalls sehr stolz, dass ausgerechnet seine Arbeit von der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik nominiert wurde (Sponsor: Siemens AG). Leidich beschäftigte sich mit dem Thema „Koplanare elektromagnetische Signalkopplung für HF-MEMS-Bauelemente“. Darin geht es um Mikroelektromechanische Systeme (MEMS) für Hochfrequenzanwendungen, die gegenüber den herkömmlich verwendeten Halbleiterbauelementen entscheidende Vorteile hinsichtlich Verlustleistung und Signaldämpfung haben. Dem breiten Einsatz dieser als RF-MEMS bezeichneten Chips steht die Herausforderung der komplexen Aufbau- und Verbindungstechnik gegenüber. Am Zentrum für Mikrotechnologien realisierte Leidich das Konzept der elektromagnetischen Signalkopplung, das einen Weg beschreibt, hermetisch geschlossene Chips zu fertigen. Diese werden durch eine einfache Klebeverbindung in die Schaltung der Zielapplikation integriert. Die Signalübertragung zwischen Chip und Leiterplatine erfolgt dabei ohne leitende Verbindung durch elektromagnetische Wellen. Derzeit ist der Diplom-Ingenieur als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Dr. Thomas Geßner am Zentrum für Mikrotechnologien in Chemnitz tätig.

Neben den Diplomarbeiten wurden auch zwei Dissertationen mit dem Universitätspreis 2005 gewürdigt. Die Wirtschaftsmathematikerin Dr. Dana Düvelmeyer aus Chemnitz erhielt den Preis der Fakultät für Mathematik (Sponsor: Stadtwerke Chemnitz). In ihrer Arbeit geht es im Speziellen um die Parameterschätzung für das Kursmodell der Jump-Diffusions-Prozesse, das in der Finanzmathematik bei der Modellierung von Aktienkursen Anwendung findet. Ein Jump-Diffusions-Prozess ist ein stochastischer Prozess der aus einem Diffusionsteil und einer Sprungkomponente besteht. Der Diffusionsteil beschreibt dabei übliche (stetige) Kursentwicklungen, d.h. die Kurse entwickeln sich entlang einer Geraden (Driftterm) recht schwankend. Mit dem Diffusions-Prozess kann man sehr gut Aktienkursbewegungen modellieren. Bei der Parameterschätzung treten in diesem Kursmodell allerdings Inkorrektheitsphänomene auf, die durch Regularisierung überwunden werden können. Düvelmeyers Forschungsarbeit fand bereits internationales Interesse und zunächst wird sie auch weiterhin an der Fakultät für Mathematik in Chemnitz forschen.

Schließlich prämierte die Philosophische Fakultät den Diplom-Psychologen Frank Renkewitz aus Chemnitz für seine Dissertation (Sponsor ist Oberbürgermeister Dr. Peter Seifert). Darin ging er der Frage nach, wie Menschen Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten schätzen. Für die Psychologie stellt dies ein interessantes Forschungsgebiet dar, weil die Verarbeitung von Häufigkeiten eine wichtige Grundlage für weitere Prozesse ist, wie z.B. die Stereotypenbildung. Im Speziellen untersuchte Renkewitz die Rolle von Gedächtnisprozessen bei Häufigkeitsschätzungen und zog zur Erklärung das "assoziationistische Gedächtnismodell" heran. In seinen Untersuchungen zeigte sich unter anderem, dass Häufigkeitsschätzungen durch Assoziationen beeinflusst werden. Seit Oktober 2005 ist Renkewitz als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Methodenausbildung der Psychologie an der Universität Erfurt beschäftigt.

Ebenfalls zur Immatrikulationsfeier wurde der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) verliehen, der in diesem Jahr an die Studentin Qingying Jiang aus China ging. Gewürdigt wurden damit nicht nur ihre fachlichen Leistungen sondern auch ihr ehrenamtliches Engagement bei der Integration ausländischer Studierender an der TU Chemnitz.

(Autorin: Janine Mahler)

Mario Steinebach
11.10.2005

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