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Vor 100 Jahren starb der Nestor des Feuerlöschwesens in Chemnitz

Auf Initiative von Prof. Theodor Norbert Kellerbauer wurde 1877 das Fach Feuerlöschwesen in den Lehrplan der Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz aufgenommen

  • Prof. Theodor Norbert Kellerbauer
    Prof. Theodor Norbert Kellerbauer. Foto: Joh. Niclou, Chemnitz, ca. 1891, Universitätsarchiv Chemnitz UAC 502/283

Theodor Norbert Kellerbauer wurde am 26. Mai 1839 im Bayrischen Ermig als Sohn des Patrominalrichters Georg Kellerbauer geboren. 1849 zog die Familie nach der Aufhebung der Patrominialgerichtsbarkeit nach München um. Kellerbauer besuchte dort von 1850 bis 1853 das Kgl. Wilhelm-Gymnasium. Ab 1853 ging er an das Kgl. Max-Gymnysium, das er 1858 mit der Note 1 abschloß. Im Herbst 1858  ließ er sich an der Universität in München einschreiben. Dort studierte er Differential- und Integralrechnung sowie Chemie. Gelichzeitig besuchte er als Hospitant die Polytechnsiche Schule in München und hörte dort Geometrie, Physik, Maschinenkunde und Maschinenzeichnen. 1859 wechselte er nach Sachsen. An der Kgl. Sächsischen Bergakademie in Freiberg studierte er Mechanik, Bergmaschinenlehre, Mathematik und Markscheidekunst. Zwecks Maschinenstudien ging er nach Zwickau und Chemnitz  und 1860 nach Karlsruhe, wo er durch selbständige Konstruktionsarbeiten auf sich aufmerksam machte. Die schwierigen Anstellungsverhältnisse in Deutschland bewogen Kellerbauer 1862 eine Stelle als Mathematik- und Physiklehrer an einer Privatschule zu Fellin in Livland anzunehmen. Kellerbauer erwarb an der Universität in Dorpat das Diplom eines Privatlehrers und hatte danach eine Lehrerstelle in Fellin (Livland).

Feuer und Flamme im Beruf und im Ehrenamt

Ab 1. Oktober 1864 wurde Kellerbauer Lehrer für maschinentechnische Fächer an den Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz, einer der Vorläufereinrichtungen der heutigen Technischen Universität. Am 24. Februar 1870 wurde er zum Professor ernannt. Das Fach Feuerlöschwesen wurde 1877 auf seine Initiative hin in den Lehrplan der Staatslehranstalten aufgenommen. Im gleichen Jahr erschien sein Buch "Das Feuerlöschwesen und seine Einführung als Unterrichtsgegenstand an technischen Lehran­stalten". Er unterrichtete dieses Fach auch noch nebenamtlich, nachdem er im Jahr 1910 in den Ruhestand getreten war.

Kellerbauer war von 1877 bis 1917 im Landesausschuss sächsischer Feuerwehren tätig. Außerdem war er 3. Vorsitzender des deutschen Reichsfeuerwehrverbandes, in dem er seit 1904 Vorsitzender des technischen Ausschusses war. Er war darüber hinaus Redakteur der "Feuerspritze", dem Organ des Landesverbandes Sächsischer Feuerwehren. Zudem engagierte er sich als Hauptmann der Chemnitzer Turnerfeuerwehr. Eine Reise durch Deutschland, Belgien, die Niederlande und England unternahm er, um sich über das Löschwesen in den verschiedenen Ländern zu unterrichten. 1902 und 1909 wurde er Ehrenmitglied des österreichischen und italienischen Feuerwehrverbandes. Am 16. März 1910 erhielt Kellerbauer das Ritterkreuz des Kgl. Sächs. Albrechtsordens 1. Klasse. Außerdem war er Inhaber des von König Albert gestifteten Feuerwehrehrenzeichens.

Außerdem war Kellerbauer ab 1883 Vorsitzender der Sektion Chemnitz des Alpenvereins. Besondere Verdienste erwarb er sich dabei um die Schaffung der Chemnitzer Hütte auf dem Neveser-Joch in Tirol, die am 29. Juli 1895 fertiggestellt wurde. Schwere Schicksalsschläge erfuhr er in seinen letzten Lebensjahren. Innerhalb weniger Jahre starb seine Familie und auch er verlor seine Lebenskraft. Am 3. Januar 1918 mußte er in eine Nervenheilanstalt gebracht werden, wo er am 12. Januar 1918 verstarb.

(Autor: Stephan Luther, Leiter des Universitätsarchivs der TU Chemnitz, Quellen: UAC 100/104 PA Kellerbauer; JB 1877/1878)

Mario Steinebach
04.01.2018

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