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Eintauchen in berührende Schicksale

TU-Absolvent Matthias Fiedler reist als freier Journalist für die Süddeutsche Zeitung und den SPIEGEL um die Welt - Podcast gibt persönlichen Einblick

Matthias Fiedlers Geschichten reißen mit: Sie handeln über sexuellen Missbrauch von Kindern in Sportvereinen, Torhüter mit Tourette-Syndrom und unwürdigen Arbeitsbedingungen in Handy-Fabriken. Der Absolvent der Technischen Universität Chemnitz berichtet immer ganz nah am Menschen: „Mich haben schon immer Menschen und ihre Probleme interessiert. Leiden, kämpfen, gewinnen oder verlieren - Zustände, die unser aller Leben bestimmen. Die den Leser packen.“

Die Leidenschaft für das Schreiben, die hat der gebürtige Dresdner in Chemnitz entdeckt. Nach dem Abitur auf dem Sportgymnasium in Chemnitz, studierte Fiedler Anglistik, Amerikanistik und Germanistik im Magister ab 2005 an der Technischen Universität. Hier lernte er, gründlich zu recherchieren und genau zu arbeiten, große Textmengen zu erfassen, zu ordnen, auszuwerten und ein Gefühl für Sprache zu entwickeln – unverzichtbare Fähigkeiten für die Arbeit eines Journalisten. Doch auch so manche Herausforderung wartete in den Seminarräumen auf ihn: „Das große Latinum, damals noch Pflicht im Fach Anglistik, war eine Qual. Aber unser Latein-Dozent Burkhard Müller war eine Wonne. Wir haben bei ihm unheimlich viel über die deutsche Sprache gelernt: Satzbau, Ausdruck, Rechtschreibung. Außerdem verstand er es wunderbar, Geschichte bildhaft zu vermitteln. Obwohl wir alle schlechte Noten hatten, die meisten zumindest, gingen wir trotzdem mit Vergnügen zu seinem Unterricht.“ Und nach den Vorlesungen? Da habe er oft mit seinen Freunden auf dem Mensa-Vorplatz gesessen, Kaffee getrunken und sich gesonnt.

Besonders geprägt hat Fiedler in seiner Studienzeit das Auslandssemester 2008/2009 in England an der University of Sheffield: „Ich habe mich dort viel mit der deutschen Geschichte auseinandergesetzt. Das viele Lesen, mindestens ein Buch pro Woche zum Holocaust, hat mein akademisches Englisch um Welten verbessert. Außerdem: Die Feierkultur der Engländer ist unvergleichlich.“ 

Neben dem Studium an der TU spielte Fiedler Basketball beim Basketballklub BV Chemnitz 99. Auf dem Feld organsierte er als Spielemacher die Mannschaft, nach dem Spiel schrieb er die Spielberichte für den Verein. „Dadurch habe ich die lokalen Sportjournalisten der Freien Presse kennengelernt. Die fanden meine Spielberichte gut und fragten, ob ich Lust hätte, mal einen Artikel für sie zu schreiben. So bin ich zum Journalismus gekommen. Und geblieben.“

2011 folgte nach dem Studium an der TU die zweijährige Redakteursausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München. Hier lernt Fiedler das Handwerkszeug für den Journalisten-Beruf. Der angenehme Nebeneffekt der Ausbildung: Es öffnet das Tor zu den großen Verlagen. In der Sportredaktion des SPIEGEL lernt er, wie wichtig es ist, Menschen persönlich zu treffen, um von ihnen Informationen zu bekommen. Heute arbeitet der 33-Jährige als freier Journalist für die großen Blätter – und reist für seine Interviews und Reportagen rund um den Globus: „In die Lebenswelten anderer Menschen, Schicksale, Professionen zu schauen ist eine unheimliche Bereicherung für mich. Du lernst jeden Tag Neues, teilst es mit deinen Lesern und kannst auch noch bezahlt reisen. Herrlich!“

Was war das persönliches Highlight in seiner Berufslaufbahn? „Das Highlight ist der Job selbst. Bei welchem Beruf sonst kann ich heute einen amerikanischen Marine-Soldaten, morgen einen englischen Premier-League-Torwart und übermorgen den GoPro-Gründer treffen?“. Um genau wie Fiedler Leidenschaft und Arbeit zu vereinen, rät der Journalist Studierenden bei der Wahl des Studiengangs umsichtig vorzugehen: „Studiert das, worauf ihr Lust habt, was euch interessiert. Nicht das, was eventuell den besser bezahlten Job verspricht. Macht glücklicher,“, sagt Fiedler und dann klingelt sein Telefon und Fiedler muss los, zum nächsten Auftrag. Irgendwo auf der Welt. (Autorin: Nina Schreyer

In einem Podcast gibt Matthias Fiedler weitere persönliche Einblicke in seine Arbeit als Journalist.

Matthias Fejes
02.01.2018

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