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Ein geschätzter Praktiker

Rückblick zum 100. Todestag: Adolf Ferdinand Weinhold entdeckte in Chemnitz die Vakuum-Mantelflasche und führte den Elektrotechnik-Unterricht ein

Adolf Ferdinand Weinhold – dieser Name ist nicht nur auf dem Campus der Technischen Universität Chemnitz vielen bekannt, schließlich trägt das größte Gebäude der TU seit 1986 seinen Namen. Der Physiker und Chemiker Adolf Ferdinand Weinhold wirkte von 1861 bis 1912 an Vorläufereinrichtungen der heutigen Universität und initiierte hier den Aufbau der Elektrotechnischen Abteilung.

Weinhold war ein Wissenschaftler, der den Frontalunterricht durch den Experimentalunterricht wenn nicht ablösen, so doch entscheidend ergänzen wollte. Dabei hatte Weinhold aber ein wesentliches Problem: Es fehlte ihm an anschaulichen Experimenten und Demonstrationsmaterial für seinen Unterricht. Weinhold, der handwerklich sehr begabt war und sich besondere Fertigkeiten im Glasblasen angeeignet hatte, stellte kurzerhand selbst die notwendigen Apparaturen her. Um verflüssigte Gase aufzubewahren, entwickelte Weinhold eine doppelwandige Glasflasche und pumpte zwischen Innen- und Außenwand die Luft ab. Das Vakuum verhinderte den Wärmeaustausch mit der Umgebung, die Flasche konnte so tiefe Temperaturen über Stunden hinweg halten. 1881 beschrieb Weinhold diese Erfindung in seiner Publikation „Physikalische Demonstrationen“. Ihren Ausgang nahmen diese Arbeiten bereits in seiner 1873 in Leipzig als Promotion dienenden Veröffentlichung zur „Messung hoher Temperaturen“. Jedoch versäumte Weinhold es, sich das Patent zu sichern – um an eine kommerzielle Nutzung zu denken, war er wahrscheinlich zu sehr Wissenschaftler.

Dieser von Weinhold beschriebene Effekt der Vakuum-Mantelflasche wird oft im direkten Zusammenhang mit der Thermosflasche genannt, was so nicht ganz korrekt ist. Ebenso die Verbindung zur Erfindung von Sir James Dewar, der als Professor in Cambridge und London wirkte und ab 1874 ein doppelwandiges, aus Metall bestehendes, später ein verspiegeltes aus Glas bestehendes evakuiertes Gefäß ebenfalls zur Lagerung von verflüssigten Gasen verwendete. Beides waren lediglich für den Laboreinsatz entwickelte Gefäße. Als eigentlicher Erfinder der für den Hausgebrauch geeigneten Thermosflasche gilt der Glasbläser und Glastechniker Reinhold Burger aus Glashütteg, dem dafür 1903 das Patent erteilt wurde.

Zur Person: Adolf Ferdinand Weinhold

Am 19. Mai 1841 in Zwenkau geboren, studierte Weinhold 1857 bis 1861 in Leipzig und Göttingen. In Chemnitz erhielt der 20-Jährige anschließend eine Assistentenstelle an der Landwirtschaftlichen Versuchsstation. 1864 wurde er an der Königlichen Höheren Gewerbschule probeweiser, ab 1865 bestellter Physiklehrer, die Schüler schätzten seinen praxisorientierten Lehrstil. 1870 wurde ihm der Professorentitel verliehen. In Chemnitz führte Weinhold Elektrotechnik als eigenständiges Unterrichtsfach ein. Mehrere Rufe an andere Hochschulen lehnte er ab. Weinhold ist Autor mehrerer Lehrbücher. Er war einer der Initiatoren der ersten städtischen Elektrizitätswerke auf Drehstrombasis in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Plauen. Weinhold war verheiratet und hatte zwei Söhne, von denen einer ebenfalls Professor in Chemnitz wurde. Am 2. Juli 1917 starb Weinhold in Chemnitz. Im Universitätsarchiv der TU Chemnitz befindet sich sein Nachlass und auch ein Nachbau der „Weinholdschen Flasche“.

Mario Steinebach
26.06.2017

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