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Die Kraft der Musik

Psychologen der TU Chemnitz ergründen die Wirkungen eines jahrtausendealten menschlichen Verhaltens

Friedrich Nietzsche hat es einmal so ausgedrückt: „Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Und tatsächlich ist Musik ein so altes, in allen Teilen der Welt vorkommendes und allgegenwärtiges Phänomen, dass es fest zum Menschsein dazuzugehören scheint. Gerade in Zeiten von iPod, Smartphone und Online-Streaming-Diensten wie Spotify ist Musik für viele Menschen ein ständiger Begleiter. Was aber sind die Gründe dafür, dass Menschen Musik hören und welche Wirkungen entstehen dabei?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Wissenschaftler am Institut für Psychologie der Technischen Universität Chemnitz seit einigen Jahren. In einer Reihe von Studien unter Leitung von Dr. Thomas Schäfer wurde der alltägliche Umgang mit Musik genau unter die Lupe genommen. So wurden in einer jüngst veröffentlichten Studie 121 Personen über einen Zeitraum von zehn Tagen gebeten, die Situationen, in denen sie Musik hören, genau zu dokumentieren und jeweils am Ende des Tages anzugeben, welche Gründe und Wirkungen das Musikhören hatte. In einer früheren Studie des Teams hatte sich bereits herausgestellt, dass es drei zentrale Gründe dafür gibt, warum Menschen Musik hören: Selbstwahrnehmung (also etwa das Definieren der eigenen Identität oder der Umgang mit alltäglichen Sorgen), soziale Verbundenheit (also das Knüpfen von sozialen Kontakten und der Ausdruck sozialer Zugehörigkeit oder Abgrenzung) und die Regulation von Stimmung und körperlicher Erregung.

In der aktuellen Studie zeigte sich nun, dass für die Befragten die Stimmungs- und Erregungsregulation das wichtigste Ziel für das Musikhören war, dicht gefolgt vom Motiv der Selbstwahrnehmung. Das Motiv der sozialen Verbundenheit wurde dagegen als unterdurchschnittlich wichtig eingestuft. Dieselbe Rangfolge ergab sich für die Wirkungen, die durch das Musikhören in den verschiedenen Situationen tatsächlich eingetreten waren. "Musik kann uns also helfen, grundlegende psychologische Ziele im Alltag recht einfach und schnell zu erreichen. In der Studie zeigte sich zudem, dass dieser Effekt stärker ausgeprägt war, je mehr Erfahrung die Befragten im Auswählen der passenden Musik hatten und je besser ihre musikalische Bildung war", so Schäfer.

Die Ergebnisse lassen ein großes und bisher kaum genutztes Potenzial im Hinblick auf Prävention und Therapie psychischer Probleme erkennen, zumal Musik einfach „verabreicht“ werden kann und keine Nebenwirkungen hat. Thomas Schäfer plant daher unter anderem Studien, welche die Wirkung von Musik als Mittel zur Minderung affektiver Störungen und zur Verbesserung der sozialen Teilhabe von älteren Menschen untersuchen. Die Forschungsergebnisse seines Teams haben weitere internationale Projekte angeregt, allen voran ein Citizen Science-Projekt, in dem interessierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre Erfahrungen mit dem gesundheitlichen Nutzen von einer Million Musikstücken zusammentragen sollen (http://syncproject.co).

Publikationen zu den im Beitrag erwähnten Studien:Schäfer, T. (2016). The Goals and Effects of Music Listening and Their Relationship to the Strength of Music Preference. PloS one, 11(3), e0151634. http://dx.doi.org/10.1371/journal.pone.0151634 sowie Schäfer T, Sedlmeier P, Städtler C, Huron D. (2013). The psychological functions of music listening. Frontiers in Psychology, 4, 511. http://dx.doi.org/10.3389/fpsyg.2013.00511.

Weitere Informationen erteilt Dr. Thomas Schäfer, Telefon 0371 531-35568, E-Mail thomas.schaefer@psychologie.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
27.11.2016

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