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TU unterstützt Rohstoffmanagement in der Mongolei

Die Chemnitzer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Thießen und Thomas Maurer hielten ein Seminar am German Mongolian Institute for Resources and Technology in Ulaanbaatar

  • Thomas Maurer im Seminar „Financing in the Resource Sector“, das er gemeinsam mit Prof. Dr. Friedrich Thießen am German Mongolian Institute for Resources and Technology in Ulaanbaatar angeboten hat. Foto: privat
  • Prof. Dr. Friedrich Thießen hält regelmäßigen Kontakt in die Mongolei. Foto: Thomas Maurer
  • Das German Mongolian Institute for Resources and Technology bietet ressourcenorientierte Studiengänge. Foto: Thomas Maurer

Prof. Dr. Friedrich Thießen und Thomas Maurer von der Professur Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre der TU Chemnitz waren vom 30. August bis 3. September 2015 am German Mongolian Institute for Resources and Technology zu Gast. Sie brachten ihre Expertise in ein Seminar an der Elitehochschule am Rande der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar ein. Für „Uni aktuell“ berichten sie über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und erklären, warum ein Auslandsaufenthalt in der Mongolei für Chemnitzer Studierende eine attraktive Option ist:

Zu den Partnern der Technischen Universität Chemnitz im Ausland gehört auch die National University of Mongolia, NUM. Der vor Jahrzehnten begründete Kontakt wird gemeinsam von den Fakultäten für Mathematik und für Wirtschaftswissenschaften aufrechterhalten. Jetzt wurde der Austausch um eine neue mongolische Hochschule erweitert. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der mongolische Präsident Tsakhia Elbegdorj beschlossen 2011, das German Mongolian Institute for Resources and Technology (GMIT) zu gründen. Prof. Lkhamsuren Altangerel, der in Chemnitz in Mathematik promoviert und dessen ältester Sohn in Chemnitz geboren wurde, wechselte von der NUM zum GMIT und gehört zu den Gründungsprofessoren der neuen Elitehochschule. Die Universität liegt 30 Kilometer außerhalb der City von Ulaanbaatar und bietet ressourcenorientierte Studiengänge an, die ausschließlich in Englisch gelehrt werden. Der Schwerpunkt liegt bei technischen Fächern. Mathematik wird als angewandte Mathe gelehrt.

Zur Abrundung des Curriculums am Beginn des neuen Semesters haben wir ein Seminar zum Thema „Financing in the Resource Sector“ angeboten. Das Seminar stand im Zusammenhang mit der schwierigen Lage des Rohstoffsektors in der Welt. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem Trainer und Ausbilder verschiedener mongolischer Lehrinstitute sowie Mitarbeiter von Banken, die das Seminar zur Fortbildung nutzten.

Für Chemnitzer Studierende ist die Eliteschule GMIT mit seiner englischen Lehrsprache eine neue und gute Gelegenheit, in der Mongolei zu studieren. Für mongolische Jugendliche liegt die Attraktivität darin, nach westlichem Standard zu studieren, ohne ins Ausland reisen zu müssen.

Die Mongolei hat eine rasante Entwicklung genommen, was man der Hauptstadt ansieht. Glaspaläste ersetzen die bekannten Bauten aus der Sowjetzeit. In einem der schicksten Hochhäuser direkt im Zentrum arbeitet übrigens im 16. Stock eine frühere Chemnitzer Studentin der Studienrichtung Investment Banking und betreut ausländische Investoren in Hongkong, Shanghai und den USA. Sie hat bereits an der NUM Einführungskurse in Finance gegeben.

Zu dem Aufschwung der Mongolei beigetragen hat der internationale Rohstoffpreisboom. Das Land verfügt unter anderem über bedeutende Kupfer-, Gold- und Kohlevorkommen. Nun sind gerade diese Rohstoffe von einer langjährigen Preisbaisse betroffen. Der Kupferpreis befindet sich auf einem Sechs-Jahres-Tief. Der Preis für Kohle ist im Zuge des Ölpreisverfalls im letzten Jahr regelrecht abgestürzt.

Man kann sich vorstellen, welche Strukturveränderungen auf ein Land zukommen, das von den Projekten gezeichnet ist, die im Boom angefangen wurden. Das Land – viermal so groß wie Deutschland, aber nur rund drei Millionen Einwohner – wurde im Rohstoffpreisboom von ausländischen Kapitalgebern nur so überrannt. Das große Expansionsprojekt der Kupfermine Oyu Tolgoi allein sollte, so wurde vom Betreiber Rio Tinto verkündet, bis 2021 30 Prozent des Sozialproduktes der Mongolei liefern. 2014 kamen 47 Prozent des Staatshaushaltes aus Abgaben des Bergbaus, der 67 Prozent der Industrieproduktion ausmacht. Dies zeigt, welche Bedeutung Rohstoffe für das Land haben. Jeder, der im internationalen Bergbaugeschäft Rang und Namen hat, wollte dabei sein und neue Minen finanzieren, die sich jetzt bei den drastisch gesunkenen Rohstoffpreisen aber nicht mehr rechnen. Wer Anleihen zeichnete, wird demnächst keine Zinsen mehr erhalten. Und wer Eigenkapital gab, wird, wenn die Firma mit zu hohem Finanzierungshebel (Leverage) finanziert war, sein Geld verlieren. Die Mongolei erfährt, dass rohstoffreiche Länder aufgrund der heftigen Preisschwankungen der Rohstoffe enorme Einnahmeschwankungen aushalten müssen. Viele Mongolen blicken ängstlich in die Zukunft. Sie malen sich aus, wie die „Bottom Line“, das heißt das Ende der Entwicklung, aussehen könnte, wenn der Preisverfall weitergeht. Länder wie Deutschland, die eine breit diversifizierte Produktionspalette über alle Branchen aufweisen, können sich derartige Schwankungen der Wirtschaftsaktivität gar nicht vorstellen. Das gilt aber offenbar selbst auch für Fachleute, die es wissen müssten. Die Hanns-Seidl-Stiftung hatte mit Verweis auf die Asiatische Entwicklungsbank noch im August 2014 in einem Themenheft Mongolei weiteres Wachstum im Bergbau vorhergesagt. Stattdessen erleben wir nun den beispiellosen Crash der Rohstoffpreise und des Bergbausektors.

Wie man in solch einem Umfeld lebt und wirtschaftet, das können Studierende der TU Chemnitz lernen, wenn sie zum Studieren in die Mongolei kommen. Spannender kann ein Studienaufenthalt im Ausland kaum sein. Zu Semesterbeginn am 1. September 2015 gab es auf jeden Fall erst einmal auf dem größten Platz der Stadt vor dem Parlament eine riesige Semesterparty mit Dutzenden von Bands und Tausenden von Studierenden der vielen Hochschulen der Stadt.

Übrigens: Die Fakultät für Mathematik der National University of Mongolia hat eine interessant Veränderung hinter sich. Die Fakultät spaltete sich in zwei Departments. Ein Department beschäftigt sich mit reiner Mathematik. Das andere Department ist der angewandten Mathematik gewidmet. Man hat erkannt, dass beide Bereiche unabhängig voneinander stärker sein und mehr Leistung bringen können, als wenn sie zwanghaft zusammenarbeiten. Das könnte auch in Deutschland zum Nachdenken anregen.

(Autoren: Thomas Maurer, Friedrich Thießen)

Katharina Thehos
08.09.2015

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