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Tablets im Unterricht: Sinnvoll oder nicht?

Wissenschaftler und Studierende des Zentrums für Lehrerbildung der TU Chemnitz untersuchen den Einsatz von Tablets an Grundschulen

„Digitale Medien sind ein Pfeiler innovativen Schulunterrichts, bereits in der Grundschule lassen sich Tablets & Co. durchaus sinnvoll nutzen“, davon ist Jun.-Prof. Dr. Henriette Dausend von der Technischen Universität Chemnitz überzeugt. Seit April 2014 ist sie Inhaberin der Juniorprofessur Grundschuldidaktik Englisch am Zentrum für Lehrerbildung. „Wir müssen heute einen Teil der Lebenswelt der Schüler ins Klassenzimmer holen“, meint die Juniorprofessorin. Und genau das passiert gerade in einem Forschungsprojekt zum Thema „Mehrperspektivisches Lernen mit Tablets“ (meLT), an dem bislang auch vier Grundschulen der Region beteiligt sind.

Am Chemnitzer Schulmodell, an der Internationalen Grundschule in Glauchau, an der Leonardo-Grundschule Chemnitz und an der Grundschule Harthau werden derzeit zunächst die Chancen eines Einsatzes von Tablets im Englischunterricht und Sachunterricht erprobt. Angebote für die Fächer Kunst und Sport unter Leitung der Chemnitzer Juniorprofessorinnen Dr. Meike Breuer und Dr. Rebekka Schmidt folgen im Herbst dieses Jahres. „Im Englischunterricht gehen wir der Frage nach, auf welche Weise Tablets sprachproduktive und handlungsorientierte Kompetenzen erweitern“, sagt Dausend. Aus ihrer bisherigen Erfahrung weiß die junge Frau, dass es gerade in einem Fach wie Englisch hilfreich ist, wenn die neue und abstrakte Sprache mit Bildern und Handlungen verknüpft wird. „Ein vielfältiger Medieneinsatz bietet den Schülern einfach viel mehr Zugänge zur Sprache.“ Dennoch sagt sie: „Wir wollen aber auch feststellen, welche Methoden im Grundschulunterricht ins Leere laufen.“ Der Einsatz von Tablets im Sachunterricht wird insbesondere an der Grundschule Harthau untersucht. Hier ist der Chemnitzer Promotionsstudent Tony Beyer in den Klassenstufen 1 bis 4 im Einsatz.

Für diese Studie des Zentrums für Lehrerbildung wurden interessierte Lehrkräfte im Umgang mit Tablets speziell geschult. „Es haben sich nicht nur technikaffine Lehrer gemeldet“, sagt die Inhaberin der Juniorprofessur. Auch Pädagogen, die selbst keine Erfahrung mit Tablets haben, hätten sich für den Einsatz der Taschen-PCs im Unterricht interessiert. Im Rahmen der Schulung erstellten Lehrer und Forscher gemeinsam mit Hilfe der Tablets Videoclips, Hörspiele und digitale Bücher. Auch anwendungsbezogene Apps zum Lernen von Vokabeln und Bearbeiten von Bildern kamen zum Einsatz – alles Dinge, die auch im Unterricht verwendet werden sollen.

Um jedoch die Tablets erfolgversprechend ins Klassenzimmer zu integrieren, musste zuvor auch der Unterricht neu geplant werden. Aktuell werden mittels Videografie, Befragungen und Lernstandtests bereits gehaltene Englischstunden von den Forschern ausgewertet. „Uns ist schon anhand der ersten Filmaufnahmen aufgefallen, dass sehr viele Kinder der Klassenstufen zwei bis vier bereits über Medienerfahrungen verfügen und ganz selbstverständlich die Tablets in die Hand nehmen und anfangen, auf dem Bildschirm herumzudrücken und zu wischen“, berichtet die 32-jährige Juniorprofessorin. Unsere Studie ist jedoch völlig ergebnisoffen", sagt Dausend. "Wenn wir am Ende feststellen, wofür sich Tablets sinnvoll einsetzen lassen, ist das für alle Seiten wertvoll." Denn zum Einsatz von Tablets in der Grundschule gebe es bislang kaum Studien, so die Juniorprofessorin.

Für den Schulleiter des Chemnitzer Schulmodells, Jens Berger, sind die Tablet-Computer eine sinnvolle Ergänzung des Unterrichts und damit durchaus pädagogisch wertvoll. „Unsere Schule unterstützt dieses Projekt des Zentrums für Lehrerbildung der TU sehr gern, schließlich lernen hierbei Schüler und Lehrer gleichermaßen und die Forscher benötigen natürlich wichtige Informationen, die ihnen nur die Schulpraxis liefern kann“, sagt Berger.

Das Projekt „Mehrperspektivisches Lernen mit Tablets“ fokussiert jedoch nicht nur auf das Fach Englisch. „Gemeinsam mit meinen Kolleginnen Rebekka Schmidt und Meike Breuer vom Zentrum für Lehrerbildung entwickeln wir auch Szenarien für die Fächer Kunst und Sport, die wir danach an Grundschulen im Unterricht testen wollen“, berichtet Dausend.

Im kommenden Wintersemester sollen die Tablets auch in die Lehramtsausbildung an der TU Chemnitz integriert werden. „Gemeinsam erarbeiten unsere Studierenden dann Unterrichtsszenarien, um möglichst frühzeitig Möglichkeiten für den Tablet-Einsatz zu entwickeln und zu reflektieren“, sagt Dausend. Perspektivisch sei geplant, Studierende mit Lehrkräften zusammenzubringen, so dass in Lehrer-Studenten-Teams gemeinsam Unterricht erarbeitet, durchgeführt und ausgewertet werden könne. „Praxisnäher kann Lehramtsausbildung nicht sein“, versichert die Juniorprofessorin.

Ihre bisherigen Erfahrungen wird Dausend gemeinsam mit ihren Kolleginnen Rebekka Schmidt, Meike Breuer und Susanne Nickel auch am 19. und 20. Juni 2015 bei zwei Workshops im Rahmen der Konferenz „Digitale Schule“ weitergeben, zu der die TUCed – Institut für Weiterbildung GmbH an der TU Chemnitz einlädt.

Weitere Informationen: Jun.-Prof. Dr. Henriette Dausend, Telefon 0371 531-34973, E-Mail henriette.dausend@zlb.tu-chemnitz.de, Homepage Juniorprofessur Grundschuldidaktik Englisch: https://www.tu-chemnitz.de/zlb/professuren/gsd_englisch/grundschuldidaktik_englisch.php

Mario Steinebach
05.06.2015

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