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Uni aktuell Vorgestellt

Der Grundgedanke der Mechatronik auf die Werkstoffebene überführt

Neun Fragen an Prof. Dr. Welf-Guntram Drossel, der seit April 2014 Inhaber der Professur Adaptronik und Funktionsleichtbau in der Produktion ist

  • Prof. Dr. Welf-Guntram Drossel ist Inhaber der deutschlandweit einzigartigen Professur für Adaptronik und Funktionsleichtbau. Foto: Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU

Prof. Dr. Welf-Guntram Drossel (47) ist seit April 2014 Inhaber der Professur Adaptronik und Funktionsleichtbau in der Produktion an der Fakultät für Maschinenbau. In neun Antworten gibt er den Lesern von „Uni aktuell“ Einblicke in seinen Werdegang, seine Ziele und seine Zeit in Chemnitz.

Was versteht man eigentlich unter Adaptronik und Funktionsleichtbau in der Produktion?

Adaptronik überführt den Grundgedanken der Mechatronik – intelligente Systeme aus der Kombination von mechanischer Struktur, Sensoren und Aktoren und Informationsverarbeitung – bis auf die Werkstoffebene. Sogenannte Smart Materials – Werkstoffe die ihre Eigenschaften aufgrund äußerer Einwirkungen durch elektromagnetische Felder, Temperatur oder Licht ändern – werden in Konstruktionswerkstoffe integriert und wirken als Sensoren und Aktoren. Derartige Strukturen können komplexe Funktionen mit einem sehr einfachen strukturellen Aufbau realisieren. Potenzielle Anwendungsbeispiele sind Schwingungsdämpfung und Lärmminderung von Leichtbaustrukturen, werkstoffintegrierte Überwachungssysteme in sehr großen Bauteilen aus Verbundwerkstoffen, zum Beispiel Flügeln von Windrädern, Präzisionspositioniersysteme für die Mikrofertigung oder die Integration in Endoskopen oder Implantaten der Medizintechnik. Diese funktional komplexen Systeme erfordern neue, integrative Technologien für die Produktentwicklung und Produktion.

Die TU Chemnitz ist für mich als Professor die richtige Wahl, weil…

…sich hier eine Kultur der interdisziplinären Forschung und Lehre entwickelt hat. Diese ist genau wie die Nähe zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wie den Fraunhofer Instituten IWU und ENAS, unabdingbar für ein modernes Forschungsgebiet wie die Adaptronik.

Stellen Sie uns kurz Ihre akademische Laufbahn vor.

Von 1987 bis 1992 habe ich Informationstechnik an der TU Dresden studiert und war anschließend bis 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Metallformung der TU Bergakademie Freiberg. 1998 folgte die Promotion auf dem Gebiet der Simulation von Umformprozessen. Seit 1999 arbeite ich am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU, hier unter anderem seit 2001 am Aufbau des Arbeitsgebietes Adaptronik am Standort Dresden. Seit 2008 war ich Privatdozent für Werkzeugmaschinen-Mechatronik an der TU Chemnitz.

Beschreiben Sie Ihre Studienzeit in maximal 15 Worten.

Fachlich extrem spannend, durch die Wendezeit auch menschlich prägend.

Was geben Sie jungen Studierenden und Absolventen mit auf den Weg?

Zielstrebigkeit sollte einem nicht den Blick auf eigene Neigungen und Leidenschaften verstellen; nur was man gern macht, macht man wirklich gut.

Was möchten Sie künftig in der Lehre erreichen?

Besonders wichtig ist mir die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die interdisziplinäre Forschung. Diese erfordert die Fähigkeit zur formalen Abstraktion als Grundlage der Dialogfähigkeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen. Die Vermittlung der elementaren ingenieurtechnischen Tugenden ist dafür ebenso unabdingbar wie die Lehre moderner Simulationsmethoden.

Welche Impulse setzen Sie in der Forschung an der TU Chemnitz?

Derzeit bin ich Sprecher des Sonderforschungsbereiches/Transregio 39 PT-PIESA „Großserienfähige Produktionstechnologien für leichtmetall- und faserverbundbasierte Komponenten mit integrierten Piezosensoren und -aktoren“ und Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster MERGE. Bei beiden handelt es sich um große Forschungsverbünde auf dem Gebiet der Produktionstechnologien für multifunktionale Leichtbaustrukturen. Diese gilt es zu verstetigen und auszubauen – auch unter dem Kontext der großen Herausforderungen von Industrie 4.0 und ressourceneffizienter Produktion.

Es gibt rund 45.000 Professoren an deutschen Hochschulen. Was hebt Sie ab?

Es gibt nur eine Professur für Adaptronik und Funktionsleichtbau und die ist an der TU Chemnitz.

Welchen Ort in Chemnitz zeigen Sie Gästen am liebsten?

Die Kunstsammlungen und das Industriemuseum.

Weitere Informationen zur Professur: https://www.tu-chemnitz.de/mb/adaptronik/

Katharina Thehos
15.04.2015

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