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Uni aktuell Forschung

Reichweite im 450.000-Kilometer-Praxistest

Psychologen der TU Chemnitz haben erforscht, unter welchen Bedingungen Elektromobilität auch im Grenzbereich der Reichweite funktionieren kann

  • Mit GPS-Loggern zeichneten die Chemnitzer Arbeitspsychologen alle Strecken auf, die die Nutzer mit dem BMW ActiveE absolvierten. Diese führten häufig zu Zielen in Sachsen, teilweise aber auch über Berlin und Hannover hinaus. Quelle des Kartenmaterials: OpenStreetMap-Mitwirkende
  • Mitglieder der Arbeitsgruppe E-Mobility der Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie der TU Chemnitz ermittelten mit Hilfe von Interviews und Fragebögen die subjektive Einschätzung der Elektrofahrzeugnutzer hinsichtlich Akzeptanz und Alltagstauglichkeit, Reichweitenausnutzung und -stress. Foto: Katja Schleinitz
  • Ein BMW ActiveE, mit dem die Studie durchgeführt wurde, an einer Ladesäule der Stadtwerke Leipzig. Foto: Torsten Strom

75 Berufs­pendler in und um Leipzig nutzten zwischen Mai 2013 und Dezember 2014 jeweils für drei Monate ein Elektroauto BMW ActiveE im täglichen Einsatz. Dabei legten sie rund 450.000 Kilometer zurück. Die Professur Allgemeine und Arbeits­psychologie der Technischen Universität Chemnitz war für die wissen­schaftliche Nutzer­forschung verantwortlich. Gemeinsam mit ihren Projekt­partnern – der BMW Group und den Stadtwerken Leipzig – untersuchten die Psychologen, wie ein Elektro­fahrzeug mit einer heute üblichen Reichweite von rund 150 Kilometern auch im Grenzbereich der Reichweite komfortabel eingesetzt werden kann. Im Ergebnis empfanden mehr als 80 Prozent der Fahrer die verfügbare Reichweite als ausreichend für den Alltag.

Im Schnitt absolvierten die Nutzer rund 90 Kilometer pro Tag mit dem ActiveE. 38 Prozent fuhren im Mittel sogar mehr als 100 Kilometer, einzelne Nutzer bis zu 6.000 Kilometer in den ersten sechs Wochen. Als längste Fahr­strecke legte ein Fahrer 367 Kilometer an einem Tag zurück. Über den gesamten Zeitraum konnten 91 Prozent aller getätigten Fahrten mit dem Elektro­fahrzeug ausgeführt werden. Der Hauptgrund der Nicht-Nutzbar­keit war in der Hälfte der Fälle erwartungs­gemäß eine zu große geplante Gesamt­fahrstrecke.

„Für uns war die Frage besonders spannend, wie die Nutzer den tagtäglichen Umgang mit ihrem Elektro­fahrzeug und der verfügbaren Ladeinfrastruktur im Grenzbereich der Reichweite erleben“, erklärt Prof. Dr. Josef Krems, Inhaber der Professur Allgemeine und Arbeits­psychologie, und ergänzt: „Insgesamt zeigt sich, dass Elektro­mobilität auch für Nutzer funktioniert, die oftmals längere Strecken zurücklegen. Jedoch gibt es auch ein Potential für Assistenz­konzepte, welche die Interaktion mit der Reichweite noch weiter vereinfachen.“ Bestätigt hat sich die Annahme der Wissen­schaftler, dass mit zunehmender Nutzungs­dauer und Erfahrung die aufgrund der Reichweite erlebten Stresssituationen abnehmen – nach Gewöhnung an die Reichweite gab es im Durch­schnitt nur noch 1,35 solcher Situationen pro Monat. Dabei kamen die Nutzer durchaus in den Grenz­bereich der Reich­weite: Im Mittel lag der geringste angezeigte Ladestand pro Nutzer bei sechs Prozent. Die Hälfte der Probanden fuhr sogar mindestens einmal auf unter vier Prozent.

Die Ergebnisse geben Hinweise darauf, wie wichtig eine zuverlässige und nachvoll­ziehbare Reichweiten­anzeige ist, insbesondere für Strecken im Grenz­bereich der Reichweite. Probanden, die ein hohes Vertrauen in die Reichweiten­prognose entwickelten, zeigten auch deutlich weniger Reichweiten­stress. Gleichzeitig entwickelten die Nutzer auf Basis ihrer Erfahrungen Verbesserungs­vorschläge. Beispielsweise, dass sich der Bezugs­zeitraum der Reichweiten­prognose flexibler einstellen lassen sollte und dass dabei auch verschiedene Fahrertypen oder Fahrstile berück­sichtigt werden sollten. Weiterhin würden die Nutzer von einer Reichweiten­anzeige profitieren, die transparenter macht, welche Informationen wie stark in die Schätzung einfließen.

„Wir stehen als Projektteam gerade erst am Anfang der Auswertung der zahlreichen interessanten Daten. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse und darauf, welche Erkenntnisse sich daraus für eine nutzer­zentrierte Weiter­entwicklung nachhaltiger Elektromobilitäts­systeme ableiten lassen“, so Dr. Thomas Franke, Mitarbeiter der Professur Allgemeine und Arbeits­psychologie. Das Bundes­ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktor­sicherheit (BMUB) förderte das Forschungs­projekt im Rahmen des bayerisch-sächsischen Schaufensters ELEKTRO­MOBILITÄT VERBINDET. Die Professur Allgemeine und Arbeits­psychologie der TU Chemnitz forscht zu unter­schiedlichen Themen im Bereich der Verkehrs­psychologie, Elektromobilität und Usability. Wer als zukünftiger potenzieller Studienteilnehmer in der Probanden­datenbank der Professur gelistet werden möchte, kann sich registrieren unter mytuc.org/dksz.

Kontakt: Dr. Thomas Franke, Professur Allgemeine und Arbeitspsychologie, Telefon 0371 531-37589, E-Mail thomas.franke@psychologie.tu-chemnitz.de

Katharina Thehos
30.03.2015

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