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Ein Besuch im Heiligen Land

23 Europa-Studierende konnten an einer Exkursion nach Israel teilnehmen, die zwei ihrer Kommilitonen organisiert haben

Im Rahmen des Studiengangs der Europa-Studien organisierten die Studenten Marcel Deinege und Moritz Christopher Götz unter der Leitung von Martin Bauch von der Professur Romanische Kulturwissenschaft eine Exkursion, die sich mit den Besonderheiten Israels auseinandersetzt. Vom 11. bis 19. Juni 2014 bot sich für 23 Studierende die Möglichkeit, direkt vor Ort einen Einblick in die Situation des Landes zu bekommen. Neben den Metropolen Jerusalem und Tel Aviv besuchte die Gruppe unter anderem Sederot, eine Stadt direkt am Gazastreifen, die durch andauernde Bombardements auch in Europa traurige Berühmtheit erlangt hat. „Manchmal war es schon sehr hart, zwischen Hausarbeiten und Uni-Alltag ununterbrochen E-Mails zu checken und sich um die Planung der Exkursion zu kümmern. Dann kamen noch ein paar ungeplante Veränderungen dazu, die uns immer wieder erneut herausforderten. Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt Marcel Deinege.

Erklärungen für die aktuelle politische Lage suchten die Studierenden anfangs in der Vergangenheit. Das Streben nach einem jüdischen Staat und der aufkommende Antisemitismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts zogen die Juden in das heutige Israel. So entstanden auch die in Israel weit verbreiteten Siedlungsformen der Kibbuze, in denen die Chemnitzer Gruppe zwei Tage übernachtete. Ein weiterer Schritt durch die jüdische Geschichte führte die Exkursions-Teilnehmer nach Yad Vashem, eine der bedeutendsten Gedenkstätten der Shoa. Gerade als Deutsche blickten die Studierenden auf den Holocaust zurück, sei es durch Besichtigungen von ehemaligen Konzentrationslagern oder Museen. Yad Vashem unterscheidet sich dahingehend, dass nicht die Darstellung der Gräueltaten der Nationalsozialisten im Vordergrund steht, sondern dass man versucht, den Opfern ein Gesicht zu geben. Einzelschicksale werden eindringlich und detailliert beschrieben. Die Architektur des Museums kann man auch als eine Verbildlichung des verwinkelten Wegs des jüdischen Lebens zu Beginn des 20.Jahrhunderts bis hin zur Staatsgründung Israels verstehen.

In den deutschen Medien steht fast ausschließlich der Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis im Mittelpunkt, den auch die Exkursions-Teilnehmer bei ihrem Besuch in der Vertretung der palästinensischen Gebiete der Friedrich-Ebert-Stiftung diskutierten. Dass es aber selbst zwischen den unterschiedlichen jüdischen Gruppen Konflikte gab, war auch vielen Studenten vorab unbekannt. Eine etwas andere Stadtführung mit Mitgliedern der Organisation der „Black Panthers“ durch Jerusalem beleuchtete besonders die Geschichte des Stadtviertels Musara, der zu Beginn der 1970er-Jahre Brennpunkt der innerjüdischen Auseinandersetzungen zwischen orientalischen und europäischen Juden war.

Ein sehr eindringliches und bewegendes Erlebnis hatten die meisten Studierenden mit dem Aufenthalt in Sederot. Die Stadt liegt im Westteil der Negev-Wüste nördlich des Gazastreifens. Eine Führung an der Sha Har Negev Highschool zeigte eine sehr moderne israelische Schule, die jederzeit den Schülern auch als Schutz vor Raketenangriffen aus dem Gaza dienen kann. „Permanent die Gefahr eines Raketenangriffs im Hinterkopf zu haben, war ein ziemlich erdrückendes Gefühl“, sagt Marcel Deinege und erzählt: „Zusätzlich nutzten wir die Zeit, um uns den `Black Arrow´ anzuschauen, eine Gedenkstätte, die in 800 Meter Entfernung vom Gazastreifen liegt und uns einen raschen Blick auf die Grenze des Gazastreifens ermöglichte.“

Sederot bot den Teilnehmern einen großen Gegensatz zu Jerusalem und Tel Aviv. In den beiden Städten ist der Nahostkonflikt nicht so spürbar wie in der an Gaza liegenden Kleinstadt. Allerdings liegen auch zwischen den beiden größten Städten Israels Welten. So ist Jerusalem der Inbegriff der Heimatstätte der Weltreligionen, wohingegen Tel Aviv eine sehr europäisch geprägte Metropole am Mittelmeer darstellt. Letzteres kann auch als der Schmelztiegel der so vielfältigen Gesellschaft Israels verstanden werden. Vor allem Subkulturen und die homosexuellen Szene nehmen einen sichtbaren Teil der Gesellschaft ein und geben der Stadt einen ganz eignen Charme. Es wirkte, als würde die Religion im Leben vieler dort lebender Menschen nur eine unterordnete Rolle spielen und eher als eine übriggebliebene Tradition angesehen werden.

Die Botschaft in Tel Aviv war die letzte Station der Exkursion. Das Treffen mit einem Mitarbeiter gewährte den Studenten einen finalen Einblick die Beziehungen zwischen Israel, Deutschland und der EU. „Die Diskussionsrunde war thematisch der passende Abschluss. Uns wurden kurz und bündig die bilateralen Abkommen zwischen Israel und der EU erläutert, was gerade uns als Europa-Studierenden natürlich nicht fehlen darf“, so Marcel Deinege nach dem Besuch.

„Die Exkursion, die zu weiten Teilen von Marcel Deinege und Moritz Christopher Götz als Projekt geplant wurde, war ein großes und eindrucksvolles Erlebnis für alle teilnehmenden Studierenden und wird sicher zum weiteren Verständnis der Bedingungen in Israel beitragen“, freut sich Martin Bauch, der die Leitung der Studierendengruppe innehatte.

(Autoren: Moritz Christopher Götz, Marcel Deinege, Martin Bauch)

Katharina Thehos
02.07.2014

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