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Die gezähnten Zettel von Hatay bis Occussi Ambeno

Dr. Burkhard Müller, Dozent für Latein an der TU Chemnitz, beleuchtet die Geschichte 60 verschollener Länder mit Briefmarken - MDR Figaro berichtet darüber am 7. Januar 2014

Kennen Sie Hatay? Es ist eine türkische Provinz, die im Zusammenhang mit den jüngsten Spannungen zwischen Syrien und der Türkei immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerät. Dass diese Region vor 75 Jahren ein - wenn auch nur kurzlebiger - autonomer Staat war, wissen sicher die wenigsten. Vielen unbekannt dürfte auch Occussi Ambeno sein. Dieses Phantasie-Sultanat wurde 1973 von einem Schwindler namens Bruce Grenville aus Neuseeland geschaffen. Er erfand eine Geschichte und erzählte diese auch in Form von Briefmarken, die weltweit bei Sammlern begehrt waren. Hatay und Occussi Ambeno sind nur zwei von 60 untergegangenen Reichen, abtrünnigen Provinzen, Schwindelprojekten und Kompromissbildungen, die Dr. Burkhard Müller in seinem Buch "Verschollene Länder" vorstellt. Der Dozent für Latein am Zentrum für Fremdsprachen der Technischen Universität Chemnitz erzählt darin eine mit leichter Feder geschriebene Weltgeschichte in Briefmarken. Er geht dabei weit über das hinaus, was man im "Michel" und anderen Katalogen der Philatelisten findet.

In kurzweiligen zu "gezähnten Zetteln" passenden Kapiteln erfährt der Leser viel Interessantes und Humorvolles über insgesamt 60 Länder in der Gestalt von Zwergen- bis zu Riesenreichen: Etwa über Feuerland, das am leichtesten zu sammelnde verschollene Land überhaupt, denn von ihm gibt es nur eine einzige Briefmarke. Oder über die Marke "Futsches Reich", die von den Amerikanern kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Propagandafälschung in Umlauf gebracht wurde. Und natürlich fehlt auch nicht die großflächige Sowjetunion, deren Untergang kaum voraussehbar war. Alle von Burkhard Müller zusammengestellten Länder haben eines gemeinsam: Sie beglaubigen sich durch Briefmarken als Abzeichen ihrer Hohheit. "Ihre Armeen zerstoben, ihre Politiker versauerten im Exil, für eine eigene Architektur haben oftmals Zeit und Mittel nicht gelangt. Immer aber haben sie, und wenn sie nur drei Tage währten und drei ratlose Funktionäre zu ihrer Verfügung hatten, den Weg an einen Druckstock gefunden, der ihnen die kleinen gezähnten Zettel auswarf", so der Autor in seinem Vorwort. Die Marke mit der wohl schlechtesten Qualität stammt aus dem kleinen Reich Charkhari in Zentralindien, deren Aufmachung laut Müller eher "den Eindruck eines traurigen Tiefstandes der Handwerkskunst in der indischen Provinz" vermittelt.

Die "Verschollenen Länder" verdanken ihre Existenz zwei Serien von Zeitungskolumnen, die in der Süddeutschen Zeitung und in der Berliner Zeitung abgedruckt wurden. Ein Vorläufer des Buches erschien mit gleichnamigem Titel bereits 1998, 20 Länder schafften noch einmal überarbeitet den Weg in die neue Ausgabe. Auch das neue 200-seitige Nachschlagewerk dürfte nicht nur für Briefmarkensammler, Historiker und Geografen interessant sein. Aufmerksame Leser beider Ausgaben werden feststellen, dass einst selbstständige staatliche Gebilde, die vor langer Zeit aufhörten zu existieren, aus Müllers Liga der verschollenen Länder auch wieder ausscheiden können. So schaffte Montenegro nicht den Sprung von der ersten in die zweite Ausgabe von Müllers Buch, denn die Republik, die fast 90 Jahre zu Jugoslawien gehörte, ist seit 2006 unabhängig und somit als autonomer Staat bereisbar. Und sollte es eines Tages eine dritte Ausgabe der "Verschollenen Länder" geben, ist vielleicht auch Katalonien wieder souverän.

Übrigens: In der Reihe "Lebensart" von MDR Figaro spricht Redakteurin Kristin Unverzagt am 7. Januar 2014 mit Burkhard Müller über sein Buch. Die Sendung beginnt um 13.10 Uhr.

Bibliografische Angaben: Burkhard Müller: Verschollene Länder. Eine Weltgeschichte in Briefmarken, Springe 2013. Zu Klampen Verlag, 200 Seiten, ISBN 978-3-86674-221-5, Preis: 24 Euro.

Weitere Informationen erteilt Dr. Burkhard Müller, Telefon 0371 531-31163 oder 0371 8102343, E-Mail burkhard.mueller@sz.tu-chemnitz.de

Mario Steinebach
03.01.2014

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