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Den Blick über den Tellerrand wagen

Thomas Streubel studierte an der TU Chemnitz Computational Science und forscht nun als externer Doktorand bei Opel - kürzlich wurde er beim VDI-Wissensforum ausgezeichnet

  • TU-Absolvent Thomas Streubel (4.v.l.) stellte seine Forschung in einem Paper beim diesjährigen VDI-Kongress "Elektronik im Fahrzeug" vor und wurde mit dem 3. Platz beim Nachwuchspreis ausgezeichnet. Foto: VDI Wissensforum GmbH

Zu Beginn seines Studiums hätte Thomas Streubel sich nicht vorstellen können, dass er acht Jahre später als externer Doktorand bei Opel arbeiten würde. 2005 begann er mit dem Bachelor in Computational Science an der TU Chemnitz. Die fächerübergreifende naturwissenschaftliche Ausbildung reizte ihn ebenso wie die Stadt und die zahlreichen Aktivitäten am Campus. "Insgesamt ist mir das Studium in guter Erinnerung geblieben. Während des Bachelors hatte ich allerdings Probleme, den Sinn im sehr theorielastigen Studium zu sehen und so bewarb ich mich für meine Bachelorarbeit bei Volkswagen. Dort bekam ich Nähe zur Praxis, was mir einen großen Motivationsschub für den Master gab", erinnert sich Thomas Streubel und ergänzt: "Aus dieser guten Erfahrung heraus kann ich alle Studierende nur ermutigen, Praktika zu machen, um zu verstehen, wo man die oft müßig angeeigneten Grundlagen aus dem Studium in der Praxis anwenden kann. Man sollte keine Scheu haben, sich zu bewerben, denn was kann schon schiefgehen? Ich hatte großen Respekt vor einer Bewerbung bei einem internationalen Konzern wie der Volkswagen AG - doch ich bekam die Stelle und konnte bei diesem Blick über den Tellerrand viel für mich mitnehmen! Auch in Chemnitz bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Praxisluft zu schnuppern."

Die Automobilbranche hatte Thomas Streubels Interesse geweckt. Seine Masterarbeit schrieb er 2011 beim Traditionshersteller Opel. Thematisch beschäftigte sich seine Forschung mit einer generischen Umfeldmodellierung für die autonome Fahrzeugsteuerung. Hindernisse werden durch Sensoren erkannt und als Potentialfelder dargestellt. Diese ähneln Bergen, zwischen denen das autonome Fahrzeug seinen Weg finden muss. Hilfe dabei leistet der Gradient, die räumlichen Ableitung, der den Weg zum nächsten Potential anzeigt. "Vor allem auf Autobahnen wird die autonome Fahrzeugsteuerung in absehbarer Zukunft eingesetzt werden. Die Technik besitzt eine viel höhere Präzision und Reaktionsschnelligkeit als der Mensch, zum Beispiel beim Erkennen eines Hindernisses und dem darauf folgenden Bremsen. Da der Verkehr synchronisiert werden kann, können Staus und Unfälle vermieden und der CO2-Ausstoß gesenkt werden", erklärt Thomas Streubel. Seine Erkenntnisse stellte er in einem Paper beim diesjährigen VDI-Kongress "Elektronik im Fahrzeug" vor und wurde prompt mit dem 3. Platz beim Nachwuchspreis ausgezeichnet. "Das war eine riesige Überraschung! Immerhin war es meine erste Konferenz und mein erster Fachvortrag und mit mir waren rund 20 weitere Vortragende nominiert. Da war die Freude über den 3. Platz natürlich groß", erläutert Thomas Streubel.

Nach dem Abschluss seiner Masterarbeit bot Opel ihm eine Dissertation im Bereich der Fahrerassistenz an. "Das Thema reizte mich, dennoch war ich skeptisch, ob ich einer Dissertation gewachsen sein würde. Drei Jahre konzentriert an einem Thema zu forschen und den Fokus nicht zu verlieren erschien mir als eine große Herausforderung. Deshalb bin ich Prof. Dr. Karl Heinz Hoffmann von der Professur Computerphysik der TU Chemnitz sehr dankbar. Nicht nur, dass er meine Bachelor- und Masterarbeit betreute, er bestärkte mich auch in der Dissertationsabsicht und bot sich als Doktorvater an", erinnert sich Thomas Streubel. Deshalb nahm er die Möglichkeit wahr und zog nach Rüsselsheim. Hier beschäftigt er sich nun damit, einem Fahrzeug das Situationsverständnis an Kreuzungen beizubringen. Die Handlungsabläufe, die ein Mensch im Kopf automatisch bewältigt, sind äußerst komplex. So werden Verkehrsschilder und Ampeln erkannt, Verhalten und Bewegungen anderer Verkehrsteilnehmer werden vorausgeahnt und Handlungen werden abstrahiert und an die Situation angepasst. Zur zukünftigen Fahrerunterstützung muss auch das System im Auto diese Fähigkeiten erwerben - eine große Herausforderung für Forscher wie Thomas Streubel. Er freut sich besonders über die Möglichkeit, auch wenn er aufgrund seiner eher physikorientierten Ausbildung zwischen den Kollegen der Ingenieurwissenschaften häufig ein Exot ist. "Wir ergänzen uns fachlich sehr gut und ich werde wirklich gut betreut. Der Vorteil einer externen Promotion besteht für mich darin, dass ich am Schaffen eines Produkts mitwirke. Ich kann unter realen Bedingungen am Puls der Industrie arbeiten und kann meine Erkenntnisse direkt in einem Testfahrzeug erproben. Ich schaffe ein wenig die Balance zwischen dem rein wissenschaftlichen Arbeiten einer Universität und dem stark produktbezogenen Entwickeln eines Unternehmens und das gefällt mir sehr gut", erklärt Thomas Streubel. Bis 2015 promoviert er bei Opel. Alle sechs bis acht Wochen kommt er zur fachlichen Abstimmung nach Chemnitz, bei seinem Doktorvater Prof. Hoffmann und dessen Mitarbeitern findet er immer ein offenes Ohr. Von seiner Zukunft nach der Promotion weiß Thomas Streubel bisher nur eines: Er wird wahrscheinlich in die Automobilindustrie gehen und die Forschungstätigkeit fortsetzen, für die ihm die Praxis und sein Studium an der TU Chemnitz die Grundlagen vermittelt haben.

(Autorin: Florentina Liefeith)

Katharina Thehos
17.12.2013

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