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Promotion mit 83 Jahren

Trotz zahlreicher Rückschläge und Hindernisse plant Dr. Hans Joachim Glaubrecht als ältester Doktorand der TU Chemnitz die Vollendung seines Lebenswerkes

Wer sich für die Promotion entscheidet, wagt den Schritt meist direkt nach seinem Hochschulabschluss. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erhalten deutsche Promovierende ihren Doktortitel durchschnittlich im 33. Lebensjahr. Doch wie so meist bestätigen gerade die Ausnahmen die Regel. Schließlich ist der Chemnitzer Doktorand, Dr. Hans Joachim Glaubrecht, mit seinen 83 Jahren vieles, aber keinesfalls durchschnittlich. Wenig verwunderlich ist daher, dass auch hinter Glaubrechts Promotionsthema - dem Einsatz von Wasserstoffperoxid als Fahrzeugantrieb - eine ganz besondere Geschichte steht.

So ist die Promotion für Glaubrecht nur der wohlverdiente Abschluss einer Arbeit, die bereits vor über 35 Jahren ihren Ursprung hatte. Damals trug Glaubrecht als Betriebsleiter in einem Torgauer Konstruktionsbüro die Verantwortung für etwa 60 Mitarbeiter und entwickelte über 15 Jahre hinweg einen innovativen Fahrzeugantrieb mit Wasserstoffperoxid als Treibstoff. Das Prinzip des Motors basierte dabei auf der chemischen Zerlegung dieses Treibstoffes in die Bestandteile Wasserdampf und Sauerstoff, die wiederum eine Turbine antreiben sollten. Es war eine Idee, die keinesfalls nur auf dem Papier existierte. Schließlich stellte Glaubrecht während einer Versuchsfahrt auf dem Armeegelände in der Nähe von Torgau die Funktionsfähigkeit seines selbst entwickelten Motors unter Beweis: "Zwar gab es Startschwierigkeiten, weil an der Pumpe, die den Treibstoff durch den Motor schleust, eine undichte Stelle war, die erst noch repariert werden musste. Nach vier Minuten war der Fehler allerdings behoben und wir konnten mit der Versuchsfahrt beginnen", erinnert sich Glaubrecht, der den Testwagen damals selbst fuhr, und fügt hinzu: "Ich bin dann ein paar Mal hin und her gefahren. Im Wagen hatte ich ein Tonbandgerät versteckt und damit die Testfahrt aufgezeichnet. Wir hatten an diesem Tag eine maximale Drehzahl von 16.000 Umdrehungen pro Minute bei 60 Kilometern pro Stunde." Doch Glaubrechts Freude über den errungenen Erfolg hielt nicht lange an. Mit der Wende und dem Niedergang der DDR fand sein bereits weit vorangeschrittenes Projekt einen jähen Abbruch: "Damit das Wissen nicht dem damaligen Feind aus dem Westen in die Hände fiel, sollten meine Ergebnisse vernichtet werden. Innerhalb einer Nacht habe ich daher die komplette Turbine allein ausgebaut und zu mir nach Hause gebracht. Schon am nächsten Tag wäre es zu spät gewesen. Da wurde bereits alles an Dokumenten, Akten und Modellen in große Container geladen und zum Verschrotten gebracht. Nur 20 bis 25 Ordner Aufzeichnungen konnte ich letztlich retten." Obwohl er später zahlreiche Anfragen von Unternehmen erhielt, entschied sich Glaubrecht einige Jahre später seinen alten Wartburg inklusive des mit Wasserstoffperoxid betriebenen Motors dem Museum für sächsische Fahrzeuge in Chemnitz zu stiften, um damit auch der breiten Bevölkerung den Zugang zu seiner Idee zu ermöglichen.

Erst vor etwa drei Jahren wurde Glaubrecht schließlich klar, dass für ihn die Arbeit an seinem Motor längst nicht beendet war. "Während einer ärztlichen Routineuntersuchung wurde bei mir Nierenkrebs diagnostiziert. Ich wurde sofort operiert, erlitt im Anschluss an die Operation jedoch eine Lungenembolie. Die anschließende Erholungsphase hat insgesamt etwa drei Monate gedauert. Damals ist mir klar geworden, dass ich die Idee des mit Wasserstoffperoxid betriebenen Motors weiterentwickeln wollte. Mich hat es gewurmt, dass der Motor im Museum lag und nichts mehr daran passierte." Bei der Suche nach Unterstützung für seine ambitionierten Pläne lernte Glaubrecht schließlich seinen jetzigen Doktorvater und Inhaber der Professur Alternative Fahrzeugantriebe, Prof. Dr. Thomas von Unwerth, kennen. "Als Doktorvater ist es eigentlich eine meiner Aufgaben, den Promovierenden auf sein späteres berufliches Leben vorzubereiten. Bei Hans Joachim Glaubrecht ist es allerdings so, dass ich selbst auch noch das eine oder andere dazulernen kann", freut sich von Unwerth über die symbiotische Beziehung mit seinem Doktoranden. Vor allem aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen im Vergleich zu seiner ersten Promotion, ist Glaubrecht über Unterstützung der Professur dankbar: "Bei meiner ersten Doktorarbeit war noch alles Handarbeit und nicht so super modern wie heute. Wir haben damals noch mit Rechenschiebern und Logarithmentafeln gearbeitet."

Damit es seiner Doktorarbeit jedoch nicht an Modernität mangelt, vertraut Glaubrecht unter anderem auf die Hilfe von Michael Hannusch. Der Diplom-Ingenieur verfasste seine Abschlussarbeit zum Thema Wasserstoffperoxid-Motor: "Mit der Hilfe mathematischer Modelle habe ich simuliert, welche Auswirkung die Veränderung einzelner Parameter wie beispielweise Treibstoffkonzentration, Druck oder Temperatur auf die gesamte Funktionsweise des Motors haben können." Die Ergebnisse seiner Forschung fließen nun auch in Glaubrechts Doktorarbeit ein und verschaffen dieser die notwendige Aktualität. Wenn weiterhin alles nach Plan verläuft, schließt Glaubrecht seine zweite Promotion möglicherweise bereits am Jahresende ab. Es wäre ein Erfolg, der nicht nur Glaubrecht freuen dürfte. "Hans Joachim Glaubrecht hat sich diesen Doktortitel nach den vielen Jahren und zahlreichen Hindernissen wirklich verdient. Dieser Titel steht ihm einfach zu", sagt von Unwerth.

(Autorin: Ina Huke)

Katharina Thehos
23.07.2013

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