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"Die Situation ist schlimmer als bisher angenommen"

Ellen R. Tise von der Universität Stellenbosch stellte am 12. Juni 2013 in Chemnitz die Aktivitäten der UNESCO zur Bewahrung des malischen Kulturerbes vor

  • Ellen R. Tise, seit 2006 Direktorin der Universitätsbibliothek von Stellenbosch in Südafrika, gehört der UNESCO-Arbeitsgruppe für die Restaurierung und Rekonstruktion des kulturellen Erbes in Mali an. Tise wurde 2011 für einen Zeitraum von vier Jahren zum Mitglied der internationalen UNESCO-Beraterkommission zur Weltgeschichte ernannt und war von 2009 bis 2011 Präsidentin des Weltverbandes der Bibliotheken (IFLA). Foto: Mario Steinebach
  • TU-Rektor Prof. Dr. Arnold van Zyl (vorne rechts) konnte unter den Gästen des Vortrags den Generalkonsul der Vereinigten Staaten, Mark J. Powell, begrüßen, dem er für seine Verbundenheit mit und sein Interesse an der Chemnitzer Universität dankte. Foto: Mario Steinebach
  • Zu der öffentlichen Veranstaltung hatte die TU gemeinsam mit der Stadt Chemnitz und der Stadtbibliothek eingeladen. Foto: Mario Steinebach

Unter dem Titel "The future of Mali`s past: efforts to preserve the Malian treasure trove" sprach am 12. Juni 2013 Ellen R. Tise über die Aktivitäten zum Erhalt und zur Wiederherstellung der malischen Kulturschätze. Tise, seit 2006 Direktorin der Universitätsbibliothek von Stellenbosch in Südafrika, gehört der UNESCO-Arbeitsgruppe für die Restaurierung und Rekonstruktion des kulturellen Erbes in Mali an. Zu dem öffentlichen Vortrag hatten die Technische Universität Chemnitz, die Stadt Chemnitz und die Stadtbibliothek Chemnitz gemeinsam eingeladen. Tise war schon in der Vergangenheit mehrfach in der Stadt zu Gast, da sie ihre Expertise einbringt in die Rektoratskommission "Neue Universitätsbibliothek" der TU Chemnitz, wie TU-Rektor Prof. Dr. Arnold van Zyl in seinen Begrüßungsworten hervorhob. Van Zyl freute sich besonders, unter den Gästen der Veranstaltung Bürger der Stadt Chemnitz und Angehörige der Universität, aber auch den Generalkonsul der Vereinigten Staaten, Mark J. Powell, begrüßen zu können.

Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen in Mali wurden seit 2012 zahlreiche Kulturdenkmäler zerstört. Stark betroffen ist die Chemnitzer Partnerstadt Timbuktu, in der Anfang 2013 unter anderem das Ahmed-Baba-Zentrum Plünderungen und einem Brandanschlag zum Opfer fiel. In der bedeutendsten Sammlung westafrikanischer Schriften befanden sich mehr als 20.000 Manuskripte, darunter Handschriften aus dem 13. Jahrhundert. Tise betonte in ihrem Vortrag den unschätzbaren Wert der Kulturgüter in dem nordafrikanischen Land, das einmal das Zentrum der islamischen Kultur gewesen sei. Viele Bauwerke und auch die Altstadt von Timbuktu gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Referentin erklärte, dass die Zerstörung von bedeutenden Gebäuden und Schriften ein Anschlag auf die Identität der Bevölkerung sei. "Die Rebellen haben eine eigene Interpretation des Islams und zerstören alles, was nicht in ihr Weltbild passt", so Tise. Ein großes Problem sei darüber hinaus der bestehende Schwarzmarkt, auf dem es ein großes Interesse an Gegenständen der afrikanischen Geschichte gebe.

Tise stellte zudem die Aktivitäten der UNESCO vor, die im Februar 2013 eine Expertenrunde eingesetzt habe - mehr als 200 Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft seien Mitte Februar in Paris zusammengekommen, um einen Aktionsplan aufzusetzen. Nachdem im Mai eine Resolution der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, konnten sechs Mitglieder der Expertenrunde nach Mali reisen und sich vor Ort ein Bild der Lage machen. Obwohl sie nach deren Rückkehr noch keine umfassenden Berichte von dieser Reise erhalten hatte, musste Tise ihren Vortrag mit einem pessimistischen Ausblick beenden: "Die Situation ist schlimmer als bisher angenommen."

Dass Afrika und Europa auf eine gemeinsame Wissensgeschichte zurückgreifen, die sich in den zerstörten bzw. gefährdeten Schriften dokumentiert, betonte Prof. Dr. Christoph Fasbender, Prorektor für Lehre, Studium und Weiterbildung, der die anschließende Diskussionsrunde moderierte. Nicht nur in der Astronomie und der Mathematik habe Europa im Mittelalter das Wissen aus dem afrikanischen Raum aufgenommen. Rektor van Zyl brachte die Frage ein, welche Rolle Chemnitz als Partnerstadt Timbuktus bei den Aktivitäten der UNESCO übernehmen könne. Tise sagte zu, das Hilfsangebot in der nächsten Sitzung des Expertengremiums zur Sprache zu bringen - Deutschland sei zudem schon involviert, wenn es um die Digitalisierung der wertvollen Schriften gehe.

Katharina Thehos
12.06.2013

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