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Mit Mathe auf der Matte

Multitalent Holger Hähnel aus Meinersdorf schreibt seine Doktorarbeit und ringt erfolgreich für den RV Thalheim, singt Rockklassiker und spielt Gitarre

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Pendelt ständig zwischen Uni-Büro und Turnhalle: Holger Hähnel. Fotos: Ronny Oehme, privat

Holger Hähnel bedient in seinem Leben mehrere Parameter, die als sicheres Ereignis einen hohen Erwartungswert produzieren: Der 26-jährige Mathematiker schreibt derzeit seine Doktorarbeit an der TU Chemnitz und hat als Ringer für den RV Thalheim in der letzten Saison 13 seiner 14 Kämpfe gewonnen. Zudem lernt er singen und spielt Gitarre.

Für den wissenschaftlichen Mitarbeiter der Professur Stochastik an der Fakultät für Mathematik spielt der Zufall eine zentrale Rolle. Denn Holger Hähnel befasst sich in seiner Forschung mit partiellen Differentialgleichungen mit stochastischen Parametern. Dabei werden mit mathematischen Modellen physikalische Vorgänge simuliert, um zu untersuchen, was passiert, wenn der Zufall ins Spiel kommt. Im Mittelpunkt des Interesses von Holger Hähnel steht die Wärmeleitgleichung bei Materialien mit zufälligem Leitkoeffizienten. „Der praktische Nutzen dabei ist die Motivation für mich“, betont der Meinersdorfer die Vorteile der Anwendbarkeit und Überprüfbarkeit dieses Forschungsbereiches. Darüber hinaus ist er mit Stochastik-Übungen im regulären Lehrbetrieb der Professur tätig.

Der Doktorand gibt zu, dass man „als Mathematiker eine hohe Frustrationstoleranz haben muss“, denn nicht jeder vermeintliche Lösungsansatz führt zum Erfolg. Diese spezielle Form der Toleranz sollte man auch als Sportler haben. Und das, obwohl der Sieg für den Ringer Holger Hähnel in der vergangenen Saison ein fast sicheres Ereignis war. In der Oberliga-Reserve des RV Thalheim hat er keinen einzigen Kampf verloren, in der ersten Mannschaft nur einen. Nach 15 Jahren zweiter Bundesliga ist die Mannschaft nun aufgestiegen, und Holger Hähnel freut sich auf die „Herausforderung erste Bundesliga.“ Denn auf der Matte ist der Zufall eben nur eine Zufallsvariable. Vielmehr dominieren Kraft, Ausdauer und die richtige Technik. Diesen Dreiklang beherrscht Holger Hähnel besonders gut, denn schon als Kind hat er mit dem Ringen im griechisch-römischen Stil (heißt: oberhalb der Gürtellinie ist alles erlaubt) begonnen. „Mein Vater hat ja auch schon gerungen“, sagt er. Deswegen engagiert er sich im Verein auch über Training und Wettkampf hinaus. Um das Ringen populärer zu machen und den Nachwuchs zu begeistern, macht der junge Mann Werbung für den Sport. So gibt er bei der Grundschule in Thalheim Sportstunden, um die Lust am Ringen auf spielerische Weise zu wecken. Neben der Betreuung der Website des Vereins half er im Jahr 2004 auch bei der Erstellung der Vereinschronik. „Diese Arbeit nahm streckenweise noch mehr Zeit in Anspruch als meine Diplomarbeit“, meint das Koordinationstalent.

Trotzdem hat der ringende Mathematiker noch ausreichend Zeit zum Ausgehen, Feiern und für sein zweites Hobby, die Musik. Der Meinersdorfer, dessen Geschmack dabei genauso breit gefächert ist wie seine Interessen, hat mit 17 zum ersten Mal zur Gitarre gegriffen. Die ersten Griffe hat er sich noch selbst beigebracht, bevor er Schüler der Kreismusikschule wurde. Und nun ist die Stimme dran. Seit 2004 nimmt Holger Hähnel beim Gipsy-Sänger Dietmar „Otto“ Schulte Gesangsunterricht. Die Promotionsfeier seines Kollegen Hendrik Weiß bot unlängst einmal mehr Gelegenheit dazu, den Erwartungswert an sein Gesangstalent mit der „Ode an Epsilon“ zu testen, „da in den Theorien und unseren Arbeiten sehr oft der griechische Buchstabe vorkommt“, meint er mit einem Lächeln auf den Lippen in seinem kleinen Büro im siebenten Stock der Fakultät für Mathematik an der Reichenhainer Straße.

Kontakt: Holger Hähnel, Tel. (03 71) 5 31 - 39 54, E-Mail holger.haehnel@mathematik.tu-chemnitz.de, http://www-user.tu-chemnitz.de/~haeh/

Die Professur im Internet: http://www-user.tu-chemnitz.de/~hewei/Stochastik/

Der RV Thalheim im Internet: http://www.ringen-thalheim.de

(Autor: Ronny Oehme)

Mario Steinebach
21.03.2006

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