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Internationale Stefan-Heym-Konferenz 2013

Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft veranstaltet am 11. und 12. April 2013 eine internationale Tagung über Geschichtsschreibung und -entwürfe im Werk von Stefan Heym

  • Der gebürtige Chemnitzer Stefan Heym erlebte vier verschiedene deutsche Staaten. Heute zählt er zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-031 / Weisflog, Rainer / CC-BY-SA

Anlässlich des 100. Geburtstages des Chemnitzer Schriftstellers Stefan Heym lädt die Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft der TU Chemnitz gemeinsam mit der Stefan-Heym-Gesellschaft zur Internationalen Stefan-Heym-Konferenz ein. Sie findet statt am 11. und 12. April 2013 im Kulturkaufhaus DAStietz, Moritzstraße 20. Unter dem Titel "Der Jahrhundertzeuge - Geschichtsschreibung und Geschichtsentwürfe im Werk von Stefan Heym" widmen sich Literaturwissenschaftler und Vertreter der Heym-Forschung aus dem In- und Ausland dem literarischen und essayistischen Werk des Chemnitzer Ehrenbürgers. Die Referenten kommen unter anderem aus Marburg, Berlin, Wien, Sewanee/USA und Cambridge/UK. "Heyms Werke beziehen sich nahezu ausnahmslos auf historische beziehungsweise zeitpolitische Begebenheiten. Zugleich überschreiten sie diese, indem sie im Medium der Fiktion Möglichkeiten anderer, besserer Gesellschaftsformationen, letztlich einer anderen, besseren Gestaltung des menschlichen Daseins aufzeigen", sagt Prof. Dr. Bernadette Malinowski, Inhaberin der Professur, und fährt fort: "Er ist zeitbezogen und zugleich zeitlos, realistisch und zugleich utopisch, nur eines ist er nicht: dogmatisch!"

Die Konferenz fragt vor allem nach Methoden, Modellen und Perspektiven von Stefan Heyms narrativ-fiktionalen und publizistisch-essayistischen Geschichtsdarstellungen. Angesiedelt zwischen Faktizität und Fiktion schließt sein umfängliches Prosawerk an die große literaturgeschichtliche Tradition des historischen Romans und des Zeitromans an. Beiden Genres ist gemeinsam, dass sie die Kritik an der unmittelbaren Gegenwart einschließen, diese aber zugleich auf eine transhistorische Zeit (Natur, Mythos, Heilsgeschichte, Utopie) hin transzendieren. "Heym kritisiert allerdings nicht auf eine plakative Art und Weise, sozusagen mit dem erhobenen Zeigefinger. Vielmehr legt er seine Romane vielstimmig und dialogisch an, und es obliegt letztlich dem mündigen Leser, daraus die - nicht zuletzt ethischen - Konsequenzen für sein eigenes Denken und Handeln zu ziehen", so Prof. Malinowski. Eröffnet wird die Konferenz von Barbara Ludwig, Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, und Prof. Dr. Arnold van Zyl, Rektor der TU Chemnitz. Prof. Dr. Peter Hutchinson, Präsident der Internationalen Stefan Heym-Gesellschaft, sowie der Theologe und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, Schirmherr der Konferenz, führen in die Tagung ein.

Die Vorträge berücksichtigen prominente Werke aus den unterschiedlichen Schaffensphasen Heyms: vom Erstlingsroman "Hostages" (1942) über seine wohl berühmtesten Romane "Der König David Bericht" (1972) und "Ahasver" (1981) bis hin zu seinen "Märchen für kluge Kinder" und seinem letzten Erzählband "Auf Sand gebaut" (1990). "Auf diese Weise soll Heyms schriftstellerisches und publizistisches Werk möglichst umfassend profiliert werden, so Malinowski, "wobei neben dem thematischen Schwerpunkt `Geschichtsdarstellung und Geschichtsentwürfe´ vor allem nach Verfahren und Strategien des Erzählens von Geschichte sowie nach metahistorischen Implikationen zu fragen sein wird, also danach, ob und wie seine Romane Praktiken der Geschichtsschreibung selbst reflektieren."

Die Konferenz gehört zu den Höhepunkten des umfangreichen Veranstaltungsprogramms, das die Stadt Chemnitz und die Stefan-Heym-Gesellschaft unter Mitwirkung der TU Chemnitz für das Jubiläumsjahr 2013 zusammengestellt haben. Es umfasst Lesungen, literarische Stadtrundgänge, Literaturwettbewerbe, Filmvorführungen und vieles andere mehr für Groß und Klein. Bereits am 28. Februar 2013 fand eine von der Stadtbibliothek organisierte Lesereihe statt. Unter dem Motto "Chemnitz liest Heym" erinnerten sich Schüler, Studenten, namhafte Persönlichkeiten und zentrale Einrichtungen des wohl bedeutendsten Chemnitzer Schriftstellers. Germanistik-Studenten der TU beteiligten sich an diesem Projekt mit einer kommentierten Lesung zum Thema "Utopie Schwarzenberg?". Die eigens für die Lesung konzipierte Fotoausstellung ist noch bis einschließlich 8. März 2013 im Hörsaalgebäude der TU zu sehen. Ab Anfang April wandert sie nach Schwarzenberg, wo die Lesung an Heyms Geburtstag am 10. April wiederholt wird. Auch wird die Ausstellung derzeit digitalisiert und kann demnächst auf der Homepage der Professur besucht werden. "Wir waren überrascht und sehr erfreut darüber, wie viel Resonanz unsere Lesung vor allem bei den Chemnitzer Bürgern gefunden hat. Wohlverdient, wie ich meine: Die Studierenden haben unglaublich viel Arbeit und Engagement in dieses Projekt investiert. Ich war richtig stolz auf sie", sagt Malinowski.

Stefan Heym wurde 1913 in Chemnitz geboren. Als zeitkritischer Publizist und Schriftsteller schöpfte er aus seinem Erfahrungsschatz in vier verschiedenen deutschen Staaten und zählt heute zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Die 2009 in Chemnitz gegründete Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft gedenkt des 2001 verstorbenen Schriftstellers und pflegt sein literarisches Schaffen auf internationaler Ebene.

Weitere Informationen unter http://www.tu-chemnitz.de/phil/ifgk/germanistik/ndvl

(Autorin: Victoria Graul)

Katharina Thehos
07.03.2013

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