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Gefühlswissen im Fokus der Literaturwissenschaft

Internationale Tagung widmet sich vom 27. bis 29. September 2012 an der TU der Poetik im Werk der in Chemnitz geborenen Autorin Angela Krauß

Angela Krauß gehört zu den wichtigsten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Obwohl von der Literaturkritik seit vielen Jahren hoch gelobt und auch im Ausland zunehmend gewürdigt, wurde das Oeuvre der 1950 in Chemnitz geborenen und in Leipzig lebenden Autorin in der literaturwissenschaftlichen Forschung bisher nicht angemessen wahrgenommen. Auf dieses Manko reagiert die Professur für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz mit der ersten universitären, von der Fritz Thyssen Stiftung geförderten Tagung zum literarischen und essayistischen Werk von Angela Krauß. Unter dem in jüngster Zeit intensiv diskutierten Begriff "Gefühlswissen" werden vom 27. bis 29. September 2012 in Chemnitz Experten aus dem In- und Ausland die unterschiedlichen Facetten der Poetik von Angela Krauß diskutieren.

Zu den bekanntesten Prosawerken von Angela Krauß zählen "Der Dienst" (erschienen 1990), wofür sie 1988 den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, "Die Überfliegerin" (1995), "Sommer auf dem Eis" (1998), "Weggeküßt" (2002), "Wie weiter" (2006) sowie "Im schönsten Fall" (2011). Die Autorin bekam zahlreiche weitere Auszeichnungen, zuletzt den Hermann-Lenz-Preis (2007), den Rainer-Malkowski-Preis (2010) sowie den Franz-Nabl-Preis (2011).

2004 hielt Krauß die Poetikvorlesungen an der Universität Frankfurt am Main, in denen sie sich mit einer zentralen Frage ihres Schreibens auseinandersetzt: Wie können Emotion und Erkenntnis, die in der Regel in Opposition zueinander stehen, literarisch produktiv gemacht werden? Wie kann Sprache in einem durch Globalisierung und Verwissenschaftlichung zunehmend unübersichtlichen "Weltgebäude" ihre erkenntnisleitende Funktion behaupten? Wie also kann poetische Sprache zwischen Alltagsgebrauch und Fachterminologie sinnstiftend wirken? Die Antwort darauf ist: Über das Gefühl. "Der Weltzugang und gleichzeitig die literarische Aneignung von Welt scheinen bei Angela Krauß genau hier ihren Ursprung zu haben: im denkenden Fühlen, im fühlenden Denken", sagt Prof. Dr. Bernadette Malinowski, Inhaberin der Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz.

"Das epische und lyrische Werk von Angela Krauß, das deutlich vernehmbar in der Tradition der literarischen Moderne steht, verweigert sich Konzepten mimetischer Wirklichkeitsabbildung, um der vielfältigen Geschichtetheit der subjektiven Erfahrungs- und Gefühlswelt nachzuspüren", meint die Literaturwissenschaftlerin. Im Zentrum des literarischen Kosmos von Angela Krauß stehe von Beginn an die Liebe als Urphänomen des Unerklärlichen. "Überzeugt davon, dass die Gefühle, obwohl unsichtbar, in allem, was Menschen bewegt, präsent sind, schreibt Krauß, angetrieben von dem Bestreben, eine ästhetisch überzeugende Formensprache für Gefühle zu erschaffen, in immer neuen Anläufen gegen die prinzipielle Unsagbarkeit besonders des Liebesverlangens an", erläutert Malinowski. Die jüngste Prosa von Angela Krauß wende geschichtliche Umbrucherfahrungen der Nachwendezeit ins Existenzielle, kombiniere die "Warum-Fragen" mit einer spielerischen Leichtigkeit im Tonfall. "Ihre Sprache wird kürzer, knapper, gelegentlich aphorismenhaft, ihre Bücher verlieren durch Fragmentierung an struktureller Geschlossenheit, ohne ihre thematische Kohärenz einzubüßen. Diese Texte verweigern ein lineares Handlungsgefüge und nähern sich einer lyrischen Prosa, deren eigentliche Handlung die immer wieder neu ansetzende, suchende Schreibbewegung ist", so die Analyse der Literaturwissenschaftlerin.

Die internationale Tagung "Gefühlswissen. Zur Poetik im Werk von Angela Krauß" beabsichtigt, fiktionale Narrative mit Blick auf das Erzählen und die Reflexion von Gefühlen historisch wie systematisch zu untersuchen. Zielsetzung der Veranstaltung ist es, das dichterische Selbstverständnis von Angela Krauß und seine literarischen Manifestationen auf literaturgeschichtliche Voraussetzungen hin zu befragen und im Spannungsfeld von Kontinuität und Abweichung, Traditionalität und Innovation auszuloten.

Tagungsprogramm: http://www.tu-chemnitz.de/phil/ifgk/germanistik/ndvl/KraussTagung_Flyer3er_7_k.pdf

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Bernadette Malinowski, Telefon 0371 531-39511, E-Mail bernadette.malinowski@phil.tu-chemnitz.de.

(Quelle: Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz)

Mario Steinebach
24.08.2012

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