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Tradition seit 76 Jahren: die Amtsketten der Rektoren

Die erste Chemnitzer Amtskette wurde 1936 an der Staatlichen Akademie für Technik gestiftet - seit 1986 ist die dritte Amtskette in Gebrauch

  • Juliane Kletschka, die im Universitätsarchiv ihre Ausbildung absolviert, zeigt die drei Chemnitzer Amtsketten. Foto: Wolfgang Thieme
  • Die erste Amtskette wurde 1936 gestiftet. Auf den kleinen runden Plättchen sind die Symbole der fünf damaligen Hauptfächer gezeigt: Chemie, Bauwesen, Elektrotechnik, Maschinenbau und Textilindustrie. Foto: Wolfgang Thieme
  • 1957 wurde die zweite Amtskette überreicht. Auf dem untersten Medaillon ist ein Bildnis Georgius Agricolas zu sehen. Foto: Wolfgang Thieme
  • Seit 1986 ist die dritte Amtskette in Gebrauch. Sie ist 132 Zentimeter lang und wiegt etwa 600 Gramm. Foto: Wolfgang Thieme

Am 7. Mai 2012 wird Prof. Dr. Arnold van Zyl feierlich in das Amt als Rektor der Technischen Universität Chemnitz eingeführt. Bei der Investitur erhält er unter anderem die Amtskette, die er künftig bei feierlichen Anlässen tragen wird.

Amtsketten: das äußere Zeichen der Würde

Die erste Chemnitzer Amtskette wurde 1936 anlässlich der Hundertjahrfeier der Staatlichen Akademie für Technik vom Verband "Alter Herren" gestiftet, einer Vereinigung ehemaliger Studierender. Heinrich Schimpke, einziger Direktor zur Zeit des Nationalsozialismus, trug sie bis 1945. Der Juwelier Georg Bormann aus Chemnitz fertigte die Kette an, die aus massiven Silberplättchen besteht. Zwölf an den Seiten und ein am Verschlussstück gefasste Halbedelsteine schmücken die vergoldete Kette. Die Symbole der fünf Hauptfächer - Chemie, Bauwesen, Elektrotechnik, Maschinenbau und Textilindustrie - sind in zwei Reihen am unteren Ende auf runden Plättchen in roter, goldener und cremefarbener Emaille abgebildet. Besonders das unterste Medaillon sticht hervor: Es zeigt den Reichsadler, zu seinen Füßen war das Hakenkreuz zu sehen, das nach Ende des Zweiten Weltkrieges jedoch herausgekratzt wurde. Schimpkes Nachfolger, die Direktoren Wilhelm Körner, Herbert Seidel und Helmut Bremser, trugen die Kette nicht.

Erst mit der Verleihung des Promotionsrechts an die Fakultäten für Maschinenbau und Technologie wurde 1957 eine neue Kette von der Stadt Chemnitz gestiftet. "Diese Kette soll das Bündnis aller Schaffenden bekräftigen, nach harten Entbehrungen und bitteren Erfahrungen aus der Vergangenheit eine bessere Zukunft aufzubauen", sagte der damalige Oberbürgermeister Kurt Berthel bei der Verleihung am 13. September. Er lobte in seiner Rede weiterhin die "künstlerische Gestaltungskraft" und "handwerkliche Meisterarbeit". Rektor August Schläfer kommentierte die Verleihung mit den Worten: "Als der erste Rektor unserer Alma Mater werde ich diese Amtskette als das äußere Zeichen der Würde jederzeit zur Ehre unserer Hochschule, zur Ehre der technischen Wissenschaften tragen." Die von einem Freiberger Juwelier aus vergoldetem Silber gefertigte Kette besitzt ein großes Medaillon mit dem Bildnis Georgius Agricolas, jenes Stadtarztes, Ratsherren und viermaligen regierenden Bürgermeisters, der von 1531 bis 1555 in Chemnitz wirkte. Auch das Stadtwappen mit dem Löwen, acht städtische Gebäude sowie Zirkel und Zeichendreiecke als Symbole für den Maschinenbau zieren die Insignien. Ein 70 mal 40 Zentimeter großes Etui schützte die Kette vor Staub und Transportschäden.

Im Zuge der Ernennung zur Technischen Hochschule wurde im Oktober 1964 die Amtskette durch eine Zwischenkette ergänzt und anlässlich des 15. Jahrestages der Gründung der DDR vom Bezirksrat von Karl-Marx-Stadt verliehen. Der damalige Rektor Hans Jäckel trug von nun an der Kette ein zusätzliches Medaillon mit der Aufschrift "Technische Hochschule Karl-Marx-Stadt" sowie einem Bild von Karl Marx.

1986, bei der Ernennung zur Technischen Universität, überreichte Oberbürgermeister Kurt Müller eine neue Kette, die bis heute im Dienst ist. In sieben Monaten wurde die neue 132 Zentimeter lange und etwa 600 Gramm schwere Kette hergestellt - sie besteht aus 561 Gramm Silber und 17 Gramm Feingold und hatte einen Wert von 100.000 Mark der DDR. Verschiedene Erfurter Künstler wurden mit der Aufgabe betraut. Die Schmuckgestalterin Barbara Ruge, der Gebrauchsgrafiker Jürgen Ellenberg, der Metallgestalter Joachim Kaiser, der Emailleur Rudolf Fleischer und Buchbinder Günter Lüttich feilten am Halsschmuck für die zukünftigen Universitätsrektoren. Das Etui wurde aus edelstem Leder angefertigt. Manfred Krauß, Rektor von 1982 bis 1989, hatte somit das seltene Glück, zwei verschiedene Ketten während seiner Amtszeit tragen zu dürfen. In einem Brief an Barbara Ruge am 8. Dezember 1986 schrieb der Leiter der Kustodie, Klaus Friedrich: "Die neue Amtskette hat bei den Rektoren der Universitäten und Hochschulen eine große Bewunderung hervorgerufen" und ergänzte: "Das Ringen um eine gute Lösung der Aufgabe hat sich also gelohnt."

Nach der Rückbenennung zur Stadt Chemnitz, wurde das namenstragende Medaillon ausgetauscht, so dass seit 1990 "Technische Universität Chemnitz" auf der Amtskette zu lesen ist. Zu feierlichen Anlässen und universitären Festlichkeiten erstrahlt es bis heute: das äußere Zeichen der Würde. Die beiden vorherigen Amtsketten werden nun im Universitätsarchiv gehütet.

Der Text über die Geschichte der Amtsketten ist erschienen in "175 - Das etwas andere Jubiläumsbuch". Das Buch ist für 17,50 Euro unter anderem im Uni-Shop erhältlich.

Katharina Thehos
04.05.2012

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