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Chemnitzer Mathematiker ist neuer MPI-Direktor

TU-Mathematiker Prof. Dr. Peter Benner ist neuer Direktor am Max-Planck-Institut Magdeburg

Prof. Dr. Peter Benner war Inhaber der Professur Mathematik in Industrie und Technik an der Technischen Universität Chemnitz und seit September 2010 ist er Direktor am Max-Planck-Institut (MPI) für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg sowie wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft. Dass ausgerechnet er als erster Wissenschaftler der Chemnitzer Universität zum MPI-Direktor berufen wurde, kam für den 43-Jährigen recht überraschend. Denn es existieren deutschlandweit nur zwei Max-Planck-Institute für Mathematik, deren Forschungsschwerpunkte sich nicht mit denen des angewandten Mathematikers mit stark ingenieurwissenschaftlicher Ausrichtung decken. "Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Berufung sah ich für mich in etwa gleich wahrscheinlich wie einen Sechser im Lotto", gesteht Benner, der selbst gar kein Lotto spielt, und fügt hinzu: "Umso überraschender erreichte mich dann die Einladung zum Max-Planck-Kolloquium ‚Mathematical Methods to Analyze Complex Technical and Biological Systems‘ am MPI in Magdeburg im Dezember 2008." Erst im Laufe der Veranstaltung wurde deutlich, dass es sich dabei um ein Findungskolloquium zur Besetzung einer vakanten Direktorposition handelte. Nach einem umfangreichen Berufungsprozess, im Rahmen dessen Benner seine Arbeiten in weiteren Vorträgen vorstellte, zu Einzelgesprächen geladen sowie von 13 internationalen Experten begutachtet wurde, konnte er die Direktorposition im April 2010 zunächst im Nebenamt aufnehmen und ist seit 1. September dieses Jahres schließlich hauptamtlich als Direktor am Magdeburger MPI tätig.

Am Max-Planck-Institut übernimmt der gebürtige Rheinland-Pfälzer die Abteilung Systemtheoretische Grundlagen der Prozess- und Bioprozesstechnik. Die mathematische und numerische Expertise in seiner Arbeitsgruppe soll insbesondere die theoretische Säule der Forschungsarbeiten in enger Kooperation mit allen Fachgruppen am MPI Magdeburg stärken. Dabei gilt es, die Dynamik aller am MPI untersuchten chemischen und biologischen Prozesse zu beobachten, mathematisch zu beschreiben, zu kontrollieren und gezielt zu beeinflussen, um beispielsweise die maximale Reinheit von Produkten oder eine optimale Ausbeute bei minimalem Energieaufwand zu erreichen. "Ein besonderes Thema stellt die Modellreduktion dar, denn diese ermöglicht häufig erst die Simulation, Regelung oder Steuerung der oft hochdimensionalen, nichtlinearen, komplexen Prozesse", erklärt Benner und ergänzt: "Wir hoffen, dass die auf diesem Gebiet in den letzten zehn Jahren erworbene Expertise für die genannten Anwendungen nützlich eingesetzt werden kann und andererseits, dass die neuen Herausforderungen bei den chemischen und biologischen Prozessen zu neuen mathematischen Methoden und Algorithmen führen."

Neben seiner Anstellung am MPI Magdeburg bleibt Peter Benner der TU Chemnitz weiterhin verbunden. So betreut er hier noch Diplomanden und Doktoranden, während zwei seiner Postdocs nach wie vor in Chemnitz den Bereich der optimalen Steuerung von durch partielle Differentialgleichungen beschriebenen Prozessen bearbeiten. "In diesem Bereich wird es auch ein gemeinsames Forschungsseminar geben, das wechselseitig in Chemnitz und Magdeburg stattfinden wird", berichtet Benner. Desweiteren werden die in den vergangenen Jahren begonnenen Projekte mit Anwendungen im Werkzeugmaschinenbau und in der Fahrzeugentwicklung weiterhin an der TU Chemnitz betrieben, da dieser Forschungszweig nicht direkt in das Anwendungsspektrum der chemischen und biologischen Abteilungen am MPI passt. Benner ist zudem in einige größere beantragte kooperative Forschungsvorhaben an der TU Chemnitz eingebunden, wie zum Beispiel den SFB/Transregio "Thermo-Energetische Gestaltung von Werkzeugmaschinen - Eine systemische Lösung des Zielkonflikts von Energieeinsatz, Genauigkeit und Produktivität" mit der TU Dresden und der RWTH Aachen sowie die im Rahmen der Exzellenzinitiative beantragte Graduiertenschule "Human Factors in Technology".

Die Aufnahme seiner Tätigkeit als Direktor am MPI Magdeburg bedeutet für Benner also keineswegs ein Abschied von der Technischen Universität Chemnitz: "Da mir in den insgesamt zehn Jahren an der TU Chemnitz - drei Jahre Promotion und sieben Jahre Professur - die Universität durchaus ans Herz gewachsen ist, hoffe ich, dass ich hierdurch ein Stück weit weiter positiv für die TU wirken und die guten Verbindungen aufrecht erhalten kann."

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Peter Benner, Telefon 0391 6110-451, E-Mail benner@mpi-magdeburg.mpg.de.

(Autorin: Anett Michael)

Mario Steinebach
01.11.2010

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