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Mit Leichtbau der Krise trotzen

Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz hat in den vergangenen zwei Jahren 350 Arbeitsplätze durch anwendungsnahe Forschung geschaffen

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Techniker Udo Tiepmar (vorn) und Harry Beyer arbeiten an einer Extrudieranlage im Zentrum Integrative Leichtbautechnologien der TU Chemnitz. Foto: Wolfgang Thieme

Trotz der schweren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist es der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung (SLK) der TU Chemnitz in den vergangenen zwei Jahren gelungen, mit industriellen Partnern 350 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) können von dem Erfolg profitieren, denn mehr als 200 der neuen Stellen entstanden bei ihnen. "Ausschlaggebend waren dafür die grundlagen- und anwendungsorientierten Forschungsprojekte zu Leichtbauverbunden, Systemleichtbau, Ressourceneffizienz und Bauteilen aus nachwachsenden Rohstoffen", berichtet Prof. Dr. Lothar Kroll, Inhaber der Professur.

"Spezialisiert ist die Professur SLK auf industrienahe Entwicklung von Hochleistungsbauteilen, die optimal an die geforderten Belastungen angepasst sind, sowie von zugehörigen Herstellungstechnologien. Vor allem auf den Gebieten der prozessgerechten Gestaltung, Auslegung und Verarbeitung von funktionsintegrierenden Strukturen aus Verbundwerkstoffen liegen langjährige Erfahrungen vor", sagt Kroll. Durch eine breit aufgestellte Ausrichtung können die Wissenschaftler durchgängige Prozessketten für faser- und textilverstärkte Leichtbauverbundstrukturen erforschen, praxisgerecht abbilden und validieren. "Die Professur SLK verfügt über einen besonderen Technologievorsprung, der sich auch aus dem 2009 gegründeten Zentrum Integrative Leichtbautechnologien ZIL ableiten lässt", so Kroll. Im Vordergrund stehen hier neue großserientaugliche Technologien für Hochleistungsbauteile mit Textilverstärkung. Diese Faserverbundbauteile haben ein großes Leichtbaupotenzial und sind deshalb vor allem im Automobil-, Schienenfahrzeug- und Schiffsbau sowie in der Luft- und Raumfahrt gefragt Das ZIL hat sich bereits zum Forschungspartner etabliert, sowohl für regionale und nationale Unternehmen als auch für Weltmarktführer, wie die KraussMaffei Technologies GmbH.

Ein aktuelles Forschungsvorhaben der Professur SLK ist das Verbundprojekt FENAFA mit 15 Partnern. FENAFA steht für "Ganzheitliche Bereitstellungs-, Verarbeitungs- und Fertigungsstrategien von Naturfaserrohstoffen". Das Projekt wird bis 2012 mit drei Millionen Euro gefördert. Die Chemnitzer Forscher setzen dabei spezielle Faserstängel für die Fahrzeuginnenverkleidung ein. Vorteile sind unter anderem geringere Emissionen und Kosten sowie eine verbesserte Crash-Beständigkeit. "Durch die starke Präsenz namhafter Industrieunternehmen auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette wird eine einmalige Plattform für die angestrebte Vermarktung der entwickelten Technologien und Produkte geschaffen", so Dr. Wolfgang Nendel, stellvertretender Leiter der Professur SLK.

Außerdem ist die Professur am Spitzencluster "Energieeffiziente Produkt- und Prozessinnovation in der Produktionstechnik" (eniPROD) beteiligt, das an der TU Chemnitz und dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) angesiedelt ist und durch die sächsische Landesexzellenzinitiative mit 35 Millionen Euro geförderten wird. "Anliegen des Spitzenclusters ist es, durch die Bündelung der am Wissenschaftsstandort Chemnitz vorhandenen exzellenten Forschungsbereiche einen national und international sichtbaren Beitrag zur Umsetzung der Vision einer nahezu emissionsfreien Produktion bei gleichzeitiger Reduzierung des Energiebedarfs und Erhöhung der Ressourceneffizienz zu leisten", sagt Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Leiter des Spitzenclusters.

Ein neues Forschungsfeld der Professur SLK ist der Zwei-Komponenten-Mikrospritzguss, mit dem sich verschiedene Kunststoffe in einem Verfahrensschritt zu komplexen Hybridbauteilen verarbeiten lassen, wodurch aufwändige Montageprozesse entfallen. Damit können der Zeitaufwand, die Herstellungskosten und die Rohstoffmengen deutlich reduziert und die Bauteileigenschaften und -qualität gesteigert werden. Außerdem lassen sich im Fertigungsprozess Elektronikkomponenten wie Sensoren und Aktoren im Bauteil integrieren, was beispielsweise im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der TU Chemnitz geförderten Sonderforschungsbereich/Transregio 39 PT-PIESA genutzt wird.

Die Professur im Internet: http://www.strukturleichtbau.net

Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Lothar Kroll, Telefon 0371 531-35706, E-Mail lothar.kroll@mb.tu-chemnitz.de.

Katharina Thehos
22.04.2010

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