Forschungsprojekt soll zur Entlastung des Pflegealltages führen
IKMSens: Intelligente Sensorik soll die Inkontinenzversorgung in Pflegeeinrichtungen verbessern und Pflegekräfte unterstützenunterstützen
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Dipl.-Ing. (FH) Philipp Thiem von der Westsächsische Hochschule Zwickau, M.Sc. Janik Kaden und M.Sc. Dhruv Padam Gupta, beide von der Professur Schaltkreis- und Systementwurf an der Technischen Universität Chemnitz, führen Feldtests in einem Zwickauer Senioren- und Seniorenpflegeheim durch (von l. n. r.). Foto: Quelle
Die Versorgung von Menschen mit Inkontinenz ist für Pflegeeinrichtungen eine tägliche, verantwortungsvolle und zeitintensive Aufgabe. Um Pflegekräfte künftig gezielter zu unterstützen und die Versorgung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten, entwickelt ein Verbund aus Wissenschaft und Wirtschaft im Forschungsprojekt „IKMSens – Intelligente Inkontinenzmaterial-Sensorik“ ein kontaktloses Detektions- und Meldesystem zur quantitativen Feuchteerfassung in Inkontinenzmaterialien. Das Projekt wird von Prof. Dr.-Ing. Ulrich Heinkel, Inhaber der Professur Schaltkreis- und Systementwurf an der Technischen Universität Chemnitz, koordiniert.
Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes steht die Frage, wie sich Feuchtigkeit in Inkontinenzmaterialien zuverlässig erfassen lässt, ohne dass hierfür ein direkter Kontakt zwischen Messsystem und Feuchtigkeit erforderlich ist. Das sich noch in der Forschung befindliche System soll nicht nur erkennen, ob ein Feuchteereignis vorliegt, sondern auch die Feuchtemenge quantitativ bewerten. Auf diese Weise könnten Pflegekräfte bedarfsgerechter informiert und bei der Organisation von Versorgungsabläufen unterstützt werden. Dies würde zu einer Entlastung des Pflegepersonals im Arbeitsalltag führen. Auch die Patienten profitieren davon, da ein bedarfsgerechtes Wechseln des Inkontinenzmaterials die Qualität des Nachtschlafs verbessert, da Überprüfungen des Füllgrades reduziert werden.
Das Projekt „IKMSens“ wird im Rahmen der Initiative „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Es ist dem WIR!-Bündnis DIANA zugeordnet, welches Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesundheitswesen für die Entwicklung patientennaher Technologien zusammenbringt. Das Projekt startete im Januar 2024 und läuft noch bis Dezember 2026.
Zum Projektkonsortium gehören die TU Chemnitz mit der Professur Schaltkreis- und Systementwurf, die FiberCheck GmbH, die Lightweight Structures Engineering GmbH, allesamt aus Chemnitz, die Modespitze Plauen GmbH sowie die Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ) mit ihrem Institut für Textil- und Ledertechnik. Die Partner bündeln Kompetenzen aus den Bereichen Sensorik, Elektronik, Textiltechnik, Materialentwicklung, drahtlose Kommunikation und Anwendungserprobung.
An der TU Chemnitz werden unter anderem eine smarte Auswerteelektronik, geeignete Auswertealgorithmen und eine Infrastruktur für die Kommunikation der Systemkomponenten entwickelt. Ein Schwerpunkt liegt auf der zuverlässigen Verarbeitung der Messdaten und deren Übertragung an das Pflegepersonal.
„Mit IKMSens wollen wir die Inkontinenzversorgung verbessern, sodass die Pflegekräfte verlässliche Informationen über den aktuellen Zustand des Inkontinenzmaterials erhalten. Entscheidend ist für uns, dass die Technologie im Pflegealltag praktikabel ist, sich an unterschiedliche Einrichtungen anpassen lässt und die individuellen Bedürfnisse der versorgten Menschen berücksichtigt“, so Prof. Dr.-Ing. Ulrich Heinkel, Projektkoordinator von IKMSens an der TU Chemnitz.
Eine zentrale Anforderung an IKMSens ist die Praxistauglichkeit. Das System soll unabhängig von den jeweils in einer Pflegeeinrichtung eingesetzten Hygieneprodukten funktionieren. Außerdem ist eine Lösung vorgesehen, bei der die Sensorik von den textilen Bestandteilen getrennt werden kann. Dies soll eine spätere Weiterführung des Stoffkreislaufs erleichtern und von Anfang an nachhaltige Aspekte berücksichtigen.
Besonders wichtig sind die Erprobungen unter realen Bedingungen. Dazu wurden in mehreren Pflegeeinrichtungen und Kliniken Feldtestes durchgeführt, darunter bei SenVital Chemnitz, den Sana Kliniken Leipziger Land in Zwenkau sowie im Senioren- und Seniorenpflegeheim Zwickau im Schloss Osterstein. Die Erfahrungen aus diesen Tests lieferten wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung des Gesamtsystems. Sie zeigen beispielsweise, welche Anforderungen im Pflegealltag an die Handhabung, die Zuverlässigkeit, die Informationsweitergabe und die Anpassung an unterschiedliche Einrichtungen gestellt werden.
Mit IKMSens entsteht somit ein Ansatz an der Schnittstelle von smarter Textiltechnik, kontaktloser Sensorik und digital unterstützten Pflegeprozessen. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, Feuchtigkeit in Inkontinenzmaterialien zuverlässig und quantitativ zu erfassen, Pflegekräfte gezielt zu informieren und die Versorgung von Menschen mit Inkontinenz im Alltag zu unterstützen.
Video verdeutlicht den Praxiseinsatz von „IKMSens“
Ein kurzer Videoclip auf dem YouTube-Kanal der TU Chemnitz stellt das Forschungsprojekt vor und gibt Einblicke in die die Erprobung mit einer Pflegepuppe in der Westsächsischen Hochschule Zwickau.
Weitere Informationen erteilt M. SC, Dhruv Padam Gupta, E-Mail: dhruv-padam.gupta@etit.tu-chemnitz.de
Anne Eichhorn
23.10.2026