Den Büchern frommer Frauen auf der Spur
Kein Projekt für Solisten: Forschende der Akademie der Wissenschaften zu Prag und der TU Chemnitz erschließen Handschriften der Klarissen von Eger – einer Ordensgemeinschaft für Frauen – für weitere Forschungsarbeiten
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Mittelalterliche Buchmalerei „von Frauenhand“: Das wertvolle Missale der Klarissen von Eger mit seinen deutschen Rubriken wird noch heute im Städtischen Museum in Cheb aufbewahrt. Foto: Prof. Dr. Christoph Fasbender
Mit der Aufhebung der böhmischen und mährischen Klöster im Jahre 1782 wurden die mittelalterlichen Handschriften aus der Niederlassung der Klarissen von Eger (Cheb) weitgehend nach Prag gebracht. „Das war ein eher unaufgeregter Vorgang, über den sich offenbar keine Dokumente erhalten haben“, sagt Prof. Dr. Christoph Fasbender, Inhaber der Professur Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit an der Technischen Universität Chemnitz. „In der späteren ČSSR führten die überwiegend deutschen Handschriften der Ordensgemeinschaft dann ein Schattendasein, und auch im Tschechien der Gegenwart ist die Expertise zur Erschließung solcher historischen Dokumente rückläufig.“ Ein Gemeinschaftsprojekt der Akademie der Wissenschaften zu Prag und der Technischen Universität Chemnitz hat es sich nun zum Ziel gesetzt, die Bestände, die nur zu einem geringen Teil digitalisiert sind, inhaltlich zu erschließen und nach modernen Maßstäben zu beschreiben. Gefördert wird das Vorhaben zunächst für drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Grantová agentura České republiky (GAČR), einer staatlichen Behörde zur Förderung der Grundlagenforschung in der Tschechischen Republik.
Projektleiter Prof. Fasbender freut sich, dass er schon wieder ins Egerland reisen darf: „Das ist eine fantastische Sache. Ich komme wissenschaftsbiographisch eigentlich genau aus diesem Themenfeld.“ Auf die Frage, was denn das Reizvolle an dem Projekt sei, führt er aus: „Das Frauenkloster in Eger ist von Nürnberg aus reformiert worden. Das heißt: die Nürnbergerinnen haben Schwestern nach Eger geschickt, und die haben ihre Bücher mitgebracht und dort neue Bücher geschrieben. Nun sind die Nürnbergerinnen freilich auch in Bamberg, München und Brixen gewesen, und da haben sie es genauso gemacht. Alle diese Klöster haben daher ähnliche Bücher besessen. Das ist ein gewaltiges Netzwerk von Handschriften und Texten, das zu erforschen wir jetzt mit Eger den Auftakt machen.“
Seine Kollegin Dr. Soňa Černá, die in Olomouc, Jena und Wien Germanistik studierte, wird ihren Projektteil am Masaryk-Institut und Archiv der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag umsetzen. Sie ergänzt: „Die Handschriften sollen so beschrieben werden, dass die Beschreibungen direkt der Nationalbibliothek zugutekommen. Mit den Überschriften der Texte ist es dabei nicht getan. Oft sind es ganz eigene Fassungen, die von den bereits bekannten Fassungen abweichen.“ An der TU Chemnitz soll daher eine Edition wichtiger Texte aus dem Egerer Konvent entstehen, die die lebendige Überlieferungstradition möglichst repräsentativ abbildet.
„Da sind spannende Texte dabei: auch Lieder und Versdichtungen. Und fast alles auf Deutsch“, freut sich Fasbender. „Ganz wichtig wird sein, dass wir grenzüberschreitend eng zusammenarbeiten. Jede Entdeckung an den Objekten, den Handschriften und den Texten, kann dem anderen helfen. Es ist kein Projekt für Solisten!“
Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Christoph Fasbender, Telefon +49 (0)371 531-37866, E-Mail christoph.fasbender@phil.tu-chemnitz.de.
Mario Steinebach
21.09.2026