Wie steht es um den deutschen Vereinssport?
International einzigartige Datenbasis: TU Chemnitz arbeitet am Sportentwicklungsbericht 4.0 mit, der Sportvereine und -verbände sowie die Sportpolitik bei ihren Entscheidungen unterstützen soll
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Sportvereine sind mitunter eng mit der Wissenschaft verbunden. So bietet die vom Institut für angewandte Bewegungswissenschaften der TU Chemnitz wissenschaftlich betreute Kindersportschule Chemnitz Mädchen und Jungen bereits seit 2005 breitensportliche und sportartunspezifische Bewegungsangebote und wurde selbst wiederholt zum Gegenstand zahlreicher Studien. Foto: Bildarchiv der Pressestelle und Crossmedia-Redaktion/Andreas Seidel
„Sportvereine stellen eine tragende Säule der Bereitstellung von Sport- und Bewegungsangeboten in Deutschland dar und leisten damit wichtige Beiträge zum Gemeinwohl. Zugleich stehen sie angesichts gesellschaftlicher Veränderungen vor vielfältigen Herausforderungen, unter anderem im Hinblick auf die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen, die finanzielle Stabilität sowie die Sicherung ihrer Sportstätten“, sagt Prof. Dr. Torsten Schlesinger, Inhaber der Professur „Sozialwissenschaftliche Perspektiven von Sport, Bewegung und Gesundheitsförderung“ der Technischen Universität Chemnitz. Daraus ergeben sich viele Fragen: Wie entwickeln sich die Sportvereine in Deutschland? Mit welchen Problemen sind sie konfrontiert und wie resilient sind die Sportvereine im Umgang mit diesen Problemen? Welche Rahmenbedingungen und Unterstützungsleistungen können die Arbeit von Sportvereinen fördern? Damit befasst sich das Verbundforschungsprojekt „Sportentwicklungsbericht: Fakten und Analysen zum organisierten Sport – SEB 4.0“.
Das vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) und allen Landessportbünden geförderte Forschungsprojekt wird von der Professur „Sozialwissenschaftliche Perspektiven von Sport, Bewegung und Gesundheitsförderung“ gemeinsam mit der Hochschule Koblenz (Gesamtleitung), der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau und der IST-Hochschule für Management Düsseldorf durchgeführt.
Im Fokus: Sportvereine und ihre Rahmenbedingungen
„Der Sportentwicklungsbericht (SEB) liefert bereits seit 2004 regelmäßig einen bedeutsamen Beitrag zur Berichterstattung im deutschen Vereinssport und stellt eine international einzigartige Datenbasis dar“, sagt Schlesinger. Der SEB untersucht die Situation und Entwicklung des organisierten Sports in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Sportvereine und ihre Rahmenbedingungen. Mit dem SEB 4.0 soll dieses Wissen erweitert und besser nutzbar gemacht werden. „Sportvereine und -verbände sollen deutlicher erkennen können, wo sie stehen, welche Entwicklungen sich abzeichnen und wo konkreter Handlungsbedarf besteht“, erläutert der Chemnitzer Sportwissenschaftler.
Der Arbeitsbereich widmet sich seit Jahren Fragen der Sportvereinsentwicklung und zum Mitgliederhandeln in Sportorganisationen. Unter anderem wurden Projekte zu Professionalisierungs- und Digitalisierungsprozessen in Sportvereinen, Untersuchungen zur ehrenamtlichen Mitarbeit und zur sozialen Integration von Menschen mit Migrationsgeschichte durchgeführt. Hierbei erfolgte jeweils eine enge Kooperation mit Akteuren des organisierten Sports, wie dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), den Landesportbünden und Sportfachverbänden.
Aufbauend auf den bisherigen Erhebungswellen ist es das Ziel des aktuellen „SEB 4.0“, durch eine kontinuierliche und methodisch fundierte Datenerhebung langfristige Entwicklungen und Herausforderungen des organisierten Sports systematisch zu erfassen und zu analysieren. „Dafür werden unterschiedliche Datenquellen miteinander verknüpft, um Zusammenhänge zwischen den Erfahrungen von Vereinsmitgliedern, den Strukturen von Vereinen und gesellschaftlichen Entwicklungen genauer zu untersuchen. Auch die gesellschaftlichen Wirkungen des Sports sollen stärker in den Blick genommen werden“, so Schlesinger.
Vereins- und Mitgliederbefragungen liefern wertvolle Daten für neues SEB-Warehouse und SEB-Dashboard
Mit dem „SEB 4.0“ erfolgt zugleich eine konzeptionelle Weiterentwicklung des bisherigen Berichtssystems. Ein zentraler Baustein ist dabei der Aufbau eines SEB-Warehouse, das zunächst über drei Erhebungswellen von Vereins- und Mitgliederbefragungen mit Daten inhaltlich befüllt wird. Die Vereins- und Mitgliederbefragungen werden als bundesweite Online-Befragungen durchgeführt. Zugleich wird das SEB-Warehouse für die Integration weiterer Datenquellen geöffnet, beispielsweise zu Sportstätten oder im Bereich Ehrenamt.
Die aufbereiteten Ergebnisse sollen über ein SEB-Dashboard zugänglich gemacht und gezielt für die Sportpraxis nutzbar werden. Dadurch können Unterstützungs- und Beratungsleistungen stärker auf die Situation einzelner Sportvereine zugeschnitten und Entwicklungen im Vergleich zu anderen Vereinen besser eingeordnet werden. „Für die Sportvereinsforschung entsteht damit eine moderne und flexible Datengrundlage, die dazu beitragen kann, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Praxis zu übertragen und Sportvereine und -verbände sowie die Sportpolitik bei Entscheidungen zu unterstützen“, sagt Schlesinger.
Weitere Informationen erteilt Prof. Dr. Torsten Schlesinger, Telefon 0371 531-32936, E-Mail swp_gesundheitsfoerderung@hsw.tu-chemnitz.de.
Mario Steinebach
18.09.2026