Für mehr Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung
Expertise der TU Chemnitz für die sich wandelnde Textilbranche: Projekt „NIBTEX“ zur nachhaltigen beruflichen Bildung, an dem zwei Professuren der TU Chemnitz beteiligt sind, wird um zwei Jahre verlängert
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Anwendungsorientierte Projektergebnisse: Das NIBTEX-Team entwickelte bereits Handreichungen zur nachhaltigen Ausbildung im Betrieb. Foto: Christian Reuther -
Das Projekt NIBTEX wird im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf - zukunftsorientiert ausbilden“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.
Das Verbundprojekt „Nachhaltig im Beruf: Etablierung von Qualifizierungsmaßnahmen für das Lehr- und ausbildende Personal in der Textilindustrie (NIBTEX)“ wird für weitere 24 Monate im Rahmen des Programms „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (EFS Plus) gefördert. Ziel des Projektes ist es, Nachhaltigkeit ganzheitlich in der beruflichen Aus- und Weiterbildung der Textilbranche zu verankern und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Qualifizierung ihres Ausbildungspersonals zu unterstützen. Die Technische Universität Chemnitz ist mit der Professur Erwachsenenbildung und Weiterbildung (Leitung: Prof. Dr. Erik Haberzeth) sowie der Professur BWL – Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit (Leitung: Prof. Dr. Marlen Gabriele Arnold) maßgeblich am Verbund beteiligt.
Unter Koordination des Sächsischen Textilforschungsinstituts e. V. (STFI) arbeitet der Verbund aus Praxis- und Wissenschaftspartnerinnen und -partnern daran, Qualifizierungsangebote und -materialien für das ausbildende Personal in der Textilindustrie zu entwickeln, zu erproben und langfristig zu verankern. Die Forschenden der TU Chemnitz bringen dabei sowohl betriebswirtschaftliche Nachhaltigkeitsexpertise als auch erziehungswissenschaftliche Perspektiven der Erwachsenen- und Weiterbildung in das Projekt ein. Die Gesamtfördersumme des Verbundprojekts beträgt ca. 1,1 Millionen Euro.
In der ersten Förderphase wurden ein branchenspezifisches Konzept für eine Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE), ein Qualifizierungskonzept für Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Train-the-Trainer-Maßnahmen entwickelt und erfolgreich pilotiert. Daneben konnte ein stabiles Netzwerk aus 16 externen Partnerinnen und Partnern – darunter Unternehmen entlang der textilen Wertschöpfungskette, der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie (textil+mode) sowie weitere Fachverbände und Kammern – aufgebaut werden, welches den anvisierten Theorie-Praxis-Transfer für die Branche wesentlich mitträgt.
In der im Mai 2026 gestarteten Verlängerungsphase wird NIBTEX in mehrfacher Hinsicht weiterentwickelt: Im Mittelpunkt stehen nun die ganzheitliche Implementierung von Nachhaltigkeit in vorrangig kleinen und mittelständischen Unternehmen der Textilbranche, die bundesweite Ausdehnung des Qualifizierungsangebots über die bisherigen sächsischen Schwerpunkte hinaus auf weitere Textilregionen, die Ansprache zusätzlicher Zielgruppen sowie der konzeptionelle und inhaltliche Ausbau der Angebote. NIBTEX soll sich damit von einem Qualifizierungsprojekt für Ausbilderinnen und Ausbilder hin zu einem systemischen Ansatz der betrieblichen Bildung für Nachhaltigkeit entwickeln, der individuelle Kompetenzentwicklung mit organisationalen Rahmenbedingungen verbindet.
Das bestehende Qualifizierungskonzept wird zu einem modularen, teildigitalisierten und zeitlich flexiblen Lehr-Lernangebot ausgebaut, das sich konsequent an den Bedarfen der Unternehmen orientiert. Geplant sind u. a. zeitlich begrenzte thematische Lerneinheiten (Micro-Learning) in Präsenz, hybrid und online, adressatengerechte Selbststudienmaterialien sowie Vorträge von Expertinnen und Experten, die soziale, ökologische, ökonomische und bildungsbezogene Nachhaltigkeitsaspekte adressieren. Daneben entstehen Vernetzungs- und Austauschformate sowie professionell begleitete Umsetzungsprojekte in den Unternehmen. Die Teilnehmenden können individuelle Lernpfade zusammenstellen und nach erfolgreichem Absolvieren definierter Module ein entsprechendes Zertifikat erwerben. Ein besonderer Fokus liegt auf gamifizierten Lern- und Transferformaten (z. B. LEGO® Serious Play, Planspiele, app-basierte Tools wie PROSUMIO), die Motivation und Praxistransfer stärken. Zur Verstetigung werden ausgewählte Inhalte in ein Lernmanagementsystem integriert und über digitale Plattformen bundesweit zugänglich gemacht.
Die Professur BWL – Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit verantwortet dabei insbesondere die konzeptionelle Aufbereitung nachhaltigkeitsbezogener Themen – unter anderem soziale Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und 9R-Strategien – und entwickelt fachlich vertiefte Lerneinheiten mit unmittelbarem Bezug zur textilen Wertschöpfungskette. Ergänzend werden Begleitmaterialien, Checklisten, Praxisbeispiele und Strategiepapiere erarbeitet und in digitale Lernangebote überführt. Die Professur Erwachsenenbildung und Weiterbildung verantwortet die didaktisch-methodische Konzeption praxisnaher Lehr-Lern-Arrangements. Hierzu zählen u. a. die Entwicklung nachhaltiger Lernkulturen in Unternehmen, die Gestaltung nachhaltigkeitsorientierter Lernorte sowie arbeitsintegrierte Lernformen wie Lerninseln für Auszubildende. Beide Professuren gestalten zudem die wissenschaftliche Begleitung, Evaluation und Qualitätssicherung der Module sowie die Dissemination der Ergebnisse über Fachpublikationen, Policy Briefs und Konferenzbeiträge.
Hintergrund: Förderprogramm „Nachhaltig im Beruf“
Das Projekt NIBTEX wird im Förderprogramm „Nachhaltig im Beruf – zukunftsorientiert ausbilden (NIB)“ umgesetzt. Mit dem Programm stärkt das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Berufsausbildung für nachhaltige Entwicklung. Kernziel der ersten Förderung des ESF Plus kofinanzierten Programms ist die Umsetzung, Verbreitung und Verankerung von Qualifizierungsangeboten für das ausbildende Personal. Ausbilderinnen und Ausbilder werden dadurch zu Multiplikatoren, Fachkräfte werden dadurch zu Pionieren und Unternehmen zu Orten der nachhaltigen Transformation. Begleitet wird das Programm vom Bundesinstitut für Berufsausbildung.
(Autorin: Fanny Hösel)
Mario Steinebach
24.06.2026