Der emphatische Assistent schaut ins Gesicht
Bei der Abschlussveranstaltung im Projekt STADT:up am „Aldenhoven Testing Center“ demonstrierten Forschende der TU Chemnitz, wie ein automatisiertes Fahrzeug erkennt, wie sich Fahrerinnen und Fahrer fühlen
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Das Versuchsfahrzeug Carai 3 der TU Chemnitz im Demonstrationsszenario einer automatisierten Anfahrt auf eine rot werdende Ampel. Foto: Dr. Matthias Beggiato -
Emotionsadaptives Anzeigekonzept auf Basis der Gesichtsmimik im Versuchsfahrzeug Carai 3. Foto: Dr. Matthias Beggiato -
Das automatisierte urbane Fahren mit kontinuierlicher Komfortrückmeldung und verschiedenen Anzeigekonzepten konnte bei der Projektpräsentation am Fahrsimulator erlebt werden. Foto: Dr. Matthias Beggiato -
Das interdisziplinäre Team der TU Chemnitz am Demonstratorstand zur Untersuchung des Komforterleben mit mobilem Fahrsimulator. Foto: Dr. Matthias Beggiato
Von 10. bis zum 11. Juni 2026 fand am „Aldenhoven Testing Center“ bei Aachen die Abschlussveranstaltung des Verbundprojekts STADT:up mit Beteiligung von drei Professuren der Technischen Universität Chemnitz statt. Ziel des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie über drei Jahre geförderten Projekts mit 20 Partnerinnen und Partnern war die Entwicklung von Konzepten und Pilotanwendungen für durchgängiges automatisiertes Fahren in urbanen Räumen. Während sich erste hochautomatisierte Fahrfunktionen auf Autobahnen bereits im Serieneinsatz befinden, stellt der innerstädtische Verkehr weiterhin eine der größten Herausforderungen dar. Dichte und heterogene Verkehrsströme, komplexe Knotenpunkte, unübersichtliche Situationen, temporäre Hindernisse sowie die Interaktion mit Fußgängerinnen und Fußgängern, Radfahrerinnen und Radfahrern sowie anderen Verkehrsteilnehmenden erfordern ein besonders robustes, vorausschauendes und kooperatives Fahrverhalten automatisierter Systeme.
Mensch und Technik im Fokus der Arbeiten an der TU Chemnitz
Im Teilprojekt „Human Factors“ von STADT:up arbeiteten die drei Professuren Angewandte Gerontopsychologie und Kognition (Prof. Dr. Georg Jahn / Dr. Matthias Beggiato), Arbeitswissenschaft und Innovationsmanagement (Prof. Dr. Angelika Bullinger-Hoffmann) sowie Nachrichtentechnik (Prof. Dr. Klaus Mößner) der TU Chemnitz gemeinsam an der Erforschung und Verbesserung des Komforterlebens im automatisierten urbanen Fahren. „Durch die Abgabe der Fahraufgabe an das Fahrzeug entstehen im automatisierten Fahren neue Komfortaspekte wie Technikvertrauen, wahrgenommene Sicherheit, Natürlichkeit des Fahrstils oder das Wissen um bevorstehende Manöver des Fahrzeugs“, sagt Projektleiter Dr. Matthias Beggiato. Deshalb wurde an der TU Chemnitz mittels Fahrsimulator- und Realfahrstudien ein gesamtheitliches Konzept zur Untersuchung des Komforterlebens während automatisierter Fahrten im urbanen Raum entwickelt, umgesetzt und demonstriert.
Komfortables automatisiertes Fahren durch emotionsadaptive empathische Assistenz
Kern der Arbeiten war der Einsatz videobasierter Algorithmen zur Emotionserkennung als Basis für eine emphatische Assistenz im Fahrer-Fahrzeug-Team. Diese erweiterte Nutzerzustandserkennung hinsichtlich emotionaler Reaktionen aus der Gesichtsmimik zielt auf die frühe und echtzeitfähige sensorische Erkennung von potenziell unkomfortablen automatisierten Fahrmanövern. Daraus können unmittelbar Maßnahmen wie die Anpassung des Fahrstils und gezielte zusätzliche Informationsvermittlung eingeleitet werden. Die Forschungsarbeiten im Fahrsimulator zeigten, dass allein durch situationsspezifische zusätzliche Informationsgabe (wie etwa geplante Manöver mit Zeitinformationen und erkannten relevanten Objekten) entstehender Diskomfort in urbanen Fahrszenarien um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann. Das echtzeitfähige emotionsadaptive Anzeigekonzept wurde in Aldenhoven im Versuchsfahrzeug Carai 3 der Professur Nachrichtentechnik im prototypischen Szenario einer automatisierten Anfahrt auf eine rot werdende Ampel allen Besuchenden erlebbar gemacht.
Weitere Informationen erteilt Dr. Matthias Beggiato, Telefon +49 (0)371 531-38654, E-Mail matthias.beggiato@psychologie.tu-chemnitz.de.
(Autor: Dr. Matthias Beggiato)
Mario Steinebach
15.06.2026