Ablinger und Nussbaumer: Schichtungen im Moment des Hörens
Konzertsymposium „Schichtungen: Chemnitz, Berlin, Wien. In memoriam Peter Ablinger“ bringt vom 21. bis zum 22. Mai 2026 internationale Komponisten und Interpreten, Installationen, Konzeptkunst und wissenschaftliche Perspektiven an die TU Chemnitz und in die Kunstsammlungen Chemnitz
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Der österreichische Komponist Georg Nussbaumer präsentiert im Weinhold-Bau seine Klanginstallation „Vom Wachstum des Gewesenen [vier horchende Herren]“. Foto: Peter Putz -
Techniker Timo Freye beim Aufbau der Klanginstallation „Vom Wachstum des Gewesenen [vier horchende Herren]“ im Foyer des Weinhold-Baus. Foto: Magdalena Müller
Schichtungen durchziehen sowohl die wissenschaftliche Arbeit als auch das künstlerische Wirken von Prof. Dr. Ellen Fricke, Inhaberin der Professur Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation an der Technischen Universität Chemnitz. Mit dem von ihr konzipierten Konzertsymposium „Schichtungen: Chemnitz, Berlin, Wien. In memoriam Peter Ablinger“ setzt sie am 21. und 22. Mai 2026 ihre Auseinandersetzung mit ästhetischen und medialen Schichtungsprozessen fort – anknüpfend an den erfolgreichen Sprachklangabend „Das Davor der Artikulationen im hör- (und sichtbaren) Danach“, der im Februar 2026 den sächsischen Avantgarde-Künstler Carlfriedrich Claus (1930–1998) und den österreichischen Komponisten Peter Ablinger (1959–2025) erstmals in Beziehung setzte. Der Fokus der zweiten Veranstaltung liegt nun auf der Relation von Georg Nussbaumer und Ablinger und ihren sehr unterschiedlichen Zugängen zu akkustischen Schichtungen.
Vom 20. bis 22. Mai sind international renommierte Persönlichkeiten der Szene Neuer und experimenteller Musik in Chemnitz zu erleben: Der österreichische Komponist Georg Nussbaumer, die israelische Violinistin Nurit Stark, die Stimm- und Performancekünstlerin Natalia Pschenitschnikova, der Berliner Flötist Erik Drescher, das von Ablinger 1988 gegründete Ensemble Zwischentöne sowie langjährige Weggefährten Peter Ablingers. Die Akademie der Künste Berlin gibt mit Volker Straebel als Leiter des Musikarchivs Einblicke in die Konzeption und den aktuellen Stand des dort geplanten Peter-Ablinger-Archivs. Der amerikanische Komponist Bill Dietz, der das von Peter Ablinger 1988 gegründete Ensemble Zwischentöne von 2007 bis 2014 geleitet hat, geht in seinem Vortrag auf „Peter Ablinger and Everything“ ein.
Bereits im österreichischen Kulturhauptstadtjahr 2024 hat Nussbaumer in Bad Ischl das breit rezipierte Sound-Land-Art-Projekt „Salzkammer(sc)hall“ realisiert und ab Juli wird er anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der Wagner-Festspiele in Bayreuth eine große Installation im Park vor dem Haus Wahnfried zeigen. Seine Klanginstallation „Vom Wachstum des Gewesenen [vier horchende Herren]“, die Nussbaumer während seines Aufenthalts in Chemnitz im Weinhold-Bau der Universität realisiert und dort ganztägig präsentiert, ist ein besonderes Highlight des Konzertsymposiums. „Es ist ein Theater des Gewesenen, eine unsichtbare Oper mit hunderten Mitwirkenden, die der Partitur des Stundenplans folgen“, so der Komponist. Ergänzt wird das Programm durch Konzerte, Vorträge, Workshop- und Gesprächsformate und eine weitere Uraufführung Nussbaumers für Violine solo „Drei Erlkönige im Aufwachraum“ mit Nurit Stark sowie durch Aufführungen von Werken Ablingers und ihm gewidmeten Kompositionen wie der Uraufführung von Frickes „Babel 4“ mit KI-Chor aus dem Kulturhauptstadtprojekt „Soundscapes of Europe“. Als weiterer besonderer Gast wird der iranisch-österreichische Komponist und Dirigent Nader Mashayekhi erwartet, ein Freund und enger Weggefährte Peter Ablingers und Georg Nussbaumers, der in diesem Jahr auf der Berlinale in dem Film „Cesarean Weekend“ auch als Schauspieler zu sehen war.
Ein besonderer Programmpunkt mit Blick auf das Peter-Ablinger-Archiv ist die Präsentation der verschollen geglaubten DAT-Kassette von Alvin Luciers „I am sitting in a room“ (1969) in der deutschsprachigen Tonbandfassung von ca. 47 Minuten, die 1999 in Zusammenarbeit mit dem Komponisten entstand und u. a. von Ablinger initiiert wurde. Die Aufführung der an der TU Chemnitz digitalisierten Fassung findet am 21. Mai mit einer Einführung von Prof. Dr. Ellen Fricke in den Kunstsammlungen Chemnitz am Theaterplatz statt. Die Originalkassette geht als Schenkung an das Musikarchiv der Akademie der Künste Berlin.
Veranstaltungsorte und Zeiten im Überblick
Konzerte und Symposium: 21. Mai ab 18:30 Uhr und 22. Mai von 10:00 bis 18:00 Uhr, TU Chemnitz, „IdeenReich“ der Universitätsbibliothek, Straße der Nationen 33. Performance Zwischentöne 22. Mai um 13:00 Uhr im „Minna-Simon-Lesesaal“, 2. Stock.
Klanginstallation von Georg Nussbaumer: 20. bis 22. Mai und 26. Mai (jeweils von 7:00 bis 20:30 Uhr) TU Chemnitz, Foyer des Weinhold-Baus, Reichenhainer Str. 70
Alvin Lucier: „I am sitting in a room“ (1969): 21. Mai (11:00 und 13:00 Uhr mit einer Einführung von Prof. Dr. Ellen Fricke), Kunstsammlungen Chemnitz, Theaterplatz 1
Das Konzertsymposium, das in Kooperation mit den Kunstsammlungen Chemnitz stattfindet, wird gefördert vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport der Republik Österreich, der Fritz Thyssen Stiftung und der TU Chemnitz im Rahmen von TUCculture2025.
Weitere Informationen und Programm: https://www.tu-chemnitz.de/phil/ifgk/germanistik/sprachwissenschaft/kulturhauptstadt/symposium.html.
Kontakt: Prof. Dr. Ellen Fricke, Professur Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation. E-Mail sekretariat.efricke@phil.tu-chemnitz.de
Mario Steinebach
11.05.2026