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Unternehmensgründung in Sachsen und Tschechien

Workshop mit starker Beteiligung der tschechischen Partnerhochschule der TU Chemnitz arbeitete zentrale Perspektiven der Gründungsforschung heraus

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Prof. Dr. Rainhart Lang referierte beim Workshop des Sächsisch-Tschechischen Hochschulkollegs. Foto: STHK

Im Rahmen eines Workshops des Sächsisch-Tschechischen Hochschulkollegs (STHK) der TU Chemnitz trafen sich vom 4. bis 6. Oktober 2007 mehr als 40 Teilnehmer aus sächsischen und tschechischen Universitäten sowie Kammern, Verbänden und Weiterbildungseinrichtungen. Sie diskutierten über Werte, Motive und Kompetenzen von Gründern und Jungunternehmern und die Wirksamkeit der entsprechenden Bildungs- und Beratungsangebote. Die Tagungsleiter, Prof. Volker Bank (Professur Wirtschaftspädagogik) und Prof. Rainhart Lang (Professur Organisation), waren besonderes erfreut über die aktive Beteiligung von Studierenden und Kollegen von der tschechischen Partneruniversität der TU, der Westböhmischen Universität in Pilsen. Wie ihre deutschen Kommilitonen hatten die tschechischen Studierenden kleine Projekte zum Thema bearbeitet, die insgesamt einen sehr guten Überblick zu Stand und Problemen der Unternehmensgründung sowie den ersten Jahren der Unternehmensentwicklung in deutschen (sächsischen) und tschechischen Firmen geben. Die Erkenntnisse konnten vor allem in den Podiumsdiskussionen sowie Impulsreferaten vertieft werden, an denen Vertreter der Industrie- und Handelskammern aus Deutschland und Tschechien, von Unternehmensgründerbüros und ähnlichen Fördereinrichtungen, der Bundesanstalt für Arbeit sowie von Gründernetzwerken wie SAXEED und schließlich auch deutsche und tschechische Unternehmensgründer und Unternehmer teilnahmen.

Die in beiden Ländern und vor allem in Deutschland auch im internationalen Vergleich recht gute Infrastruktur für Gründungen steht offenbar im Kontrast zu einer vergleichsweise geringeren Gründungshäufigkeit. Neben rechtlichen und bürokratischen Hemmnissen in beiden Ländern wurden dabei vor allem auch gesellschaftliche und kulturelle Einflussfaktoren benannt, die eine höhere Wirksamkeit der Aktivitäten zum Teil verhindern. In der Gründungsforschung zeigt sich dabei ein Abgehen vom Mythos der Gründerpersönlichkeit, der zum Teil übermenschliche Eigenschaften und Qualifikationen zugeschrieben werden. Dagegen werden Gründungsaktivität und -erfolg stärker als Prozess betrachtet, in dem sich Ressourcen und Kompetenzen des Gründers in Interaktion mit seiner Umwelt weiterentwickeln. Das bedeutet aber für die Bildung und Beratung ein stärker an dem jeweiligen Gründerbedarf orientiertes und individualisiertes Angebot. Folgende Aspekte wurden von den Teilnehmern als zentrale Perspektiven herausgestellt:
1. Es bedarf eines höheren Stellenwerts unternehmerischer Tätigkeit in der Gesellschaft, der vor allem über die Medien aber auch durch Bildung und Erziehung schon in den Familien zu sichern ist.
2. Die Sensibilisierung sollte in der Schule beginnen und auch in der Universität bereits mit Beginn des Studiums einsetzen. Da die Stärken der Universität in der Vermittlung von Theorien liegen, kann ein unternehmerischer Fokus vor allem durch eine stärkere Beachtung und Analyse der Probleme von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), die Mitwirkung an und eigenständige Durchführung von wissenschaftlichen wie praktischen Projekten, die Einbeziehung von Praktika sowie die curriculare Einbindung der Ausbildung in "Soft Skills" erfolgen. Auch das Feedback von Absolventen erscheint wichtig.
3. Bei Kursen für Gründer wurde ebenfalls eine Abkehr von einem Überangebot an der Vermittlung von administrativen Fähigkeiten, wie Recht und Buchführung, hin zu einer fundierten Entwicklung der Gründungsidee sowie der Vermittlung von Soft Skills, etwa Verhandlungsführung und Kooperation mit Partnern, gesehen.
4. Dabei ist der Prozess als ein durch den Gründer selbst gesteuerter Lern- und Erfahrungsprozess zu gestalten, bei dem der Gründer nach einer eigene Defizitfeststellung eine Auswahl aus einem Bildungsangebot sowie eine entsprechende begleitende Beratung erhalten kann.
5. Zum Erhalt der Unterstützung und Förderung unter Berücksichtigung eines möglichst geringen bürokratischen Aufwands sollte perspektivisch stärker auf eine breite Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Fördereinrichtungen gesetzt werden.

Die Ergebnisse der Tagung werden in einem Tagungsband im Jahr 2008 veröffentlicht.

Weitere Informationen zur Tagung gibt Dr. Andreas Neubert, Telefon 0371 531-34306, E-Mail andreas.neubert@phil.tu-chemnitz.de.

(Autoren: Volker Bank, Rainhart Lang, Andreas Neubert)

Katharina Thehos
22.10.2007

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