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Ein Unverpackt-Laden für den Kaßberg

Gründen während der Pandemie: Laura Schmid, die in Chemnitz Wirtschaftswissenschaften studiert, möchte mit ihrer Geschäftsidee die City nachhaltiger machen

  • Frau steht vor einem Regal und füllt eine Flüssigkeit in eine Flasche.
    Laura Schmid wagte schon im Studium den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete einen Unverpackt-Laden. Foto: Isabel Möller

Bringt die Corona-Pandemie nur Schlechtes hervor? Für die Studentin Laura Schmid (24) hatten die scheinbar nie enden wollenden Lockdowns auch etwas Augenöffnendes, denn die “schlechten” Pandemiezeiten verhalfen der baldigen Absolventin der Technischen Univrersität Chemnitz ganz unverhofft zu einer Business-Idee.

Der Chemnitzer Kaßberg ist bekannt für seine hübschen Gründerzeit- und Jugenstil-Bauten sowie für seine zahlreichen gemütlichen Einkehrmöglichkeiten. Seit Mai 2021 ist das Chemnitzer Viertel um noch einen Anlaufpunkt reicher: Denn auf der Weststraße 39 - und somit quasi direkt im Herzen des Kaßbergs - eröffnete die Studentin Laura Schmid Chemnitz’ dritten Unverpackt-Laden. Vergleichbare Geschäfte gibt es mit “Peacefood - UNVERPACKT” nur auf dem Sonnenberg und dem Brühl-Boulevard. “Wir sehen uns aber nicht als Konkurrenz”, erklärt Laura. “Im Gegenteil: Je mehr es von unserer Sorte gibt, desto besser.”

Shoppen mit Mission: Das Konzept hinter Lauras Unverpackt-Laden

Denn bei sogenannten Unverpackt-Läden steht nicht der Profit, sondern der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund – Einkaufen mit Mission sozusagen. Das Konzept: In Lauras 80 Quadratmeter großen Laden können regionale Lebensmittel, wie frisches Obst, Gemüse, Mehl, Öl oder Süßes, sowie Non-Food- und Drogerieprodukte gekauft werden. Soweit, so ungewöhnlich. Doch um Müll zu sparen und der Umwelt etwas zurückzugeben, wird komplett auf Verpackungen verzichtet. Die Kundeninnen und Kunden bringen entweder ihre eigenen Behälter mit oder können sich bei Laura Gläser und Boxen kaufen. Ein weiterer Vorteil: In herkömmlichen Läden gibt es Mehl, Milch und Co. meist in festen Größen. In Unverpackt-Läden kann freier variiert werden. "Die Kundeninnen und Kunden füllen sich die Produkte je nach Bedarf ab", so Laura. So werden nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch Produktreste vermieden. Denn was viele Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wissen oder schlichtweg verdrängen: "Laut des Statistischen Bundesamts betrug allein 2019 das Abfallaufkommen in Deutschland 416,5 Millionen Tonnen – eindeutig zu viel", findet Laura.

Nach dem Studium in die Selbstständigkeit – das nötige Handwerk vermittelte die TU Chemnitz

Nachhaltigkeit spielt in Laura Schmids Leben erst seit der Corona-Pandemie eine entscheidende Rolle: “Durch die viele Zeit zu Hause wurde mir erstmals schmerzlich bewusst, wie viel unnötigen Müll ich fabriziere”, so Laura. “Viele Versuche, bewusster mit Müll umzugehen, scheiterten. An den Frischetheken in den Supermärkten durfte ich zum Beispiel aufgrund der Hygieneauflagen nicht meine eigenen Boxen mitbringen.” Aus der Erkenntnis wuchs eine Geschäftsidee heran. Eigentlich wollte Laura nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der TU Chemnitz in eine ganz andere Richtung gehen. “Ich sah mich mehr im Personalmanagement”, so Laura. Doch ihre Familie, in der selbst viele Personen selbständig tätig sind, sowie ihre Kenntnisse aus dem Studium gaben ihr den nötigen Mut, um Kaßbergs ersten Unverpackt-Laden zu eröffnen. Durch ihre Schulzeit am Dr.-Wilhelm-André-Gymnasium kennt die gebürtige Chemnitzerin das Viertel wie ihre Westentasche. “Acht Monate nach der ersten Idee und nach insgesamt nur vier Monaten Planung, feierte ich bereits im Mai Eröffnung”, berichtet Laura sichtlich stolz. Und tatsächlich ist ihr damit ein kleines Mammutprojekt gelungen: Denn nicht viele trauen sich ganz ohne Erfahrung den sofortigen Schritt hin zum eigenen Laden. “Klar, es gehört viel dazu”, so Laura. “Die richtige Immobilie und ein Business-Konzept mussten her, Händler müssen gefunden werden, die Einrichtung muss stimmig und durchdacht sein. Durch mein Studium fühlte ich mich aber immer auf der sicheren Seite. Ich profitiere sehr von meiner Zeit an der TU Chemnitz, an der es übrigens auch eine Professur für Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit gibt. Gerade was den wirtschaftlichen Aspekt der Selbstständigkeit, den Kundenkontakt oder mögliche künftige Angestellte angeht, bin ich durch mein Studium bestens aufgestellt.”

Erstes Resümee und große Pläne

Geöffnet hat Lauras Unverpackt-Laden Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr sowie Samstag von 10 bis 15 Uhr. Nach den ersten vier Wochen als Geschäftsführerin ihres eigenen Ladens zieht Laura ein positives Resümee: “Das Kundeninteresse ist groß. Zu mir kommen viele Familien, aber auch ältere Leute, die meinen, dass genau so ein Geschäft auf dem Kaßberg noch gefehlt hat.” Doch nicht nur Nachhaltigkeits-Geübte finden in die Weststraße 39: “Es kommen auch viele Leute, die sich erstmal ein Bild verschaffen wollen, was in Sachen Nachhaltigkeit und Müllvermeidung alles möglich ist. Das finde ich klasse. Jeder muss einmal anfangen, wir lernen alle dazu. Auch ich mache noch nicht alles richtig.” Für die Zukunft träumt Laura von einer zweiten Filiale im Raum Chemnitz. “Aber erstmal konzentriere ich mich auf meinen ersten Laden und bin gespannt, was die Zukunft bringt.”

Stichwort: Goldene Regeln für mehr Nachhaltigkeit im Alltag

Die Professur für Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit der TU Chemnitz hat im Jahr 2018 ausgewählte Anregungen zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag zusammengestellt und seitdem weiterentwickelt. Die "Goldenen Regeln für mehr Nachhaltigkeit im Alltag" enthalten im Bereich "Ernährung" auch diese Empfehlungen: "Vermeiden Sie Verpackungen und Wegwerfartikel. Nutzen Sie eigene Aufbewahrungsdosen und füllen Sie Lebensmittel ab oder kaufen Sie unverpackte Waren. Nutzen Sie Mehrwegsysteme und greifen Sie auf Glas anstelle von Plastik zurück."

(Autorin: Isabel Möller)

Mario Steinebach
09.06.2021

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