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Pressemitteilung vom 23.07.2019

Erste Ergebnisse einer internationalen Befragung der Schülerstreiks fürs Klima - UPDATE: Video-Statement und aktuelle Einordnung verfügbar

Erste Ergebnisse einer internationalen Befragung der Schülerstreiks fürs Klima - UPDATE: Video-Statement und aktuelle Einordnung verfügbar

(UPDATE: 23. Juli 2019: Ergänzung eines Video-Statements (Rubrik "Multimedia" und eine aktuelle Einschätzung zur Fortsetzung der Proteste nach den Sommerferien)

Mit der Fridays-for-Future-Bewegung ist eine neue Phase der zivilgesellschaftlichen Beteiligung junger Menschen markiert. Sie hat zur massiven und in dieser Qualität bisher einzigartigen Politisierung Jugendlicher beigetragen und in zahlreichen Städten weltweit den Freitagsunterricht lahmgelegt. Was wird aus der Bewegung, wenn die Sommerferien vorbei sind?

"Die Sommerferien stellen die Ausdauer der Schülerinnen und Schüler auf die Probe, sich auch über einen längeren Zeitraum ohne gemeinsamen Protest hinweg wieder an den Klimastreiks zu beteiligen. Die Daten unserer Untersuchung lassen den Schluss zu, dass auch nach den Ferien mit weiteren Aktionen der Fridays-For-Future-Bewegung zu rechnen ist. Auch wenn es sich bei den jungen Teilnehmern um vorwiegend Protest-Neulinge handelt, sprechen vor allem zwei Punkte dafür: zum einen das große Interesse am Weltklima und einer nachhaltigen Umweltpolitik und zum anderen die Hoffnung der jungen Menschen, durch ihren Protest tatsächlichen Einfluss zu nehmen und Politik wie Gesellschaft in Bewegung zu setzen. Entscheidend werden nicht zuletzt auch die Ausdauer von Initiatorin Greta Thunberg sowie eine weiterhin große mediale Aufmerksamkeit sein." (Dr. Piotr Kocyba, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professurs Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas der TU Chemnitz)

Multimedia: Eine Einordnung der Ergebnisse durch Dr. Piotr Kocyba ist in der Reihe "Statements aus der Forschung" verfügbar: http://bit.ly/TUC_Fridays_Kocyba

Original-Artikel (29. Mai 2019)

Die #FridaysForFuture-Bewegung hat am 24. Mai 2019 zu einem zweiten weltweiten Protesttag mobilisiert. Bei der ersten globalen Mobilisierung am 15. März dieses Jahres haben sich insgesamt weltweit 1.6 Millionen Menschen dem Schülerstreik angeschlossen. Die Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas der Technischen Universität Chemnitz hat gemeinsam mit einem internationalen Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Demonstrantinnen und Demonstranten in 13 Städten in neun Ländern während der ersten Mobilisierungswelle befragt – insgesamt wurden mehr als 10.000 Protestierende angesprochen und es liegen knapp 2.000 ausgefüllte Fragebögen vor. Auch bei der Befragung der zweiten globalen Mobilisierung war die Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas beteiligt – hier warten die beteiligten Kolleginnen und Kollegen auf die Rückläufer. Die Verwendung desselben Forschungsdesigns, das sich wesentlich an der Methodologie des Großprojekts "Caught in the Act of Protest: Contextualizing Contestation" (http://www.protestsurvey.eu ) orientiert, erlaubt es, gesicherte Aussagen über diejenigen zu treffen, die für eine klimafreundlichere Politik auf die Straße gegangen sind.

Junge Frauen sind bei Demonstrationen besonders stark präsent

„Die Ergebnisse der ersten Befragungsrunde zeigen, was nicht überraschend ist, dass sich an einem Schülerstreik vorwiegend die Altersgruppe der 14- bis 19-Jährigen beteiligt, auch wenn die Unterscheide zwischen den einzelnen Demonstrationen groß waren – der Median für alle Sample beträgt 21 Jahre und variiert zwischen 16 in Amsterdam und 40 in Brüssel“, berichtet Projektleiter Dr. Piotr Kocyba. Überraschender als das junge Alter der Demonstrantinnen und Demonstranten sei die Dominanz weiblicher Teilnehmer, die beispielsweise in Amsterdam, Florenz, Warschau oder Wien sogar 70 Prozent der Protestierenden ausmachten. „Bisherige Demonstrationsbefragungen zeigen ein eher ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern, wobei feministische Demonstrationen überwiegend Frauen und rechte Demonstrationen überwiegend Männer anziehen“, so Kocyba. Die überproportionale Teilnahme von Frauen an den FFF-Demonstrationen sei auf die starke Präsenz weiblicher Führungsfiguren zurückzuführen.
Eine neue Klimabewegung scheint sich zu etablieren

Vor dem Hintergrund des jungen Alters überrascht die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch der Umstand nicht, dass es sich bei den Demonstrantinnen und Demonstranten häufig um erstmalig mobilisierte Aktivistinnen und Aktivisten handelt. 38 Prozent der demonstrierenden Schülerinnen und Schüler haben sich am 15. März 2019 das erste Mal an einer Demonstration beteiligt. Die überwältigende Mehrheit der Protestierenden ist auch weder Mitglied einer Umweltorganisation, noch unterstützt sie eine solche finanziell. Nur 9,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler sind aktive oder passive Unterstützer einer solchen Organisation. Im Gegensatz dazu sind 35 Prozent der erwachsenen Demonstrantinnen und Demonstranten in einer Umweltorganisation engagiert. Die FFF-Bewegung und hier allen voran Greta Thunberg aus Schweden schaffen es damit, junge Menschen zivilgesellschaftlich erstmals zu aktivieren. 44,9 Prozent der Schülerinnen und Schüler gaben an, dass Thunberg sie zur Teilnahme an den Protesten motivierte. „Die signifikante Zahl junger und häufig erstmaliger Aktivistinnen und Aktivisten scheint die Möglichkeit für die Etablierung einer neuen Klimabewegung zu eröffnen, die jenseits etablierter Akteure und Organisationen ihre Ziele verfolgt“, meint Kocyba.

Die Professur Kultur- und Länderstudien Ostmitteleuropas der TU Chemnitz beteiligte sich an der internationalen Befragung dank der Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und war zuständig für die Datenerhebung in Warschau und unterstützte die Befragung in Budapest.

Details zur Studie finden sich hier: Wahlström, Mattias, Piotr Kocyba, Michiel De Vydt and Joost de Moor (Eds.) (2019). Protest for a future: Composition, mobilization and motives of the participants in Fridays for Future climate protests on 15 March, 2019 in 13 European cities.

Wichtiger Hinweis für die Medien: Im Presseportal der TU Chemnitz können Sie ein themenbezogenes Foto honorarfrei aus dem Ordner „Forschung“ des Bildarchivs herunterladen. Motiv: In seiner Studie analysierte Dr. Piotr Kocyba Daten aus persönlichen Gesprächen mit Demonstrantinnen und Demonstranten sowie aus Fragebögen. Foto: privat. www.mytuc.org/fnbp

Weitere Informationen erteilt Dr. Piotr Kocyba, Tel. +49 (0)371/531-38521, E-Mail piotr.kocyba@....

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